DAS WIEN AKTUELL 18 Nach Orbán: Wohin steuert die EU? Die Europäische Union steht an einem Scheideweg - und Ungarn ist dabei längst zum Symbol geworden. Während Viktor Orbán für staatliche Souveränität, nationale Identität und eine eigenständige Politik steht, drängt Brüssel immer stärker in Richtung Zentralismus, Gleichschaltung und ideologischer Vorgaben. Die wirtschaftliche Entwicklung in Ungarn und Vorwürfe von Nepotismus führten zu einem demokratischen Wechsel vor Ort. Die aktuelle Diskussion rund um die Zukunft der EU nach der Wahlniederlage Orbáns zeigt vor allem eines: Es geht längst nicht mehr nur um Ungarn – es geht auch um die Grundfrage, ob Europa ein Bund souveräner Nationen bleibt oder zu einem zentralistisch gesteuerten EU-Superstaat mutiert. Besonders deutlich wird dieser Konflikt beim Thema Ukraine. Rund 90 Milliarden Euro an EU-Geldern wurden bereits mobilisiert oder zugesagt. Geld, das letztlich von den europäischen Steuerzahlern kommt - auch von jenen, die selbst unter Inflation, steigenden Energiepreisen und wachsender Unsicherheit leiden. Während Brüssel Milliarden verteilt, kämpfen viele Bürger im eigenen Land ums wirtschaftliche Überleben. Gleichzeitig wird Europa sehenden Auges in energiepolitische Abhängigkeiten getrieben, die jeder Vernunft widersprechen. Der abrupte Bruch mit russischer Energie hat nicht zu mehr Stabilität geführt, sondern zu explodierenden Kosten und einer Schwächung der eigenen Industrie. Statt pragmatischer Lösungen dominiert eine ideologisch getriebene Politik, die mehr schadet als nützt. Auch in der Migrationsfrage (Péter Magyar will diese übrigens wie Orbán konsequent fortsetzen) zeigt sich die tiefe Spaltung. Während Staaten wie Ungarn klare Grenzen ziehen und ihre nationale Identität schützen wollen, setzt Brüssel auf EU-Umverteilung, Quoten und politischen Druck. Der Wille der Bevölkerung wird dabei oft ignoriert – zugunsten einer EU-Migrations-Agenda, die fernab der Realität vieler Menschen gestaltet wird. Unterstützung erhält dieser Kurs längst auch über Ungarn hinaus: Andrej Babiš und Robert Fico stehen ebenfalls für eine Politik, die nationale Interessen, wirtschaftliche Vernunft und eine restriktive Migrationslinie in den Mittelpunkt stellt. Sie zeigen: Der Ruf nach mehr Souveränität ist kein Sonderweg, sondern entwickelt sich in immer mehr europäischen Staaten zur politischen Realität. Ein Blick auf die Wahlergebnisse in Ländern wie Österreich, Deutschland oder Frankreich unterstreicht diese Entwicklung deutlich. Nun kündigt der ungarische Wahlsieger Péter Magyar an, den inhaltlichen Kurs Ungarns nicht grundlegend ändern zu wollen. Im Gegenteil. Das ist bemerkenswert und zugleich entlarvend. Selbst politische Gegner erkennen offenbar, dass viele der Positionen Orbáns nicht ideologisch, sondern schlicht realpolitisch notwendig sind. Übrigens, im ungarischen Parlament sitzen jetzt drei rechte Parteien. Die Linke ist dort außerparlamentarisch. Die entscheidende Frage lautet daher: Wird Europa den Mut haben, zu seinen Wurzeln zurückzukehren? Zu einem Europa der Vaterländer, in dem Vielfalt respektiert und nationale Entscheidungen geachtet werden? Oder wird der Weg in einen zentralistischen EU-Apparat fortgesetzt, der immer weiter von den Bürgern entfernt ist? Die Antwort darauf wird nicht in Brüssel entschieden – sondern in den Hauptstädten Europas. Und letztlich bei den Bürgern selbst. Denn eines ist klar: Ein Europa ohne Souveränität ist kein Europa der Freiheit. Und in einem Europa ohne wirtschaftlichen Aufschwung, gibt es keine Zukunft! BassenaTratsch DER IDIOT – sehr frei nach Dostojewski C‘est la fête!!! Nastassja Filippowna Baraschkowa, langjährige Maîtresse Tozkis, feiert ihren 25. Geburtstag. Zu Gast ist neben illustren Mitgliedern der St. Petersburger Gesellschaft auch der gerade aus dem Schweizer Exil zurückgekehrte Fürst Myschkin – ein wahrer Party Pooper. Dennoch dient er allen Anwesenden als Projektionsfläche der eigenen Sehnsüchte. Fürst Myschkin, der von Aglaja, einer wohlerzogenen Tochter aus gutem Hause, umschwärmt wird, schockverliebt sich in Nastassja. Die Geburtstagsparty spitzt sich zu - Nastassja rechnet nicht nur mit ihrem ehemaligen (Un)Wohltäter Tozki ab, sondern auch mit dem Mann, mit dem sie systemkonform verheiratet werden soll: Ganja, einer nur aufs Geld versessenen Kleinkrämerseele. Am Höhepunkt des Abends bieten sowohl Fürst Myschkin als auch der Bonvivant Rogoshin Nastassja die Hand an. Diese sprengt als freie Radikale den sehr engen gesellschaftlichen Rahmen der Zeit und der Bronski-Bühne. Myschkins Fieberalbtraum. Eine hitzige Abrechnung mit Idioten. Aggressive Dance Battles. Und vielleicht auch ein bisschen Karaoke. LA BOUM auf Russisch. Nach „Der weiße Hai“ inszeniert Martina Gredler nun zum zweiten Mal im Bronski und Grünberg Theater und hat sich erneut einen monströsen Klassiker vorgenommen: Dostojewskis „Der Idiot“ – in die Enge eines Roy Andersson Settings geworfen – trifft hier vor allem auf eine starke Nastassja, peinliche Nebenbuhler und ganz viel Champagner. Regie und Textfassung: Martina Gredler Besetzung: Simon Bauer, Marie Nadja Haller, Sebastian Pass, Adriane Grządziel, Christian Erdt, Johnny Mhanna, Kostüm: Lejla Ganic Bühne: Anna Reichmayr Musikalische Gestaltung: Katharina Stöger Das BRONSKI & GRÜNBERG Theater 1090 Wien, Müllnergasse Premiere am 30. April 2026 Weitere Termine, Beginn: 20.30 Uhr: 10./12./20./22. Mai & 2./3./16./17. Juni © (2) Philine Hofmann
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