DAS 28 WIEN GARTENTIPP Symphyotrichum – schon dieser fast unaussprechliche botanische Name lässt vermuten, dass die gute alte Herbstaster botanisch einiges hinter sich hat. Viele der vertrauten „Astern“ tragen heute diesen neuen Namen, bei dem man sich beinahe die Zunge verrenkt. Warum diese Namensänderung? Früher ordnete man Pflanzen vor allem nach dem ein, was man sehen konnte: Blütenform, Blätter, Wuchs. Nach neuen genetischen Untersuchungen zeigte sich aber, dass die nordamerikanischen Herbstastern mit den europäischen Astern nicht so eng verwandt sind, wie ihr ähnliches Aussehen vermuten ließ. Damit die botanischen Gattungen wieder die tatsächliche Verwandtschaft abbilden, wurden viele Arten aus der alten Gattung Aster herausgelöst und neu zu Symphyotrichum gestellt. Für uns Gärtnerinnen und Gärtner heißt das: Am Pflanzenetikett steht nun ein anderer Name – im Beet aber bleibt dieselbe vertraute Schönheit. Zu den wichtigsten Gruppen zählen die niedrigen Kissen-Astern für Beetkanten, Steingartenbereiche und Töpfe, die kräftigen Raublatt-Astern wie Symphyotrichum novae-angliae, die eleganter wirkenden Glattblatt-Astern wie Symphyotrichum novi-belgii sowie die fein verzweigte Myrten- oder Erikaaster Symphyotrichum ericoides, die wie ein zarter Blütenschleier über dem Beet liegt. Dazu kommt die Bergaster Aster amellus, die ihren alten Namen behalten durfte und in sonnigen, eher mageren Lagen eine besonders dankbare, langlebige Gartenstaude ist. Besonders schön sind Sorten wie „Alma Pötschke“ mit ihrem leuchtenden, fast schon frechen Rosarot, „Violetta“ in tiefem Purpur, „Herbstschnee“ in klarem Weiß oder „Barr’s Blue“ mit blauviolettem Flor. Für kleinere Gärten und den Vordergrund empfehle ich kompakte Sorten wie „Rosenwichtel“, die nicht auseinanderfallen und auch im Topf eine gute Figur machen. Wer es natürlich liebt, pflanzt hohe Astern nicht als Soldaten in Reih und Glied, sondern locker zwischen Gräser, Fetthenne, Sonnenhut, HerbstAnemonen und vielleicht ein paar Samenstände des Fenchels. Die Pflege ist leicht: Herbstastern wollen Sonne, einen humosen, frischen bis mäßig feuchten Boden und genügend Abstand, damit die Blätter nach Regen rasch abtrocknen. Gepflanzt wird jetzt oder im Frühjahr. Den Ballen vorher gut wässern, das Pflanzloch großzügig lockern, reifen Kompost einarbeiten und danach gründlich angießen. Mulch aus Laub oder Rasenschnitt in dünner Schicht und etwas Kompost im Frühjahr sind die beste Versicherung für kräftige Pflanzen. In Trockenzeiten wird gleichmäßig gegossen. Hohe Sorten stützt man frühzeitig mit Reisig, Staudenringen oder unauffälligen Stäben – am besten, bevor man sie braucht. Nach der Blüte Stängel bis zum Frühjahr stehen lassen. Sie sind Winterschmuck und Unterschlupf für kleine Tiere. Gartengeschichte Garten-Marathon Meine Gartenreisen beginnen meist lange bevor der erste Koffer gepackt ist – nämlich gut ein Jahr vorher. Bei England heißt das: ein stimmiges Landhaushotel finden, Flüge sichern und dann der schönste Teil, die Inspektion. Klingt nach Arbeit, ist aber eine wunderbare Mischung aus Vorfreude, Spürsinn und gelegentlichem Linksverkehr-Adrenalin. Zuletzt war ich eine Woche in Schottland, den Cotswolds und in London unterwegs, um gleich drei Reisen vorzubereiten. Dabei staune ich jedes Mal über die britische Gastfreundschaft. Oft warten die privaten Gartenbesitzer schon am Tor – manchmal ein wenig aufgeregt, weil sie mich vorher im Internet gesucht haben. Dann steht da jemand mit einem ausgedruckten Foto, vergleicht es höflich mit dem Original und stellt fest: Das Original ist inzwischen etwas reifer… Andere sind enttäuscht, wenn ich ohne Blumenhemd erscheine. Man kann eben nicht alle Erwartungen erfüllen. In acht Tagen haben mein Freund und ich 34 Gärten besucht. Manche waren fix vereinbart, andere entdeckten wir im Vorbeifahren: Neuer Gennachweis halbiert nach „Gattungs-Tsunami“ Astern-Familie Eine genetische Untersuchung tauft edle Herbstastern-Familie mit lateinischem Namens-Wirrwar und bringt Challenge für Gartencenter. Der Pflanzenflüsterer & „DAS WIEN“-Kolumnist Karl Ploberger © Chrstoph Boehler
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