DAS WIEN AKTUELL 3 Ein leider allerorts bekanntes Bild: Aus Altkleidercontainern herausgerissene Kleider, die wild verstreut rund um die Container auf den Gehsteigen liegen. Laufend werden Container illegal geöffnet bzw. aufgebrochen und die offenkundig brauchbaren Kleidungsstücke entnommen. Der weniger interessante Rest wird oft neben den Containern einfach liegen lassen, achtlos auf Gehsteige und Straßen geworfen. Dadurch kommt es nicht nur zur Verunreinigung durch die Textilien selbst, auch Ungeziefer und weiterer Vermüllung rund um die Container ist damit Tür und Tor geöffnet, Schmutz zieht bekanntlich Schmutz an. Beschwerden über diese Missstände kommen aus vielen Bezirken. Die Beschwerden nehmen laufend zu, über die „Sag‘s Wien App“ wurden im Vorjahr fast 800 und heuer bereits über 340 übermittelt. Die MA 48 muss mehrfach täglich ausrücken, um herumliegende Altkleidung einzusammeln und zu entsorgen. Die Betreiber dieser Container wurden über Jahre immer wieder aufgefordert, diese Missstände zu beseitigen und für Sauberkeit im Umfeld ihrer Container zu sorgen. „Leider waren diese Bemühungen erfolglos. Fakt ist, die Betreiber bekommen dieses Problem nicht in den Griff und lagern die Probleme und Kosten an die Öffentlichkeit aus. Der öffentliche Raum in unserer Stadt ist ein kostbares Gut, mit dem wir sorgsam umgehen. Und daher sind nun weitere Maßnahmen nötig: Wir werden das Aufstellen dieser Altkleidercontainer auf öffentlichem Grund künftig verbieten. Es gibt eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, Altkleider zu entsorgen bzw. einer sinnvollen Weiter- bzw. Wiederverwertung zuzuführen“, erläutert die für den öffentlichen Raum zuständige Planungsstadträtin Ulli Sima. Aktuell sind in Wien 2.280 Altkleidersammelcontainer auf öffentlichem Grund – meist im Umfeld von Altstoffsammelinseln – durch die MA 46 bewilligt. Verbot der Altkleidercontainer im öffentlichen Raum ab 2027 Die neue Regelung – rechtliche Grundlage hierfür sind eine Änderung des Wiener Gebrauchsabgabegesetzes sowie einer Ortspolizeilichen Verordnung des Magistrats zur Behebung des Missstandes – soll mit 1.1.2027 in Kraft treten. Sie betrifft explizit die Aufstellung von Altkleidersammelcontainern auf öffentlichem Grund, das Sammeln von Altkleidern per se bleibt grundsätzlich erlaubt. Mit der Entfernung der Container im öffentlichen Raum wird eine massive Reduktion der Verschmutzung erwartet. Alternativen: Mistplätze, Secondhand-Shops & Internet „Ein gutes Leben in unserer Stadt hat sehr viel mit Wertschätzung zu tun – mit Wertschätzung füreinander, aber auch für unsere Umwelt: Deshalb setzen wir als Stadt Wien auf Kreislaufwirtschaft, auf lokale Wertschöpfung und ReUse“, betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. „Wir unterstützen die Verwertung von Altkleidern und bieten schon seit langem die Abgabe auf den Wiener Mistplätzen, wo Altkleider-Sammelcontainer zur Verfügung stehen. Die abgegebene Kleidung wird sortiert und schöne Ware im 48er-Tandler in Margareten sowie in der Donaustadt weiterverkauft!“ Alternativ kann bei Annahmestellen karitativer Organisationen, wie der Volkshilfe oder der Caritas, nicht mehr benötigte Kleidung weiterhin abgegeben werden, auf privatem Grund können auch weiterhin Container aufgestellt werden. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Plattformen zum Kleidertausch, auch einige Modeketten bieten bereits eigene Secondhand-Plattformen an und nehmen gebrauchte Kleider auch in den Shops zurück. Nur hochwertige Ware eignet sich für lokales ReUse Voraussetzung für eine Wiederverwendung von gebrauchten Kleidungsstücken ist, dass nur qualitativ hochwertige Ware abgegeben wird, die auch Abnehmer innen und Abnehmer findet. Durch die Flut an Fast-Fashion bzw. Ultra-Fast Fashion ist diese Qualität nicht immer gegeben. Die Folge: Zahlreiche Kleidungsstücke können in Österreich und Europa nicht weiter- bzw. wiederverwendet werden. „Daher ist die oberste Prämisse: nur jene Kleidungsstücke weiterzugeben, worüber sich auch Freunde oder Familienmitglieder freuen würden. Bitte daher keine verunreinigten, verschlissenen, reparaturbedürftigen Textilien bzw. Kleidungsstücke abgeben. Diese bitte im Restmüll entsorgen“, so der Klimastadtrat. Die lange Reise der Altkleider Erst kürzlich hat eine GreenpeaceRecherche ergeben, wie weit die gesammelten Altkleider oft reisen und nur ein geringer Anteil tatsächlich wiederverwendet wird. Ein Teil landet laut der Studie – nach langen Reisen um den halben Erdball – schließlich häufig auf Müllhalden anstatt in den Kleiderkästen anderer Menschen. Aufgrund der immer schlechteren Qualität der Sammelware kommt es am europäischen Markt auch zu einem massiven Preisverfall. Großabnehmer und Sortieranlagen in Europa verlieren ihre Absatzmärkte und führten in jüngster Zeit auch zu Konkursen bereits etablierter Sortierer in Europa. Da das Geschäftsmodell mit den Altkleidern zusammenzubrechen droht, muss umgedacht werden. Wien verbietet Altkleidercontainer auf öffentlichem Grund ab 2027 Öffentlichen Raum als Gut schützen – sinnvolle Wiederverwertung von guten Altkleidern statt Verschmutzung auf Gehsteigen und Straßen.
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