Das Wien

Die Gratis-Wochen­zeitung

Vorherige Ausgabe lesen

Neueste Ausgabe lesen

Geschätzte Leser! Liebe Leserinnen!

Trend-Mix

Wir gehen in einen spannenden politischen Herbst. Am 25. September wählten die Tiroler einen neuen Landtag und am 9. Oktober dann alle Österreicher den Bundespräsidenten.

Von 20 Kandidaturwilligen haben sieben die notwendigen 6.000 Unterstützungsunterschriften geschafft und stehen somit auf dem Stimmzettel. Das ist Rekord. Noch nie gab es so viele Bewerber. Neben dem grünen Amtsinhaber Alexander Van der Bellen treten der aktive Volksanwalt und gelernte Rechtsanwalt Walter Rosenkranz (FPÖ), MFG-Chef Michael Brunner, der Blogger Gerald Grosz (früher BZÖ), Schuhfabrikant Heinrich Staudinger, Rechtsanwalt und Ex-„Krone“-Kolumnist Tassilo Wallentin sowie Bierpartei-Gründer Dominik Wlazny (alias „Marco Pogo“) an. Auffällig, dass diesmal keine einzige Frau antritt. Die sieben männlichen Kandidaten werden in alphabetischer Reihenfolge am Stimmzettel aufscheinen. Gewählt ist derjenige, der mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält.

Sah es anfänglich noch nach einem klaren Sieg des Amtsinhabers aus, so ist mit der großen Zahl an Konkurrenten die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl gestiegen. Das sagen zumindest die neuesten Umfragen, die sich täglich ändern. Trotz der ständig wechselnden Zahlen sind jedoch klare Trends erkennbar. Trend Nummer eins: Van der Bellen liegt klar voran, baut aber stetig ab und ist von den notwendigen 50 Prozent weit entfernt. Trend Nummer zwei: FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz liegt klar auf Platz zwei und ist somit wohl der wahrscheinlichste Gegner in einer Stichwahl. Das wäre eine Neuauflage des legendären Präsidentenduells von 2016, bei dem FPÖ-Kandidat Norbert Hofer nach fast einem Jahr Wahlkampf knapp geschlagen wurde. Trend Nummer drei: Bierparteichef Wlazny und Schuhfabrikant Staudinger wildern im linken Lager und ziehen die Stimmen der enttäuschten Van der Bellen-Wähler ab. Es könnte am 9. Oktober also durchaus zu einer Überraschung kommen.

Allzu ernst sollte man die derzeit kolportierten Umfragen aber nicht nehmen, haben sich die Meinungsforscher doch bei der Wahl 2016 bis auf die Knochen blamiert. Bleibt nur noch die Stimmungslage in der Bevölkerung. Und die dürfte für Van der Bellen nicht die Beste sein. So verzeihen viele Linke ihrem grünen Präsidenten nicht, dass er eine türkis-blaue Bundesregierung mit deren Hassobjekten Sebastian Kurz und HC Strache, samt Gottseibeiuns Herbert Kickl freundlich und widerspruchslos angelobt hat. Andere aus der linken Esoterikszene verzeihen Van der Bellen nicht, dass er den teilweise verfassungswidrigen Corona-Kurs der türkis-grünen Bundesregierung mitgetragen hat und sich klar für die Impfung ausgesprochen hat. Links-katholische ÖVPler, die noch 2016 Van der Bellen gewählt haben um Hofer zu verhindern, verzeihen ihm nicht, dass er beim Sturz des erfolgreichen und beliebten Sebastian Kurz maßgeblich beteiligt war. Kein Wunder, dass man bei öffentlichen Auftritten des amtierenden Präsidenten vermehrt Pfeifkonzerte hört.

Dazu kommt noch, dass das Wahlkampfmanagement Van der Bellens einen groben Fehler nach dem anderen macht. Ohne Lothar Lockl, der Van der Bellen zum Sieg 2016 gecoacht hat, geht es offenbar nicht. Man könnte auch sagen, das VDB-Team ist am besten Weg den Wahlkampf zu verschüsseln (Anm.: 2006 wurde ÖVP-Kanzler Schüssel nach einem halbherzigen Wahlkampf überraschend abgewählt). Zudem merkt man Van der Bellen die Lustlosigkeit am Wahlkampf an. Hat er doch 2016 angekündigt nicht noch einmal antreten zu wollen. Es gilt jedoch als gesichert, dass ihn seine Frau Doris Schmidauer zur Kandidatur gedrängt hat. Und das merkt man auch. Sie ist sein ständiger Schatten. Kein Auftritt ohne sie. Noch nie hat sich eine Präsidentengattin derart ins Rampenlicht gedrängt. Offenbar genießt die ehemalige Demonstrantin gegen den Opernball den Glamour der oberen Zehntausend. Da passt es auch ganz gut, dass das First Couple lieber zum Begräbnis der Queen fährt, als in Österreich wahlzukämpfen. Erstaunlich für Leute, die in der kommunistischen Studentenbewegung sozialisiert wurden. Und spannend, wie das beim Wählervolk ankommt.

Heinz Knapp,
Herausgeber


Vorteile von „DAS WIEN“

  • Enormes Verbreitungsgebiet

    Mit diesem enormen Verbreitungsgebiet erreicht die Zeitung Wiener Haushalte und damit Wienerinnen und Wiener.

  • Themenvielfalt

    Neben interessanten Hintergrundberichten und spannenden Interviews erfahren die Leser Wissenswertes über die Wiener Szene, Aktuelles aus Politik und Wirtschaft sowie Neuigkeiten aus den 23 Bezirken.

  • Unabhängige Redaktion

    „DAS WIEN“ bringt regionale, aber auch internationale Berichte und umfangreiche Reportagen. Hautnah und direkt am Geschehen - die Devise der unabhängigen Redaktion.

  • Pflichtlektüre

    „DAS WIEN“ gilt als Pflichtlektüre für Medienprofis, PR-Agenturen, Öffentlichkeitsarbeiter und Anzeigen-Abteilungen.

Zur besten Nutzung dieser Website und zur Bedienerfreundlichkeit werden Cookies verwendet. Diese Website nutzt zusätzlich Scripte, welche Cookies benutzen. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus. [ Mehr zum Datenschutz ].
OK