DAS 26 WIEN AKTUELL Aumannplatz Ich wohne in der Nähe des Aumannplatzes und frage mich, warum über die Köpfe der Anrainer hinweg ein Millionenprojekt durchgezogen werden soll. 3,2 Millionen Euro sind kein Kleingeld, und gerade in Zeiten knapper Budgets sollte genau überlegt werden, wofür dieses Geld ausgegeben wird. Viele von uns wünschen sich einen schöneren und verkehrsberuhigten Aumannplatz. Aber dafür muss man nicht gleich ein teures Großprojekt umsetzen. Es gibt auch einfachere und deutlich günstigere Lösungen, die man zunächst ausprobieren könnte. Was mich besonders ärgert, ist, dass die Bürger offenbar nur gefragt werden sollen, wenn das Ergebnis bereits feststeht. Wenn es tatsächlich so viel Zustimmung für das Projekt gibt, sollte eine Bürgerversammlung doch kein Problem sein. Die Anrainer leben hier und müssen mit den Folgen der Entscheidung jeden Tag zurechtkommen. Deshalb sollten sie auch mitreden dürfen. Carmen M., 47, Anrainerin Apotheken Als Apotheker erlebe ich täglich, wie wichtig die Apotheke als erste Anlaufstelle für Gesundheitsfragen ist. Gerade ältere Menschen nehmen oft mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Hier könnten wir mit professioneller Medikationsanalyse Wechselwirkungen erkennen und die Arzneimittelsicherheit verbessern. Warum diese Leistung noch immer keine Kassenleistung ist, ist schwer verständlich. Auch Auffrischungsimpfungen könnten unter klaren gesetzlichen Vorgaben direkt in der Apotheke angeboten werden. Das wäre für viele Menschen ein einfacher Zugang und würde gleichzeitig Arztpraxen entlasten. Wer Apotheken stärker in die Gesundheitsversorgung einbinden will, muss ihre Leistungen aber auch fair honorieren. Das gilt besonders beim enormen Aufwand durch Arzneimittelengpässe. Wir haben ein flächendeckendes Netz an gut ausgebildeten Gesundheitsdienstleistern. Dieses Potenzial sollte endlich besser genutzt werden. Mag. Helmut K., 56, Apotheker Bargeld Bargeld ist mehr als ein Stück Papier oder Metall. Es bedeutet Freiheit und Unabhängigkeit. Wer mit einem 20-Euro-Schein bezahlt, braucht weder Smartphone noch App noch Konto. Und niemand muss wissen, wofür das Geld ausgegeben wurde. Der digitale Euro mag als freiwillige Ergänzung zum Bargeld verkauft werden. Doch genau hier liegt meine Sorge: Was heute zusätzlich angeboten wird, könnte morgen zum Standard und übermorgen zur Voraussetzung werden. Mit digitalen Zahlungssystemen wächst auch die Möglichkeit, Transaktionen nachzuverfolgen und technische Zugänge zu kontrollieren. Unser bestehendes Zahlungssystem funktioniert. Warum also immer neue digitale Geldinfrastrukturen schaffen, wenn gleichzeitig das Vertrauen in den Wert unseres Geldes und die Sorge über steigende Preise die Menschen beschäftigen? Ich möchte selbst entscheiden können, wie ich bezahle. Bargeld muss deshalb dauerhaft verfügbar, akzeptiert und leistbar bleiben. Unser Geld gehört uns und nicht einer digitalen Infrastruktur, die jeden Zahlungsvorgang begleiten könnte. Dr. Claus W., 59, Arzt Bildungsversagen Als Lehrerin weiß ich, wie unterschiedlich Kinder lernen und welche Voraussetzungen sie mitbringen. Deshalb halte ich wenig davon, Unterschiede einfach länger im selben System zu verwalten. Leistungsstarke Kinder brauchen ebenso Förderung wie jene, die Schwierigkeiten haben. Wenn Deutschkenntnisse und grundlegende Kompetenzen fehlen, muss dort angesetzt werden. Mehr gemeinsames Lernen allein löst weder Sprachprobleme noch Integrationsdefizite. Entscheidend sind frühe Sprachförderung, klare Leistungsstandards und gezielte Unterstützung. Ich erlebe täglich, wie viel Zeit im Unterricht verloren geht, wenn sprachliche und soziale Probleme den eigentlichen Lernstoff überlagern. Das darf nicht dazu führen, dass Kinder, die lernen wollen und können, ausgebremst werden. Unser Ziel sollte nicht sein, das Niveau an die bestehenden Defizite anzupassen. Wir müssen die Kinder auf das Niveau bringen, das sie für ihren weiteren Bildungsweg brauchen. Dazu gehören Differenzierung, Förderung und auch die Bereitschaft, unterschiedliche Bildungswege anzubieten. Susanne R., 31, Lehrerin Volksschule Als Lehrer frage ich mich, welches Problem eine sechsjährige Volksschule eigentlich lösen soll. In unseren Klassen kämpfen wir mit ganz anderen Herausforderungen. Fehlende Deutschkenntnisse, große Leistungsunterschiede, Personalmangel und immer mehr Zeit, die für organisatorische und soziale Probleme verloren geht. Kinder lernen unterschiedlich schnell und brauchen deshalb unterschiedliche Förderung. Wer die gemeinsame Schulzeit einfach verlängert, löst diese Unterschiede nicht. Im Gegenteil! Leistungsstarke Schüler dürfen nicht darauf warten müssen, dass das Niveau der ganzen Klasse nachgezogen wird. Wir brauchen keine Reformen, die vor allem auf Pressekonferenzen gut aussehen. Wir brauchen ausreichend Lehrer, bessere Sprachförderung und einen Unterricht, in dem Lesen, Schreiben und Rechnen wieder ganz oben stehen. Entscheidend ist nicht, wie lange Kinder gemeinsam in einer Schule sitzen, sondern was sie dort tatsächlich lernen. Wendelin W., 38, Volksschullehrer Richard Lugner Ich verstehe nicht, warum Richard Lugner nach seinem Tod plötzlich weniger Wiener sein soll als zu Lebzeiten. Er war Unternehmer, hat Arbeitsplätze geschaffen und Wien über Jahrzehnte geprägt. Man muss nicht jede seiner Aussagen oder Auftritte gemocht haben, um seine Leistungen anzuerkennen. Besonders eigenartig finde ich, dass Bürgermeister Ludwig Lugner selbst als erfolgreichen Unternehmer und „Wiener Original“ gewürdigt hat. Wenn diese Worte ernst gemeint waren, warum soll dann eine kleine Würdigung in seinem Heimatbezirk plötzlich nicht möglich sein? Einen Park nach ihm zu benennen, verpflichtet niemanden, Lugner persönlich zu verehren. Er wäre schlicht eine Anerkennung für einen Menschen, der zu Wien gehört hat – mit allen Ecken und Kanten. Gerade eine Stadt wie Wien sollte auch mit ihren ungewöhnlichen Persönlichkeiten umgehen können. Emil A., 71, Pensionist Senden Sie uns Ihren Leserbrief an: redaktion@das-wien.at
RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMjE=