DAS 8 WIEN AKTUELL In der SPÖ rumort es, doch ÖGB-Chef Wolfgang Katzian will davon nichts wissen. In der ORF-„Pressestunde“ stellte er sich demonstrativ hinter Parteichef Andreas Babler und erteilte einer neuerlichen Personaldebatte eine klare Absage. Ein Austausch an der Parteispitze werde keinen einzigen Umfragewert verbessern, so Katzian. Babler sei erst vor sechs Monaten wiedergewählt worden. Die Personalfrage komme, wenn überhaupt, erst am Ende einer Diskussion über die politische Zukunft der SPÖ. Damit versucht Katzian, die aufkeimende Debatte abzuwürgen. Auch ein internes Papier von FSGChef Josef Muchitsch, in dem eine personelle Neuausrichtung ins Spiel gebracht worden war, wollte er nicht als unmittelbare Kampfansage an Babler verstanden wissen. Zuerst müsse die Partei einen Plan und eine Vision für Österreich entwickeln, danach könne man über Personen reden. Inhaltlich bleibt die SPÖ allerdings auf ihrem bisherigen Kurs. Eine Annäherung an die FPÖ lehnt Katzian kategorisch ab. Auch den Vorwurf, die Sozialdemokratie sei in manchen Bereichen zu weit nach links gerückt, wies er zurück. Gerade bei Migration sieht er keinen Grund für eine Kurskorrektur. Entscheidend sei vielmehr, dass die Menschen unter den hohen Lebenshaltungskosten leiden. Die SPÖ müsse zeigen, dass sie deren konkrete Probleme löst. Bei den Pensionen bleibt Katzian ebenfalls hart. Eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters lehnt der Gewerkschaftschef weiterhin ab. Die demografische Entwicklung sei kein ausreichendes Argument, um an den bestehenden Regeln zu rütteln. Wenn sich Österreich die Pensionen nicht leisten könne, habe das Land ohnehin ganz andere Probleme, erklärte er sinngemäß. Dafür fordert Katzian mehr Geld für den Insolvenzentgeltfonds. Dieser sei unterfinanziert und müsse auf Kosten der Arbeitgeber höher dotiert werden. Arbeitnehmer sollen schließlich auch dann zu ihrem ausstehenden Lohn kommen, wenn ihr Arbeitgeber pleitegeht. Die Industriellenvereinigung hält dagegen: Höhere Beiträge würden die Lohnnebenkosten weiter nach oben treiben und damit geplante Entlastungen zunichtemachen. Auch bei den Energiepreisen will Katzian wieder stärker eingreifen. Angesichts der steigenden Spritpreise spricht er sich für eine neuerliche Begrenzung der Margen von Energiekonzernen aus. Warnungen vor möglichen Folgen für die Versorgungssicherheit wischt er beiseite. Beim Klimaschutz schwebt ihm zudem ein „kleines, feines Konjunkturpaket“ für Gebäudesanierungen und andere Klimamaßnahmen vor. Kritik kommt unterdessen von der FPÖ. Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch wirft Katzian vor, sich im Fernsehen als Oppositioneller zu präsentieren, obwohl der ÖGB eng mit der SPÖ verbunden ist. Besonders seine Forderungen nach höheren Beiträgen für den Insolvenzentgeltfonds stoßen auf Widerspruch. Auch seine Haltung zu Pensionen und staatlichen Eingriffen in Preise wird von den Freiheitlichen scharf kritisiert. Katzian selbst denkt offenbar noch nicht an einen Abschied. Ob er nach dem Ende seiner Amtsperiode 2028 neuerlich als ÖGB-Präsident antreten will, ließ er offen. Dafür sei noch Zeit. Bis dahin dürfte allerdings auch die Personaldebatte in der SPÖ kaum endgültig verschwunden sein. Denn eines zeigt der Auftritt deutlich: Katzian will sie derzeit beenden – ob damit aber auch die Unruhe in der Partei endet, steht auf einem anderen Blatt. H. K. Wolfgang Katzian, Präsident des ÖGB © Markus Zahradnik Pragmatischer Katzian hält zu Babler – und wischt Personaldebatte vom Tisch AUSGABE 3/2026 Wirtschaftsführer für die stadt Wien Trotz Hitze und Trockenheit Weinernte 2026 verspricht Spitzenqualität Wiener Weinprinzessin Anna Langes und Bürgermeister Michael Ludwig © Stadt Wien / Christian Jobst JETZT NEU! www.der-wirtschaftsfuehrer.at
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