DAS 6 WIEN AKTUELL Millionen für PR, teure Berater, üppige Pauschalen und ein Geflecht aus Funktionen und Posten. In der Wirtschaftskammer Wien reißen die Fragen rund um die Ära Walter Ruck nicht ab. Und je mehr Details ans Licht kommen, desto stärker drängt sich die Frage auf, ob hier eigentlich noch für die Interessen der Unternehmer gearbeitet wurde oder vor allem für die Interessen des Kammerbonzen. Besonders skurril wirkt dabei ein Detail aus den Verträgen mit PR-Berater Rudi Fußi. Laut ORFRecherche war in einem Vertrag aus dem Jahr 2017 für dessen „Bereitschaft an Wochenenden und Feiertagen“ eine Pauschale von 2.000 Euro monatlich vorgesehen. Die Kammer erklärt dazu, die Leistung sei regelmäßig abgerufen worden und eine Stundenabrechnung wäre sogar teurer gewesen. Doch damit nicht genug. Die „Krone“ berichtet für 2023 sogar von 2.716 Euro netto pro Monat allein für diese Wochenend- und Feiertagsbereitschaft. Dazu kamen weitere Honorare für Social Media, Kommunikationsleistungen und die persönliche Beratung des Kammerpräsidenten. Betriebe blechen Kammerluxus Und genau hier wird es für die Zwangsbeiträge zahlenden Unternehmer interessant. Denn die Kosten trägt nicht irgendein Konzern. Es sind jene Betriebe, die ihre Pflichtbeiträge an die Wirtschaftskammer abliefern müssen. Gleichzeitig explodierten die PR-Ausgaben der Wiener Kammer unter Ruck. Von knapp 64.000 Euro im Jahr 2015 auf rund 976.000 Euro 2024! Das ist mehr als das Fünfzehnfache! Fußis Agentur kassierte dabei über Jahre beträchtliche Summen. Allein 2016 bis 2025 sollen laut „Krone“ rund 4,1 Millionen Euro an Honoraren für Beratungs- und Kommunikationsleistungen verrechnet worden sein. Für 2023 und 2024 wurden monatlich mehr als 50.000 Euro für pauschale Kommunikationsdienstleistungen ausgewiesen. Und dann gibt es noch die politische Ebene. Laut „Krone“ hat die Kammer unter Ruck sogar Geld für ein Wien-Sonderheft des Genussmagazins „Falstaff“ von PR-Berater Wolfgang Rosam locker gemacht. 2023 und 2024 – je 85.000 Euro! Ein Medien-Insider: „Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wer wurde mit einer Genusszeitung eingekocht?“ Und die FP wirft die Frage auf, ob die Stadt Wien und die WK Wien über „Falstaff“ politische Werbung für Ludwig finanziert hat? Mit „fetten“ Aufträgen konnte (so „profil“) auch Gabriel Karas, Chef der Jungen Wirtschaft und Sohn des VP-EU-Abgeordneten Othmar Karas rechnen. Allein heuer kassierte Karas als BR-Berater 150.000 Euro. Fußi wiederum arbeitete einmal für Ex-SP-Kanzler Kern. Dabei bezahlt die Kammer selbst 27 Mitarbeiter (!) im Bereich Kommunikation. In Summe hat die WK Wien zwischen 2019 und 2026 exakt 318 Aufträge mit einem Volumen von 102 Millionen Euro vergeben. Der u. a. wegen Postenschacher- und Freunderlwirtschafts-Vorwürfen zurückgetretene WK-Chef Ruck residierte auch in einem Büro im Schloss Herrenstein, fuhr einen noblen Dienstwagen, bezog eine 14.000-Euro-brutto-Aufwandsentschädigung und ließ teure Ehrenmedaillen herstellen. Stadtrechnungshof gefragt Stadt Wien und Wirtschaftskammer finanzierten gemeinsam Sonderausgaben der Gastro-Zeitschrift „Falstaff“ von PR-Unternehmer Wolfgang Rosam, in denen sowohl Ruck als auch SPÖBürgermeister Michael Ludwig prominent und schmeichelhaft präsentiert wurden. Die FPÖ will deshalb die finanziellen Verflechtungen vom Stadtrechnungshof prüfen lassen. Die WKO verspricht inzwischen neue Compliance-Regeln und mehr Transparenz. Schön. Aber warum musste es erst einen Skandal nach dem anderen geben, bevor man auf die Idee kam, mit Unternehmergeld besonders sorgfältig umzugehen? Wenn für Wochenendbereitschaft tausende Euro im Monat vorgesehen sind, daneben fünfstellige Beraterhonorare fließen und die PR-Ausgaben innerhalb weniger Jahre explodieren, dann darf man schon genauer hinschauen. Die Unternehmer brauchen keine Kammer als PR-Maschine. Sie brauchen eine Interessenvertretung, die mit ihren Pflichtbeiträgen so umgeht, als wären es ihr eigenes Geld. H. K. Das Erbe des Herrn Walter Ruck: Millionen-Honorare für Berater! Wiener Wirtschaftskammer finanzierte „Falstaff“-Ausgaben von WerbeExperten.„Gagenregen“ für Ex-SP-Bundesparteichef-Kandidat Rudolf Fußi. Ziemlich „beste Freunde“: Wiens SP-Bürgermeister Michael Ludwig und Ex-WK-Präsident Walter Ruck © Stadt Wien/Christian Jobst
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