DAS WIEN AKTUELL 12 Babler – Der Film! Politische Werbung und Propaganda auf Steuerkosten Die FPÖ wettert und spricht bei der Kino-Doku, die von Förderstellen genehmigt wurde, von einem herben Schlag ins Gesicht der Steuerzahler. www-das-wien.at Kaum zu glauben, aber jetzt gibt es tatsächlich einen Film über SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler. Weniger lustig als „Otto – Der Film“ aber umso skurriler. So stößt vielen übel auf, dass diese „Dokumentation“ mit jeder menge Steuergeld gefördert wurde. So sollen mehr als 500.000 Euro öffentliche Mitteln in das Machwerk geflossen sein. Ein Film, viele Fragen und jede Menge politischer Zündstoff. Die Dokumentation über den Aufstieg von SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler sorgt derzeit für heftige Turbulenzen auf Österreichs Politbühne. Was als Langzeitbeobachtung eines intensiven Wahlkampfs gedacht war, ist nun zum handfesten Streitfall geworden – inklusive harter Vorwürfe, empörter Reaktionen und der Forderung nach lückenloser Aufklärung. Wahlkampfstrategie hautnah Im Zentrum steht eine rund 97-minütige Doku. Dafür hat ein Filmteam Babler über Monate hinweg begleitet. Hautnah, ungefiltert, mitten im politischen Alltag. Gedreht wurde während des Nationalratswahlkampfs, also zu einer Zeit, als Babler noch nicht Teil der Bundesregierung war. Szenen aus dem Privatleben, hektische Momente vor TV-Auftritten und Einblicke in interne Strategien sollen dem Publikum einen authentischen Blick hinter die Kulissen liefern. Überraschende Einblicke werden einem jedoch nicht beschert. Aber immerhin hat sich ein Parteichef getraut, sich von einem Filmteam abseits der eigenen Parteikanäle begleiten zu lassen. Im Nationalratswahlkampf 2024. So auch der Titel „Wahlkampf“. Der Film von Harald Friedl hatte beim Grazer Filmfestival Diagonale Uraufführung. Kritik an Image-Doku Kritiker sprechen von einem „Imagefilm“ mit politischem Beigeschmack und stellen die Frage, ob dafür öffentliche Gelder verwendet werden durften. Besonders laut fällt die Kritik aus den Reihen der Opposition aus. Dort ist von „Propaganda auf Kosten der Steuerzahler“ die Rede, von „Selbstinszenierung“ und sogar von einem „Skandal“. Die Vorwürfe haben es in sich: Es geht um mehrere hunderttausend Euro an Fördermitteln, die aus verschiedenen Töpfen geflossen sein sollen. Für viele ist das schwer nachvollziehbar. Gerade in Zeiten steigender Preise, in denen viele Menschen jeden Euro zweimal umdrehen müssen. „Während sich Familien fragen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen, wird hier Geld für politische Selbstdarstellung ausgegeben“, heißt es aus Kritikerkreisen. SPÖ kontert vehement Die SPÖ hält entschieden dagegen. Die Verantwortlichen betonen, dass es sich um ein völlig normales Förderverfahren gehandelt habe. Die Mittel seien von unabhängigen Gremien vergeben worden – ohne politischen Einfluss. Außerdem sei das Projekt lange vor Bablers Amtsantritt bewilligt worden. Auch der Regisseur selbst stellt klar: Es habe keinerlei Eingriffe in die künstlerische Gestaltung gegeben, der Film sei unabhängig entstanden. Schmähkritik vs. Abwegung Tatsächlich ist die Förderung von Filmprojekten in Österreich nichts Ungewöhnliches. Jahr für Jahr werden zahlreiche Produktionen unterstützt – von Spielfilmen über Dokumentationen bis hin zu experimentellen Formaten. Auch politische Stoffe gehören dazu. Die entscheidende Frage bleibt jedoch: Wo endet legitime Dokumentation – und wo beginnt politische Werbung? Brisant wird die Debatte auch durch personelle Verflechtungen, die nun genauer unter die Lupe genommen werden. Kritiker sehen darin ein mögliches Netzwerk aus Politik und Kulturbetrieb, das sich gegenseitig begünstigen könnte. Alle Fördermittel für den Film wurden unter der schwarz-grünen Vorgängerregierung – also lange bevor Andreas Babler Kulturminister wurde – von Förderinstitutionen genehmigt. „Das Österreichische Filminstitut entscheidet über Förderungen durch eigenständige, unabhängige Jurys – ohne politische Einflussnahme“, heißt es. Und dann darf gelacht werden. Weil, dass diese Gremien stramm links besetzt sind, weiß ja wohl jeder. Ebenso der Filmfonds Wien, der brav mitgezahlt hat. Lustig, dass Bablers Heimatbundesland Niederösterreich ebenso Förderungen beigestellt hat. Vermutlich haben die darauf gehofft, dass er sich blamiert. Parlamentarische Anfrage Mittlerweile ist auch das Parlament eingeschaltet. Eine offizielle Anfrage soll klären, wie genau die Fördergelder vergeben wurden, wer an den Entscheidungen beteiligt war und ob es mögliche Interessenskonflikte gab. Die Erwartungen sind hoch. Nicht zuletzt, weil das Thema das Vertrauen in staatliche Institutionen berührt. H. K. © Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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