DAS WIEN AKTUELL 3 Wien beobachtet Wohnungsmarkt mit Argusaugen und schärft nach Die neue Wiener Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch evaluiert auch die Daten zu Kurzzeitvermietungen. Von der Opposition hagelt es Kritik! www.das-wien.at Die neue Wiener Wohn- und Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) setzt in einem der sensibelsten Politikfelder der Stadt auf einen sachlichen und verantwortungsvollen Zugang. Mit ihrer Ankündigung, die bestehenden Regeln für touristische Kurzzeitvermietungen evaluieren zu wollen, signalisiert sie, dass die Stadt Wien den Wohnungsmarkt aufmerksam beobachtet und bereit ist, dort nachzuschärfen, wo es notwendig ist. Gerade in einem so komplexen Bereich wie Wohnen, in dem rechtliche, soziale und wirtschaftliche Fragen eng miteinander verflochten sind, erscheint ein sorgfältiges Vorgehen sinnvoll. Dennoch kommt von Grünen, FPÖ und ÖVP bereits scharfe Kritik, denen der von Hanel-Torsch eingeschlagene Kurs nicht weit genug geht. Vor allem die Grünen drängen auf ein sofortiges und deutlich härteres Vorgehen gegen touristische Kurzzeitvermietungen. Im Zentrum ihrer Kritik stehen Wohnungen, die dauerhaft als Tourismusappartements genutzt werden und damit dem regulären Wohnungsmarkt entzogen seien. Dabei blendet die Kritik der Grünen jedoch aus, dass die Stadt Wien bereits in den vergangenen Jahren auf die Entwicklungen im Bereich der Kurzzeitvermietung reagiert und die Regeln verschärft hat. Die von Hanel-Torsch angekündigte Evaluierung kann daher auch als Ausdruck einer Politik verstanden werden, die Maßnahmen nicht bloß ankündigt, sondern ihre Wirksamkeit überprüft und auf dieser Grundlage weitere Schritte setzt. Gerade im Wohnbereich, wo Eingriffe massive Auswirkungen auf Eigentümer, Mieter und Investoren haben, ist eine belastbare rechtliche Grundlage entscheidend. Die Grünen fordern nun ein Aus für Ausnahmebewilligungen innerhalb von Wohnzonen. Zur Untermauerung ihrer Forderungen verweisen die Grünen auf Zahlen aus einer Anfragebeantwortung der früheren Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál. Demnach gab es im Jahr 2025 bei der Baupolizei 305 Verfahren zur Umwandlung in Tourismusappartements, 132 Umwandlungen seien bereits bewilligt worden. Besonders kritisch sehen sie, dass sich die Entwicklung längst nicht mehr auf die inneren Bezirke beschränke, sondern zunehmend auch Bezirke außerhalb des Gürtels erfasse. Als Beispiel wird Favoriten genannt, wo die Zahl angebotener Wohnungen deutlich gestiegen sei. Auch Grünen-Klubobmann und Wohnbausprecher Georg Prack zeichnete ein alarmierendes Bild. Rein auf der Plattform Airbnb würden in Wien aktuell mindestens 14.000 Wohnungen dauerhaft touristisch genutzt. Damit gebe es in der Stadt inzwischen mehr touristisch genutzte Wohnungen als der gesamte Bezirk Josefstadt an Wohnungen aufweise. Für die Freiheitlichen steht weniger die Regulierung touristischer Kurzzeitvermietung im Vordergrund als vielmehr die Frage leistbaren Wohnens im Gemeindebau und im geförderten Wohnbau. FPÖ-Chef Dominik Nepp forderte eine Mietensenkung bei Wiener Wohnen, verwies auf einen milliardenschweren Investitionsstau und sprach von regelmäßig „menschenunwürdigen Zuständen“ in Gemeindebauten. Darüber hinaus verlangte er geförderte Wohnungen für Österreicher, Maßnahmen gegen Anleger im gemeinnützigen Wohnbau sowie mehr Transparenz bei Bauträgerwettbewerben. Auch die Wiener ÖVP übte Druck auf die neue Stadträtin aus. Wohnbausprecher Lorenz Mayer forderte „konkrete Handlungen für leistbares Wohnen“. Die Volkspartei sieht die Defizite vor allem in steigenden Wohnkosten, mangelnder Transparenz und einem zu geringen Stellenwert von Eigentum. Sie verlangt daher eine „Eigentumsoffensive“, insbesondere durch einen Ausbau von Miet-Kauf-Modellen. Ungeachtet dieser Kritik zeigt sich bereits zu Beginn der Amtszeit von Elke Hanel-Torsch, dass die SPÖ das Thema Wohnen weiterhin als zentrale soziale Aufgabe versteht. Die Ankündigung einer Evaluierung kann dabei als Versuch gelesen werden, nicht vorschnell auf politische Schlagworte zu setzen, sondern auf Basis von Daten, Erfahrungen und rechtlicher Umsetzbarkeit zu handeln. In einem angespannten Wohnungsmarkt ist ein solcher Zugang geeignet, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, statt kurzfristige Symbolpolitik zu betreiben. H. K. © Ki generiert/firefly
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