DAS WIEN AKTUELL 10 Wien im roten Ausnahmezustand: Beim traditionellen Maiaufmarsch am Rathausplatz hat Bürgermeister Michael Ludwig eine kämpferische Rede gehalten – mit klaren Ansagen, viel Selbstbewusstsein und scharfen Angriffen auf politische Gegner. Vor tausenden Anhängerinnen und Anhängern wurde der 1. Mai einmal mehr zur großen Bühne der Sozialdemokratie – mit Fahnen, Musik und einer klaren Botschaft: Die SPÖ sieht sich weiterhin als Schutzmacht der arbeitenden Menschen. „Wir sind die, die zeigen, was in Wien für die Menschen möglich ist“, rief Ludwig unter lautem Applaus. Der 1. Mai sei kein gewöhnlicher Feiertag, sondern ein Kampftag der Arbeitnehmer, betonte er. Gerade in Zeiten von Teuerung, Unsicherheit und internationaler Krisen sei es wichtiger denn je, soziale Errungenschaften zu verteidigen. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass Rechte wie der Achtstundentag, Urlaub oder Mitbestimmung hart erkämpft wurden – und nicht selbstverständlich seien. Zusammenhalt beschwören Die Stimmung am Rathausplatz: kämpferisch, aber auch zuversichtlich. Viele Teilnehmer sahen im Maiaufmarsch ein wichtiges Zeichen der Solidarität. „Gerade jetzt müssen wir zusammenstehen“, war aus der Menge immer wieder zu hören. Genau diesen Ton griff Ludwig auf: Zusammenhalt und Geschlossenheit seien das Fundament der Sozialdemokratie – besonders dann, wenn der Gegenwind stärker werde. Besonders deutlich wurde der Bürgermeister, als es um die FPÖ ging. Eine Zusammenarbeit komme für ihn „unter keinen Umständen“ infrage. Nicht nur die Inhalte, auch der Umgangston führender Vertreter sei für ihn untragbar. Ludwig machte klar: Wien werde diesen Kurs nicht mitgehen – weder heute noch in Zukunft. Auch die Bundespolitik bekam ihr Fett ab. Die frühere Regierung habe ein Milliardenloch hinterlassen, das nun die aktuelle Regierung bewältigen müsse. Gleichzeitig stellte sich Ludwig demonstrativ hinter die sozialdemokratischen Kräfte auf Bundesebene. Der 1. Mai sei auch ein Signal der Unterstützung für jene, die Verantwortung tragen. Ein zentrales Thema blieb das Gesundheitssystem. Ludwig erteilte Privatisierungsplänen eine klare Absage: „Gesundheit darf keine Ware sein.“ Statt Kürzungen kündigte er massive Investitionen an. Milliarden sollen in Spitäler fließen, Gesundheitszentren ausgebaut und tausende Pflegekräfte ausgebildet werden. Für viele am Platz klang das wie ein Versprechen, das direkt an den Geist des 1. Mai anknüpft: ein starker Staat, der für alle da ist. Ähnlich selbstbewusst präsentierte sich Wien beim Thema Wohnen. Leistbarer Wohnraum sei eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit. Dass ein Großteil der Bevölkerung in geförderten Wohnungen lebt, sei kein Zufall, sondern Ergebnis harter politischer Kämpfe. Ludwig machte deutlich: Dieser Weg werde weitergeführt – auch gegen Widerstände von Investoren. Auch wirtschaftlich sieht sich Wien auf Erfolgskurs. Noch nie habe es so viele Beschäftigte gegeben. Besonders betonte Ludwig die Rolle älterer Arbeitnehmer. Gerade am 1. Mai gehe es darum, die Leistung aller Generationen sichtbar zu machen. Arbeit dürfe nicht nach Alter bewertet werden, sondern nach Erfahrung und Engagement. Bekenntnis zum Pensionssystem Für Diskussionen sorgte seine klare Haltung zu Pensionen. Eine Anhebung des Pensionsantrittsalters lehnt er strikt ab. Viele ältere Menschen würden ohnehin schwer Arbeit finden. Der 1. Mai sei daher auch ein Tag, um gegen Verschlechterungen im Pensionssystem aufzutreten. Ebenso klar fiel sein Nein zur Sonntagsöffnung aus. Ein gemeinsamer freier Tag sei wichtig für Familien und gesellschaftlichen Zusammenhalt – ein Argument, das bei vielen Demonstrierenden auf Zustimmung stieß. Zum Abschluss wurde Ludwig grundsätzlicher: Der 1. Mai sei nicht nur ein Tag der Rückschau, sondern auch ein Auftrag für die Zukunft. Es gehe darum, Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit aktiv zu verteidigen. Wien solle dabei als Beispiel vorangehen – nicht nur in Österreich, sondern auch international. Die Botschaft des Tages ist eindeutig: Der 1. Mai lebt – und er ist in Wien mehr als Tradition. Er ist politische Kampfansage, Selbstvergewisserung und Mobilisierung zugleich. Für die Fans am Rathausplatz ein starkes Signal. Für die Gegner wohl eine klare Provokation. H. K. Das rote Wien ist der Fels in der Brandung für die Sozialdemokratie Die Masse ist etwas kleiner, aber eindrucksvoll wie emotional die SPÖ den Tag der Arbeit am 1. Mai in Wien unverändert hochleben lässt. © (2) SPÖ
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