Das Wien - E-Book

DAS 20 WIEN AKTUELL Karl L. 80 Jahre | Zeitzeuge Spenden Sie auf care.at „ Das hat mir sehr geholfen. Heute kann ich anderen helfen.“ 104.1025003_80_Jahre_Anzeige_Karl_200x128abf_v01_RZ_DasWien.indd 1 05.11.25 16:23 Plattform besserleben.wien verbessert nun den Dialog von Arzt mit gehörlosem Patient Für viele Menschen ist der Weg zum Arzt selbstverständlich. Termin vereinbaren, ins Wartezimmer gehen, Beschwerden schildern – und schon beginnt die Behandlung. Für gehörlose Menschen kann genau das zum Problem werden. Denn Österreichs Gesundheitssystem ist in vielen Bereichen noch immer nicht barrierefrei. In Wien soll nun ein neues Informationsportal Abhilfe schaffen. Die Beratungsstelle equalizent hat vergangene Woche „besserleben. wien“ vorgestellt. Die Plattform bündelt Informationen über barrierefreie Gesundheitsangebote und soll gehörlosen Menschen helfen, schneller die passende Anlaufstelle zu finden. Zusätzlich gibt es Informationen zur Gesundheitsvorsorge und Lernmaterialien in Österreichischer Gebärdensprache und leichter Sprache. Besonders schwierig wird es im medizinischen Notfall. Während Hörende einfach in eine Notaufnahme gehen und ihre Beschwerden schildern können, sind gehörlose Menschen häufig auf Gebärdensprachdolmetscher angewiesen. „Einfach hingehen und verstanden werden“ funktioniert für sie nicht immer. Die Folge können Unsicherheit, Missverständnisse und im schlimmsten Fall ein vermiedener Arztbesuch sein. Auch bei psychischen Problemen zeigt sich, wie groß die Lücken sind. Wer mit einem hörenden Psychologen über sehr persönliche oder intime Probleme sprechen möchte, muss möglicherweise einen Dolmetscher dazwischenschalten. Aus einem vertraulichen Gespräch zwischen Patient und Therapeut wird damit ein Gespräch zu dritt. Für die Betroffenen kann das eine erhebliche zusätzliche Hürde darstellen. Die Entwicklungspsychologin Paulina Spelbrink, die selbst gehörlos ist, verweist auf die Schwierigkeiten dieser Kommunikation. Ein Therapeut, der direkt Österreichische Gebärdensprache beherrscht, könne die Situation wesentlich erleichtern. Dass es nicht nur um Komfort, sondern um konkrete Versorgungslücken geht, zeigt ein Beispiel aus der Praxis. Psychologin Marie Burgstaller berichtet von der Familie eines gehörlosen Kindes, das eine Untersuchung auf ADHS und Autismus benötigte. Weil in Wien kein entsprechendes barrierefreies Angebot verfügbar gewesen sei, musste die Familie nach Linz verwiesen werden. Das neue Portal soll deshalb mehr sein als ein digitaler Wegweiser. Equalizent will sichtbar machen, wo das Wiener Gesundheitssystem für gehörlose Menschen noch Lücken aufweist. Denn Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Rampen vor einem Gebäude oder einen Lift im Stiegenhaus. Sie beginnt dort, wo ein Patient seine Beschwerden verständlich machen kann und endet dort, wo er tatsächlich verstanden wird. „besserleben.wien“ will Betroffenen zumindest die Suche nach passenden Angeboten erleichtern. Gleichzeitig zeigt das Portal aber auch ein grundsätzliches Problem: Ein Gesundheitssystem kann noch so modern sein, wenn die Kommunikation nicht funktioniert, bleibt ein Teil der Patienten außen vor.

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