DAS 14 WIEN AKTUELL Deutschland baut sich ein Wahrzeichen der Energiewende. 365 Meter hoch soll das GICON-Windrad in der Lausitz werden. Fast so hoch wie der Berliner Fernsehturm, der auf 368 Meter kommt. Allerdings inklusive Antenne. Damit wäre der „Windturm“ das zweithöchste Bauwerk Deutschlands! Die Betreiber sprechen vom „Leuchtturmprojekt“ für die grüne Energie. Vielleicht ist es aber auch der bislang eindrucksvollste Beweis für den deutschen Glauben, dass man die Umwelt am besten schützt, indem man möglichst gewaltige Industrieanlagen völlig unpassend in die Landschaft stellt. Mehr als 2.000 Tonnen Stahl stecken bereits in dem Koloss. Dazu kommen Fundamente, Zufahrtswege, Leitungen, Montageflächen und jede Menge Material, das nicht aus Hanf und Bambus besteht. Zusätzlich mussten mehrere Hektar Wald weichen, um das Projekt zu ermöglichen. Das muss diese Renaturierung sein, von der die Grünen dauernd sprechen. Oder ist es doch die Bodenentsiegelung? Der Wind ist zwar kostenlos. Seine industrielle Verwertung ist es bei Weitem nicht. Und auch der Windstrom soll ja grün sein. Aber dass auch das ganze Drumherum grün ist, darf stark bezweifelt werden. Das ist der perverse Widerspruch der grünen Öko-Welt: Wir wollen die Natur retten und errichten dafür Monsterprojekte aus Stahl und Beton. Wir wollen Landschaften schützen und bauen dafür Anlagen, die man noch aus vielen Kilometern Entfernung sehen kann. Wir wollen möglichst wenig in die Natur eingreifen und bauen eine gigantische Vogel-Schredder-Maschine. Das ist die Logik der grünen Welt: Je größer das Monster, desto grüner die Absicht. Der Wind ist schließlich sauber. Was man braucht, um ihn einzufangen, darf offenbar etwas weniger sauber sein. Stahl, Beton, Schwertransporte, Bauflächen und eine technische Konstruktion, die sich weit in den Himmel schiebt. Ein grüner Turmbau zu Babel. Die Natur ist uns heilig. Deshalb bauen wir ihr etwas ganz Großes. Ein grünes Monster mit Betonfundament. Natürlich produziert das Windrad Strom. Und natürlich kann Windenergie einen Beitrag zur Stromversorgung leisten. Die Frage lautet, ob der enorme technische und bauliche Aufwand am Ende tatsächlich einen entsprechend großen Nutzen bringt. Denn das größte Windrad ist sinnlos, wenn kein Wind weht. Wir bauen riesige Industrieanlagen, um die Natur vor der Industrie zu retten. Wir verändern das Landschaftsbild, um das Klima zu retten, das wiederum unsere Landschaft schützen soll. Wir betonieren für den Umweltschutz! Auch beim Naturschutz wird es interessant. Die Betreiber verweisen darauf, dass sich Zugvögel und Fledermäuse überwiegend in niedrigeren Höhen bewegen und der Standort deshalb Vorteile haben könne. Doch wenn für den Schutz des Klimas immer größere Anlagen gebaut werden, wie viel Natur darf für diesen Schutz eigentlich geopfert werden? Es scheint so, also ob es reichen würde irgendwo „grün“ draufzuschreiben und schon ist alles paletti. Da muss dann kein Feldhamster geschützt werden, da müssen keine Regenwürmer umgesiedelt werden, und da spielt auch das Microklima plötzlich keine Rolle mehr. Und die üblichen Demonstranten gegen Bauprojekte verstecken sich hinter den Betonmischmaschinen. So geht Grün! Und wenn der nächste Vogel vorbeifliegt – und das auch noch überlebt – darf er sich ebenfalls fragen, was dieses gigantische Ding eigentlich bezwecken soll. Ein Wahrzeichen grüner Energiepolitik? Ein Denkmal für technischen Fortschrittsglauben? Oder irgendwann doch ein Mahnmal für die Überzeugung, dass Umweltschutz vor allem dann gut funktioniert, wenn man ihn groß genug betoniert? Man stelle sich nur die PR-Tafel am Fuß des Windriesen vor: „Hier wird die Natur gerettet“. Darunter, etwas kleiner: „Bitte beachten Sie die 2.000 Tonnen Stahl.“ Vielleicht wird der 365-Meter-Turm tatsächlich zum Wahrzeichen einer neuen, effizienteren Windkraft. Vielleicht aber auch zum Monument des deutschen Größenwahns bei der Energiewende. Das grüne Monster von Brandenburg Criticus Heftiger Streit um absurde 12-Cent-Spritpreisbremse Für Oktober und November soll die Mineralölsteuer um 6,7 Cent pro Liter sinken, bei Diesel bis zum EU-Mindestniveau. Zusätzlich soll eine Margenbegrenzung von 3,5 Cent greifen. Die Koalition spricht von einer spürbaren Entlastung, die Opposition von einer Mogelpackung. FPÖ-Chef Herbert Kickl ging im Parlament frontal auf die Regierung los. Die neue Maßnahme sei lediglich eine Neuauflage der bereits im März versprochenen Spritpreisbremse. Damals seien sechs Euro Ersparnis bei einer 50-Liter-Tankfüllung angekündigt worden, tatsächlich seien nur 48 Cent übrig geblieben. Die jetzt versprochenen rund zwölf Cent pro Liter bezeichnete Kickl angesichts der gestiegenen Preise als unzureichend. Die Regierung verteidigte ihren Kurs. Neos-Klubobmann Yannick Shetty verwies darauf, dass Österreich bei den Spritpreisen keineswegs generell über dem europäischen Niveau liege. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer argumentierte, die Maßnahme werde die Inflation dämpfen und die Preise an den Zapfsäulen drücken. Die außerplanmäßige Sondersitzung sei notwendig, damit die Entlastung bereits im Oktober greifen kann. Für zusätzlichen Streit sorgte die Frage nach der Finanzierung. Kickl forderte erneut, österreichische Zahlungen an die Ukraine einzustellen und damit die Entlastung zu finanzieren. Die ÖVP wies die Darstellung zurück und verwies darauf, dass bilaterale Zahlungen an die Ukraine etwas mehr als 300 Millionen Euro ausmachen, während es bei den von Kickl angesprochenen Milliarden um europäische Haftungen gehe. Auch der Streit über die Energiepolitik wurde im Parlament ausgetragen. ÖVP-Klubchef Ernst Gödl warnte vor der Abhängigkeit von Russland und lehnte eine Rückkehr zu russischem Gas ab. SPÖ-Klubobmann Philip Kucher warf Kickl vor, gegen sämtliche Maßnahmen der Regierung zur Inflationsbekämpfung zu stimmen. Grünen-Chefin Leonore Gewessler forderte wiederum einen schnelleren Ausstieg aus fossilen Energieträgern und höhere Belastungen für Energieunternehmen. Finanzminister Markus Marterbauer verteidigte ebenfalls den eingeschlagenen Kurs. Nicht nur der Staat, auch die Mineralölkonzerne müssten ihren Beitrag leisten. Gleichzeitig sieht er die hohen Energiepreise als Argument für eine Energiewende. Neos-Staatssekretär Josef Schellhorn räumte ein, dass seine Partei grundsätzlich kein Freund staatlicher Markteingriffe sei, die befristete Maßnahme angesichts der aktuellen Lage aber für vertretbar halte. Autofahrer werden im Oktober und November zwar weniger für den Sprit bezahlen, aber die Entlastung ist lächerlich. Auch politisch ist die Rechnung längst nicht beglichen. H. K. © DAS WIEN
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