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Pullover für den Frieden

In den grauen Vorzeiten der Grünen Bewegung sind die ersten Abgeordneten, die es in die europäischen Parlamente gespült hat, damit aufgefallen, dass sie sich mit ihrem äußerlichen Erscheinungsbild über die damals üblichen Bekleidungsregeln hinweggesetzt haben. Statt dunklem Anzug und Krawatte, hielten Latzhose und Schlabberpulli Einzug ins Hohe Haus.

Besonders diese Pullis standen damals im Fokus der medialen Aufmerksamkeit. War es doch ein provokanter Tabubruch, dass die Grün-Abgeordneten diese öffentlich während der Plenarsitzungen im Parlament selbst strickten. Und zwar sowohl die Damen, als auch die Herren. Doppelt provokant. Strickende Männer. Dem nicht genug, gaben die frisch ins Parlament gewählten Grünen zum Besten, dass sie diese Pullover für den Weltfrieden stricken würden. Zudem demonstrierten sie gegen die böse NATO und unterstützten so indirekt die kommunistischen Russen auf der anderen Seite des eisernen Vorhanges. Das alles war einmal.

Heute ist es lustigerweise genau umgekehrt. Heute strickt kein Grüner mehr einen Pullover für den Weltfrieden. Ganz im Gegenteil. Die heutigen Grünen frieren lieber für die Ukraine. Und sie unterstützen auch nicht mehr die Russen, sondern bekämpfen diese – ganz ohne Pullover. Wie sich die Zeiten doch ändern!

Schlau war die Pullover-Strategie damals nicht und ist sie heute nicht. Überraschenderweise ist es nicht gelungen, mit selbstgestrickten, Pullovern den Weltfrieden herbeizuführen. Ob die Grünen deswegen ihre Strategie geändert haben und es jetzt mit „Frieren für den Frieden“ versuchen, wird wohl noch in zahlreichen Doktorarbeiten von Studierenden diverser Orchideenfächer erforscht werden.

Apropos Doktorarbeiten. Nach fast einem Jahr (!), wurde letzte Woche festgestellt, dass es sich um kein Plagiat bei der Doktorarbeit unserer Justizministerin handelt – somit darf sie Ihren Doktortitel behalten. Narrenfreiheit dürfte auch die derzeit unpopulärste Politikerin nämlich Infrastrukturministerin Leonore Gewessler – innerhalb der schwarz-grünen Bundesregierung – haben. Vergeht doch keine Woche ohne Schnapsidee aus ihrem Ministerium. Sei es die CO2-Steuer, die Absage wichtiger Infrastrukturprojekte, oder die dreistellige Millionenspende beim Klimagipfel in Sharm el Sheikh. Das Erstaunliche daran ist nur, dass die ÖVP sie widerspruchslos gewähren lässt, obwohl im Ministerrat das Einstimmigkeitsprinzip gilt. Oder anders formuliert: Die ÖVP trägt die gesammelten Schnapsideen der heimlichen Grünenchefin mit.

Und das tut der ÖVP nicht gut. In Umfragen ist sie bereits hinter SPÖ und FPÖ auf Platz drei abgestürzt. Sieht ganz so aus, als würden die ehemaligen ÖVP-Wähler den gründominierten Kurs der Bundesregierung nicht länger mittragen wollen. Kein Wunder, haben doch nur knapp 10 Prozent die Grünen gewählt. Dennoch agiert der Juniorpartner in der Koalition, als hätte er die Mehrheit. Hier ist ein Kurswechsel der ÖVP dringend notwendig, will die einstige 40-Prozent-Partei nicht völlig in der Versenkung verschwinden. Dass man mit dem derzeitigen Kurs der Bundes-ÖVP keinen Frühstückspokal gewinnen kann, hat auch Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erkannt, der im Jänner 2023 Landtagswahlen ins Haus stehen. Sie distanziert sich von der ÖVP und positioniert sich als „Niederösterreich Partei“. Trotzdem wird sie sich am Wahlsonntag warm anziehen müssen. Womit wir wieder beim Thema Pullover wären.

Heinz Knapp,
Herausgeber


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