Das Wien - E-Book

DAS 2 WIEN AKTUELL Österreich sucht den Ausgang Was für eine Woche! Österreich hat eine Regierung, aber offenbar niemand weiß genau, wer eigentlich noch fürs Regieren zuständig ist. Die SPÖ führt einen Parteichef spazieren, der gleichzeitig Parteichef und Rückzugskandidat ist. Rund 100 Vorhaben hängen irgendwo zwischen Koalitionspartnern und Abstimmungsschleifen fest. Die Neos streiten mit der ÖVP über den Zivildienst, die ÖVP mit den NEOS über den Wehrdienst und irgendwo dazwischen versucht die SPÖ, ihren eigenen Machtverlust organisatorisch abzuwickeln. Man könnte darüber lachen, wenn es nicht unser Land wäre. Andreas Babler ist mittlerweile die politische Variante von Schrödingers Katze: Solange niemand nachschaut, ist er gleichzeitig Parteichef und Nicht-mehr-Parteichef. Er bleibt Vizekanzler, obwohl längst über seine Ablöse gesprochen wird. Die SPÖ sucht einen neuen Vorsitzenden, während der alte noch im Amt sitzt. Und die Bundesregierung versichert uns derweil, sie sei selbstverständlich handlungsfähig. Selten war politischer Stillstand so gut organisiert. Auch bei der Wehrpflicht zeigt sich das neue Regierungsprinzip. Erst monatelang streiten, dann einen Kompromiss präsentieren und anschließend feststellen, dass man für dessen Umsetzung womöglich noch die Opposition braucht. Die Bürger dürfen sich derweil fragen, warum drei Regierungsparteien für eine Entscheidung offenbar mehr Zeit benötigen als ein Bundesheer-Rekrut für die Grundausbildung. Und dann gibt es noch die Hofburg. Alexander Van der Bellen schaut dem Treiben gelassen zu. Die Regierung taumelt nicht, sie „koordiniert“. Der Parteichef tritt nicht zurück, er „ordnet seine Zukunft“. Fast 100 Vorhaben sind nicht blockiert, sie befinden sich in Abstimmung. So kann man politische Wirklichkeit natürlich auch beschreiben. Interessant wird die Frage, wie lange diese Gelassenheit hielte, wenn statt der SPÖ die FPÖ derart zerzaust in einer Bundesregierung sitzen würde. Man darf annehmen: Dann wäre plötzlich von Verantwortung, Staatskrise und der besonderen Rolle des Bundespräsidenten die Rede. Bei Rot-Schwarz-Pink reicht offenbar ein beruhigendes „Weiter so“. Wien macht inzwischen seine eigene Politik der besonderen Art. Die Stadt ist hoch verschuldet, die Bürger werden mit neuen Belastungen konfrontiert, gleichzeitig wird an neuen Projekten gebastelt. Weniger Parkplätze, höhere Gebühren, neue Klimavorgaben, weniger Gas, mehr Vorschriften. Der Wiener Autofahrer soll verzichten, der Wiener Steuerzahler zahlen und die Stadtregierung nennt das Zukunftspolitik. Besonders bemerkenswert ist dabei die Prioritätensetzung. Wenn das Geld knapp wird, fragt man sich normalerweise zuerst, was wirklich notwendig ist. Wien fragt offenbar lieber, welches neue Projekt sich noch politisch verkaufen lässt. Und während Wien über Radwege, Klimafahrpläne und neue Belastungen diskutiert, verlieren Menschen im echten Leben den Überblick über ihre Stromrechnung, ihre Miete und die Kosten des täglichen Einkaufs. Unternehmen kämpfen mit Energiepreisen, Bürokratie und fehlenden Arbeitskräften. Arbeitsplätze verschwinden. Betriebe sperren zu. Aber politisch wird weiterhin so getan, als könne man Wohlstand einfach verordnen. Das ist vielleicht die größte Blase dieser Republik. Politik, die ihre eigenen Schlagworte mit der Wirklichkeit verwechselt. Draußen geht es längst um andere Dinge. Funktionieren die Züge? Kann sich eine Familie das Leben noch leisten? Bleibt der Arbeitsplatz? Ist Strom noch bezahlbar? Gibt es einen Arzt, wenn man ihn braucht? Und kann man in Wien noch mit dem Auto fahren, ohne dabei das Gefühl zu bekommen, eine politische Ordnungswidrigkeit begangen zu haben? Österreich braucht keine weitere Koordinierungsschleife. Wien braucht keine neue politische Verpackung. Und die Bürger brauchen schon gar keine Regierung, die ihnen jeden Stillstand als Fortschritt verkauft. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Politik einmal aus ihrem eigenen Paralleluniversum zurückkehrt. Denn während in Wien über Radwege philosophiert, in der SPÖ über Nachfolger gerungen und in der Hofburg zugesehen wird, läuft draußen das Leben weiter. Nur die Politik steht im Stau. Geschätzte Leser! Liebe Leserinnen! EDITORIAL von Heinz Knapp IMPRESSUM: Herausgeber/Chefredaktion/Verleger/Inhaber: Heinz Knapp, h.knapp@das-wien.at UID: ATU 63468713, redaktion@das-wien.at Lektorat: Alfred Eichhorn Grafik: Daniel Knapp, daniel.knapp@das-wien.at; Druck: Mafra Print, 15000 Praha; Vertrieb: Österreichische Post AG, Haidingergasse 1, 1030 Wien; Straßen- und Geschäftsverteilung - Wiener Stadtgebiet Verlagsadresse/Rechnungswesen/Grafik/Produktion: Die Agentur - Unabhängige Wochenzeitung, Heinz Knapp, Chorturmblick 1, 9061 Klagenfurt, www.das-wien.at Offenlegung gem. § 25 MedienG: Online unter www.das-wien.at Kolumnisten: Toni Polster, Mag. Peter Weitzel, Dr. Barbara Zink, Karl Ploberger Bei bezahlten Anzeigen, PR-Artikeln und namentlich gekennzeichneten Berichten liegt die inhaltliche Verantwortung beim Auftraggeber. Alle Berichte beziehen sich auf Stand 16.10.2026, 10:00 Uhr AUSGABE 3/2026 Wirtschaftsführer für die stadt Wien Trotz Hitze und Trockenheit Weinernte 2026 verspricht Spitzenqualität Wiener Weinprinzessin Anna Langes und Bürgermeister Michael Ludwig © Stadt Wien / Christian Jobst JETZT NEU! www.der-wirtschaftsfuehrer.at

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMjE=