DAS 8 WIEN AKTUELL Im September 2025 wurde der gebürtige Lavanttaler Ing. Daniel Fellner zum SP-Landesparteiobmann gewählt. Im April 2026 folgte er Peter Kaiser als Landeshauptmann. Gemeinsam mit der VP bildet der 49-jährige ehemalige Rotkreuz-Mitarbeiter eine funktionierende Koalition. Der dreifache Familienvater aus St. Andrä leitet u. a. die Referate Bürgerservice, Volksgruppen, Katastrophenschutz, Rettungswesen, Sport, Arbeitsmarkt, Forschung und Digitalisierung. Harald Raffer sprach mit Regierungschef Fellner über das ungewöhnliche „Personal-Karussell“ an der Spitze der SP-Bundespartei, über den Klagenfurter Bürgermeisterkandidaten Mertel und über den Vorwurf des Postenschachers. Das Wien: Haben Sie sich an das Amt des Landeshauptmannes gewöhnt oder sogar einen Augenblick lang bereut, diese Funktion von Peter Kaiser übernommen zu haben? Fellner: Ich habe, wie ich glaube, überraschend schnell in diese wichtige Rolle hineingefunden. Ich muss allerdings zugeben, dass mich die ersten Wochen wegen der Flut an zusätzlichen Terminen doch etwas überrascht haben. Irgendeinmal fühlt man sich dann in dieser Funktion richtig wohl und macht das Amt leidenschaftlich gerne. Ich habe das noch keine Sekunde bereut. Das Wien: SP-Bundevorsitzender Andreas Babler zieht sich langsam zurück, im neuen Jahr soll er vom gesundheitlich angeschlagenen Minister Markus Marterbauer als Vizekanzler abgelöst werden. Klubobmann Kucher und Frauenvorsitzende Holzleitner avancierten zu SP-Obleuten, Babler bleibt vorerst Parteichef und Vizekanzler und hält an einem künftigen Ministeramt fest. Sie waren beim „roten“ Gipfel in Wien dabei. Weitere Entscheidungen sollen auf einem Parteitag im Frühjahr fallen. Wer kennt sich da noch aus? Fellner: Nun – es gab eine bestimmte Erwartungshaltung der Österreicherinnen und Österreicher. Man hätte gerne, wie im alten Rom, dass neun SP-Länderchefs dem Parteivorsitzenden ein Messer in den Rücken stecken und dieser vor den Kameras abdankt. Nun – der Parteivorsitzende tritt als Vizekanzler und als Parteichef zurück – aber erst in ein paar Wochen. Das finde ich nicht dramatisch. Alles andere hätte uns auf einen Weg gebracht, den wir in der Vergangenheit schon oft beschritten haben und der in einem Chaos endet. Jetzt können wir uns gut für weitere Lösungen vorbereiten. Wir haben erreicht, dass alle neun Landes-Parteichefs an einem Tisch gesessen sind. Das hat es in den letzten Jahren nicht gegeben. Und alle haben mit einer Zunge gesprochen. Ich denke, dass ich dazu meinen Teil beigetragen habe. Ein Neuanfang ist eingeleitet, das Vertrauensvotum der veröffentlichten Funktionärsnamen phänomenal. Wir stehen auch 100 Prozent hinter Markus Marterbauer, zu 100 Prozent hinter dem Kärntner Philip Kucher und der Evi Holzleitner. Der Prozess wird noch volle Fahrt aufnehmen, auch wenn manche jetzt enttäuscht sind, dass die Neu-Aufstellung ohne ein Massaker stattgefunden hat. Das Wien: Hat Gerhard Zeiler noch eine Chance oder fehlen der SP Führungskräfte mit dem notwendigen Charisma? Fellner: Diese Führungskräfte fehlen uns nicht. Man braucht sich nur den Vertrauensindex bei den Politikern anzusehen. Da findet sich Markus Marterbauer an der Spitze. Bei Gerhard Zeiler wäre die Zustimmung nicht zu 100 Prozent gegeben. Das Wien: Besteht jetzt die Gefahr, dass die Bundeskoalition platzen könnte? Fellner: Da müsste man einen Grund suchen. Wir haben ein handlungsfähiges Regierungsteam und ein Regierungsprogramm, an dem weitergearbeitet wird. Es gibt keinen Grund für Neuwahlen. Das Wien: Wären Sie gerne SP-Bundesparteiobmann? Fellner: Nein! Ich bin ein leidenschaftlicher Kärntner. Das Wien: Wäre Peter Kaiser ein idealer Bundesparteichef oder ein Kandidat für das Bundespräsidenten-Amt? Fellner: Bundesparteichef? Das halte ich für ausgeschlossen. Peter Kaiser ist jetzt Zeitmillionär und genießt diese Rolle. Es liegt aber nahe, dass eine Integrationsfigur wie Peter Kaiser bei Spekulationen um das Bundespräsidenten-Amt oft genannt wird. Für mich steht fest – Peter Kaiser wäre ein SuperBundespräsident! Das Wien: In Klagenfurt ist die SP stimmenstärkste Partei – aber ohne Bürgermeister. Die SP geht jetzt nicht mit Vizebürgermeister Rabitsch, sondern mit dem Bundesrat LHFellner:„WirsteckendemParteichef sicher kein Messer in den Rücken!“ Der Kärntner LH Daniel Fellner zeigt sich mit personeller Übergangslösung der Bundespartei zufrieden. Kaiser wäre idealer Präsidentschaftskandidat. © Büro LH Fellner/Gernot Gleiss
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