Das Wien - E-Book

DAS 24 WIEN AKTUELL Unsere Kinder brauchen Schutz, aber auch Vertrauen Als Elternteil sehe ich natürlich die Probleme, die soziale Medien für Kinder und Jugendliche mit sich bringen können. Cybermobbing, problematische Inhalte und übermäßige Bildschirmzeit sind reale Herausforderungen. Gerade deshalb sollte der Staat aber nicht einfach glauben, ein pauschales Verbot könne alle Probleme lösen. Wir Eltern tragen Verantwortung dafür, was unsere Kinder im Internet machen. Dazu gehört, Regeln aufzustellen, Gespräche zu führen und unseren Kindern einen vernünftigen Umgang mit sozialen Medien beizubringen. Medienkompetenz ist langfristig wichtiger als ein Verbot, das Jugendliche letztlich nur vor die Frage stellt, wie sie es umgehen können. Natürlich muss es klare Schutzmaßnahmen für Minderjährige geben. Gleichzeitig sollten Jugendliche lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen und unterschiedliche Meinungen auszuhalten. Wer junge Menschen auf das Leben vorbereiten will, muss ihnen auch zutrauen, mit der digitalen Welt umgehen zu lernen. Ich wünsche mir deshalb weniger Verbote und mehr Unterstützung für Eltern und Kinder. Schutz und Eigenverantwortung sollten kein Gegensatz sein. Heidrun T., 29, Pädagogin Als SPÖ-Mitglied mache ich mir Sorgen Ich bin seit vielen Jahren Mitglied der SPÖ und habe mich immer mit den Grundwerten unserer Partei identifiziert. Umso mehr beschäftigt mich, in welche Richtung sich die Partei derzeit entwickelt. Es geht mir dabei nicht um persönliche Angriffe auf einzelne Funktionäre, sondern um die Frage, ob wir die Sorgen unserer eigenen Wähler noch ernst genug nehmen. Viele Arbeitnehmer kämpfen mit steigenden Lebenshaltungskosten, hohen Wohnkosten und der Frage, wie sie sich ihren Alltag künftig noch leisten können. Von einer Arbeiterpartei erwarte ich, dass sie genau diese Menschen in den Mittelpunkt stellt. Stattdessen habe ich zunehmend den Eindruck, dass politische Debatten von ideologischen Fragen dominiert werden. Auch innerhalb der Gewerkschaft sollte man wieder stärker darüber sprechen, was Beschäftigte tatsächlich brauchen. Sichere Arbeitsplätze, faire Löhne, leistbare Wohnungen und ein funktionierendes Sozialsystem sind für mich wichtiger als parteipolitische Abgrenzungsrituale. Ich wünsche mir eine SPÖ, die wieder näher bei ihren Mitgliedern und den Arbeitnehmern ist. Kritik aus den eigenen Reihen sollte dabei nicht als Verrat verstanden werden. Im Gegenteil. Eine Partei, die ihre eigenen Mitglieder nicht mehr zuhört, verliert irgendwann den Kontakt zu jenen Menschen, für die sie eigentlich Politik machen sollte. Josef F., 78, Pensionist 80 Jahre Sozialpartnerschaft sind genug Ich kann das Eigenlob zum 80. Geburtstag der Sozialpartnerschaft nur schwer nachvollziehen. Wenn sich Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Politik gegenseitig auf die Schulter klopfen, während viele Betriebe ums Überleben kämpfen und die Wirtschaft seit Jahren schwächelt, wirkt das eher wie eine Szene aus einem falschen Film. Als Unternehmer frage ich mich, welchen Nutzen dieses System heute noch bringt. Zwangsbeiträge an Kammern und ein enges Zusammenspiel von Funktionären und Politik schaffen nicht automatisch Wachstum, neue Arbeitsplätze oder bessere Rahmenbedingungen. Im Gegenteil, manchmal entsteht der Eindruck, dass vor allem bestehende Strukturen und Privilegien abgesichert werden. Österreich braucht weniger gegenseitiges Abnicken und mehr Mut zu echten Reformen. Unternehmen brauchen weniger Bürokratie, niedrigere Kosten und mehr Spielraum. Arbeitnehmer brauchen sichere Arbeitsplätze und gute Löhne. Dafür braucht es keine Festakte mit Eigenlob, sondern konkrete Veränderungen. Wenn ein System nach 80 Jahren vor allem erklärt, warum es selbst so wichtig ist, sollte man vielleicht einmal fragen, ob es nicht längst Zeit für etwas Neues wäre. Sven B., 36, Unternehmer Frühsexualisierung Als Mutter bin ich empört, wenn in pädagogischen Materialien für Kinder Darstellungen vorkommen, die ich für völlig unangebracht halte. Gerade bei Kindern im Kindergarten- und Volksschulalter sollte besonders sorgfältig darauf geachtet werden, welche Inhalte ihnen vermittelt werden. Es geht nicht darum, jede Diskussion über Körper, Sexualität oder Aufklärung zu verbieten. Kinder sollen altersgerecht über ihren Körper und ihre Grenzen lernen. Aber dafür braucht es Sensibilität und klare Grenzen. Nacktdarstellungen von Kindern gemeinsam mit Erwachsenen gehören meiner Meinung nach nicht in Unterrichtsmaterialien für junge Kinder. Ich erwarte von der Stadt Wien, dass solche Materialien genau geprüft werden und Eltern darauf vertrauen können, dass in Kindergärten und Schulen der Schutz und das Wohl ihrer Kinder an erster Stelle stehen. Aufklärung ist wichtig, aber sie muss altersgerecht sein und darf niemals die Grenzen des Kindeswohls verwischen. Auch halbnackte Dragqueens haben in Volksschulen nichts verloren! Als Mutter möchte ich nicht erst nach einem Skandal erfahren, welche Materialien unseren Kindern vorgelegt werden. Ich erwarte eine sorgfältige Auswahl, Transparenz und vor allem Verantwortungsbewusstsein. Elisabet A., 31, Mutter Wiener Taxi braucht klare Regeln Wer in Wien in ein Taxi steigt, sollte wissen, was die Fahrt kostet. Berichte über Fixpreise, verweigerte Taxameterfahrten und überhöhte Forderungen am Hauptbahnhof schaden den Fahrgästen und vor allem jenen Taxiunternehmern, die sich an die Regeln halten. Die Stadtregierung muss endlich handeln. Klare und nachvollziehbare Tarife, wirksame Kontrollen und ein konsequentes Vorgehen gegen schwarze Schafe sind längst überfällig. Gerade für Touristen ist es ein schlechtes Signal, wenn die erste Taxifahrt in Wien zum Ärgernis wird. Wer ehrlich arbeitet, darf nicht unter jenen leiden, die mit Fantasiepreisen die gesamte Branche in Verruf bringen. Die Stadt sollte daher die Gespräche mit der Taxiinnung fortsetzen und für faire und klare Bedingungen sorgen. Helmut K., 38, Taxifahrer Aumannplatz Ich wohne in der Nähe des Aumannplatzes und frage mich, warum über die Köpfe der Anrainer hinweg ein Millionenprojekt durchgezogen werden soll. 3,2 Millionen Euro sind kein Kleingeld, und gerade in Zeiten knapper Budgets sollte genau überlegt werden, wofür dieses Geld ausgegeben wird. Viele von uns wünschen sich einen schöneren und verkehrsberuhigten Aumannplatz. Aber dafür muss man nicht gleich ein teures Großprojekt umsetzen. Es gibt auch einfachere und deutlich günstigere Lösungen, die man zunächst ausprobieren könnte. Was mich besonders ärgert, ist, dass die Bürger offenbar nur gefragt werden sollen, wenn das Ergebnis bereits feststeht. Wenn es tatsächlich so viel Zustimmung für das Projekt gibt, sollte eine Bürgerversammlung doch kein Problem sein. Die Anrainer leben hier und müssen mit den Folgen der Entscheidung jeden Tag zurechtkommen. Deshalb sollten sie auch mitreden dürfen. Carmen M., 47, Anrainerin Senden Sie uns Ihren Leserbrief an: redaktion@das-wien.at

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