DAS WIEN AKTUELL 13 „Airbnb“ als Sündenbock: Jetzt wird das Rathaus plötzlich fleißig, aber negiert Gründe Plötzlich geht es ganz schnell. Nachdem der Wiener Wohnungsmarkt seit Jahren für steigende Preise, Wohnungsknappheit und lange Wartelisten sorgt, entdeckt die Stadtregierung die touristische Kurzzeitvermietung als großen Problemfall. Airbnb soll stärker kontrolliert, illegale Vermietung bekämpft und der Wohnraum besser geschützt werden. Klingt gut, doch warum eigentlich erst jetzt? Denn dass Wohnungen über Plattformen wie Airbnb dem klassischen Wohnungsmarkt entzogen werden können, ist keineswegs eine neue Erkenntnis. Seit Jahren wird über die Graubereiche der Kurzzeitvermietung diskutiert. Ebenso lange gibt es Beschwerden über fehlende Kontrollen. Jetzt soll mit Registrierungspflichten, strengeren Regeln und höheren Strafen durchgegriffen werden. Die Stadt präsentiert sich plötzlich als energischer Wohnraumschützer. Nur hat der Wohnungsmarkt weit größere Baustellen Wer den Eindruck erweckt, Airbnb sei für die Wiener Wohnungsprobleme verantwortlich, macht es sich allzu bequem. Der Bedarf an leistbaren Wohnungen steigt, während der Neubau schwächelt und die Kosten für Wohnen für viele Haushalte zur Belastung werden. Gleichzeitig verfügt Wien mit Wiener Wohnen über einen gewaltigen kommunalen Wohnungsbestand. Gerade dort müsste die Stadt zeigen, dass sie ihre Hausaufgaben erledigt. Stattdessen wird gern mit dem Finger auf andere gezeigt. Mal sind es private Vermieter, mal Spekulanten, mal die Kurzzeitvermietung. Das lässt sich politisch hervorragend verkaufen. Man hat einen Schuldigen gefunden und kann gleichzeitig so tun, als hätte man das große Wohnungsproblem im Griff. Dabei wäre eine ehrliche Debatte dringend notwendig. Wie viele Wohnungen fehlen tatsächlich? Warum wird nicht schneller und günstiger gebaut? Warum entstehen nicht ausreichend neue geförderte Wohnungen? Und wie kann bestehender Wohnraum so genutzt werden, dass er tatsächlich jenen zur Verfügung steht, die dauerhaft in Wien leben und arbeiten? Auch die gewerbliche Wohnungswirtschaft darf nicht pauschal zum Prügelknaben gemacht werden. Private und gewerbliche Investoren stellen einen erheblichen Teil des Wohnungsangebots bereit. Wer jeden Vermieter automatisch als Teil des Problems darstellt, riskiert am Ende genau das Gegenteil dessen, was eigentlich erreicht werden soll. Weniger Angebot und damit noch mehr Druck auf die Preise. Natürlich muss illegale Kurzzeitvermietung kontrolliert werden. Wenn Wohnungen dauerhaft dem normalen Mietmarkt entzogen und stattdessen tageweise an Touristen vergeben werden, darf die Stadt nicht wegschauen. Regeln müssen kontrolliert und Verstöße geahndet werden. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Aber Kontrolle ersetzt keinen Wohnungsbau. Und genau hier wird es unangenehm für das Rathaus. Neue Verbote und zusätzliche Bürokratie lassen sich schnell ankündigen. Ein neues Wohnhaus zu planen, zu genehmigen und tatsächlich fertigzustellen, dauert wesentlich länger. Noch schwieriger wird es, wenn die Stadt gleichzeitig mit hohen Baukosten, komplizierten Vorschriften und einer schwächelnden Bauwirtschaft zu kämpfen hat. Airbnb ist deshalb bestenfalls ein Teil des Problems, aber sicher nicht die Wundererklärung für die Wiener Wohnungsnot. Wer wirklich für leistbares Wohnen sorgen will, muss mehr Wohnungen schaffen, bestehende Wohnungen sinnvoll nutzen und die Kosten im Blick behalten. Sonst bleiben vom großen Wohnungsprogramm am Ende vor allem viel politische Betriebsamkeit und wenig zusätzliche Quadratmeter über. H. K. AUSGABE 3/2026 Wirtschaftsführer für die stadt Wien Trotz Hitze und Trockenheit Weinernte 2026 verspricht Spitzenqualität Wiener Weinprinzessin Anna Langes und Bürgermeister Michael Ludwig © Stadt Wien / Christian Jobst JETZT NEU! www.der-wirtschaftsfuehrer.at screenshot airbnb
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