DAS WIEN AKTUELL 12 Die Bundesregierung hat ihre Werbeausgaben für heimische Medien im ersten Halbjahr um bis zu 80 Prozent gekürzt. Damit fehlen vielen Verlagen wichtige Einnahmequellen. So mussten „Die Presse“, „Der Standard“ oder Puls24, sowie die Kleine Zeitung bereits Mitarbeiter entlassen. Denn die Inserate der öffentlichen Hand waren für viele Verlagshäuser ein wichtiger Baustein – nun droht eine Pleitewelle. Gleichzeitig investiert die Bundesregierung 14 Millionen in SocialMedia-Plattformen wie Facebook, Instagram und Google. Heimische Verlage gehen leer aus. Laut offiziellen Inseratendaten flossen allein an Facebook und Instagram 6,7 Millionen Euro, an Google sogar 7,6 Millionen Euro – und das mitten in der Sparphase! Während öffentliche Stellen ihre Werbebudgets für Zeitungen um 78 Prozent und für Online-Medien um 82 Prozent kürzten, wurde der Geldhahn für US-Giganten nicht zugedreht, sondern aufgedreht: plus 2,5 Prozent im Vergleich zu 2024. Für viele österreichische Medienhäuser ist das ein Schlag ins Gesicht. Frustrierte Medienlandschaft In der Medienbranche wächst der Frust. Während heimische Redaktionen um Jobs kämpfen, profitieren internationale Tech-Konzerne – jene, die seit Jahren Inhalte österreichischer Medien kostenlos nutzen und Milliardenprofite einfahren. Unabhängige und starke Medien sind das Fundament einer lebendigen Demokratie. Doch die aktuelle Medienkrise belastet Redaktionen und Medienhäuser im ganzen Land schwer: Journalisten verlieren ihre Jobs, während die österreichische Medienlandschaft immer stärker unter Druck von internationalen Tech-Konzernen wie Google, Meta & Co gerät. „Der zuständige Medienminister Babler scheint mit dieser Situation völlig überfordert zu sein“, kritisiert die Mediensprecherin der Grünen, Sigi Maurer. „Während quer durchs Land Journalisten gekündigt werden und viele Redaktionen ums Überleben kämpfen, begnügt sich der Vizekanzler damit, einen nichtssagenden Antrag an sich selbst zu richten. Er lässt die Medien im Stich.“ Bgm. Ludwig spricht Klartext Damit gemeint ist ein Entschließungsantrag im jüngsten Verfassungsausschuss, bei dem die Regierungsfraktionen lediglich einen Entschließungsantrag eingebracht haben, der Babler auffordert, eine wissenschaftliche Analyse zur Situation der Medien in Auftrag zu geben. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) bringt es auf den Punkt: „Investieren wir unsere Werbemittel verstärkt in heimische Medien anstatt in Online-Giganten. Unsere Medien brauchen uns jetzt.“ Stattdessen startete Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) sein parteinahes Projekt „SPÖ-TV“ innerhalb weniger Wochen – während dringend benötigte Fördermodelle für private Medien weiter auf Eis liegen. Dabei ist sich Vizekanzler Andreas Babler der alarmierenden Situation in der Medienbranche bewusst. „Die Lage wird jeden Tag prekärer“, sagte er bei einem Medientermin. Ruder herumreißen Gegensteuern will er mit einer Vertriebsförderung und einem „Meine-Zeitung-Abo“ für Jugendliche. Weitreichendere Maßnahmen würde er begrüßen, verweist aber auf engen budgetären Spielraum. Eine härtere Besteuerung von Big-Tech-Unternehmen sei wünschenswert, aber heikel. „Zunehmend mehr Medien können sich nicht mehr aus eigenen Einnahmequellen finanzieren. Bestehende staatliche Förderungen können das nicht abfangen. Es ist eine sehr schwierige Situation, die immer akuter wird“, sieht Babler ein demokratiepolitisches Problem auf Österreich zukommen, wenn die Medienvielfalt unter Druck gerät. Man unterstütze die Branche bereits jährlich mit 80 Mio. Euro an Förderungen. „Das ist keine kleine Summe. Aber offensichtlich funktioniert es trotzdem nicht“, sagte der Medienminister. Man wolle nun auf Basis einer wissenschaftlichen Analyse den Fokus der Förderungen erneuern, sie einheitlicher in der Struktur gestalten und treffsicherer machen. Aber klar sei auch, dass eine Grundabhängigkeit der Medien von Förderungen nicht erstrebenswert sei. H.K. GENIESSEN MIT „DAS WIEN“ Gewinnen Sie 5 x 1 Gutschein im Wert von 100 Euro von Wo befindet sich Julius Meinl in Wien? a) 1090 b) 1010 Senden Sie eine Mail mit dem Betreff „Meinl“ und der korrekten Antwort an marketing@das-wien.at Einsendeschluss: Freitag, 16. Juli Einsendeschluss: Fr., 14. November 2025 Österreichs Medienlandschaft kracht wie eine Kaisersemmel Die„vierte Gewalt“ kämpft ums finanzielle Überleben. Schuld daran hat die Bundesregierung ebenso wie internationale US-Tech-Giganten. Medienminister Andreas Babler © Parlamentsdirektion/Katie-Aileen Dempsey
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