DAS WIEN AKTUELL 14 Ein nach allgemeiner Übereinstimmung „Jahrhundertprojekt“ des öffentlichen Verkehrs ist kurz vor Weihnachten mit Festakten in Graz und Klagenfurt in Betrieb gegangen: Die Koralmbahn wurde um 5,9 Mrd. Euro mit dem 33 Kilometer langen Tunnel durch die Koralm als Herzstück von 2008 bis 2024 errichtet und seither ausgiebig getestet. Die Hochleistungsstrecke verbindet Graz und Klagenfurt mit dem schnellsten Zug bei 250 km/h in 41 Minuten. Bei allen Feierlichkeiten darf nicht vergessen werden, wer die Idee für dieses Jahrhundertprojekt hatte. Denn ohne des großen Einsatzes des verstorbenen freiheitlichen Landeshauptmannes Jörg Haider würde es den Koralmtunnel und damit die Koralmbahn nicht geben! Auf dem Weg zur Verwirklichung des gefeierten Projektes gab es nicht nur massiven Gegenwind aus Wien – auch Gaby Schaunig von der SPÖ Kärnten stimmte gegen die finanzielle Beteiligung Kärntens zur Beschleunigung und Verwirklichung. Doch Jörg Haider blieb hartnäckig. Kärnten in Verzug Die Koralmbahn verbindet nicht nur die Steiermark mit Kärnten, sondern sie verbindet ganz Europa von der Ostsee bis zur Adria. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Kärntner Landesregierung mehr als zehn Jahre verschlafen hat und unvorbereitet in diese neue Zeit geht. Wir hätten schon längst eine Lösung für den Zentralraum mit dem Lückenschluss zwischen Klagenfurt und Villach gebraucht und das Logistikzentrum in Fürnitz mit Leben erfüllen müssen. Kärnten müsste sich schon Flächen an der Koralmbahn gesichert und Technologieparks sowie Betriebe mit neuen Arbeitsplätzen angesiedelt haben. Die Steiermark ist in diesem Bereich viel weiter und hat anders als Kärnten, ihre Hausaufgaben rechtzeitig erledigt. ÖBB-CEO Andreas Matthä sprach von einem eisenbahnhistorischen Moment, zwischen zwei Städten, die noch nie eine direkte Verbindung hatten. „Da verspürt man ein gewisses Kribbeln. Wie cool kann das denn sein“, sagte der ÖBB-Chef, bevor er sich bei der Politik und den beteiligten Arbeitern, Technikern und Planern bedankte. Aufbruchsstimmung „Heute ist ein riesengroßer historischer Tag für die Steiermark und Kärnten. Wir wachsen enger zusammen – nicht nur geografisch, sondern auch menschlich“, betonte FPÖ-Landeshauptmann Mario Kunasek. Für Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) beginnt mit der Koralmbahn der „Stern des Südens zu leuchten“. Eine am Donnerstag vergangener Woche eröffnete Ausstellung in Klagenfurt trägt den Titel „Aufbruch‘“. Das sei es tatsächlich, mit neuen Chancen für beide Länder. Die Grazer KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr sprach ihren „Riesenrespekt“ für die Ingenieurs- und die Arbeitsleistung aus. Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider hatte eine „Riesenfreude“. Diese Verbindung bringe nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch neue Impulse für Kultur und Gesellschaft. Impulsbeschleuniger Bundeskanzler Stocker sprach von einem schönen Tag für die beiden Zentralräume, die beiden Bundesländer und die Republik. „Man ist nun doppelt so schnell wie mit dem Pkw. Von der Koralmbahn werden viele Impulse ausgehen“, so der Kanzler. SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler betonte die Beschäftigungseffekte und die Verbesserungen für Pendler und den Arbeitsmarkt. Es sei auch ein guter Tag für die Bahnindustrie, nicht nur für die Länder. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ): „Ein Jahrhundertprojekt. Und ein Zeichen, wie gut wir funktionieren von der Bundesebene bis zu den Gemeinden.“ Er wolle sich bei den zehntausenden Arbeitern bedanken, die das geschafft haben. Eric von Breska, Direktor in der Generaldirektion Mobilität und Verkehr der EU-Kommission, zeigte sich „sehr, sehr stolz“. Denn die Koralmbahn sei ein zentraler Baustein des Trans-Europäischen Verkehrsnetzes, von Polen bis an die Adria. Die Koralmbahn ist Teil des Baltisch-Adriatischen Korridors, von der EU als wichtige transeuropäische Verkehrsachse definiert. Sie führt von Graz nach Klagenfurt und hat eine Streckenlänge von rund 130 Kilometern. 50 Kilometer davon werden in Tunnels geführt, davon 33 Kilometer im Koralmtunnel, dem sechstlängsten Eisenbahntunnel der Welt. Die Strecke hat eine Menge Kunstbauten, nämlich über 100 Brücken und Unterführungen. Neue Infrastruktur Gebaut wurden 23 moderne Bahnhöfe, davon zwölf entlang der Neubaustrecke inklusive der Lavanttalbahn der Bleiburger Schleife auf Kärntner Seite. In der Steiermark ist der größte Neubau der Bahnhof Weststeiermark bei Wettmannstätten. In Kärnten ist es der neue Bahnhof in St. Andrä im Lavanttal. Ab Ende 2026 brauchen die Züge 2 Stunden und 40 Minuten von Wien nach Klagenfurt, was derzeit gut vier Stunden dauert. Von Graz nach Klagenfurt ist man dann in 45 Minuten. Wien-Graz geht in 1 Stunde 50 Minuten. Unterquert werden der Semmering zwischen Niederösterreich und der Steiermark sowie die Koralpe – ihr höchster Gipfel ist der Große Speikkogel mit 2.140 Meter Seehöhe, er trägt eine der wichtigsten Radarstationen des Bundesheeres – zwischen der Steiermark und Kärnten. H.K. Jahrhundert-Projekt Koralmtunnel rückt die Regionen in den Fokus Knapp sechs Mrd. Euro wurden investiert, um Steiermark und Kärnten zu Österreichs zweitgrößten Wirtschaftsraum – nach Wien – zu machen. © ÖBB
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