DAS 6 WIEN AKTUELL Bürger zahlen die Rechnung, aber erhalten niemals eine Einladung Die selbst ernannte Stimme der Reform, Meinl-Reisinger, inszeniert sich bei Salzburger Festspielen als Protagonistin der Eliten. Unmut in Basis ... Salzburg ist dieser Tage wieder Bühne für die großen Festspiele. Doch nicht nur Mozart, Oper und Schauspiel stehen im Rampenlicht. Rund um die kulturellen Höhepunkte hat sich längst ein zweites Schauspiel etabliert – jenes der politischen und gesellschaftlichen Selbstdarstellung. Zwischen Champagnergläsern, Blitzlichtgewitter und Designerroben trifft sich die Republik zum Schaulaufen. Während viele Österreicher mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, scheint in den Salzburger Nobelhotels und Festspiellounges eine völlig andere Welt zu existieren. Schon der Salzburg Summit der Industriellenvereinigung lieferte den Auftakt. Internationale Politprominenz wie Ex-US-Außenminister Antony Blinken oder Kanadas früherer Premier Justin Trudeau trafen auf heimische Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft. Beim Galadinner im Hangar-7 wurde genetzwerkt, diskutiert und repräsentiert. Kurz darauf folgte der Empfang von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger im Rahmen der Salzburger Festspiele – begleitet von ukrainischen Cellisten und einem exklusiven Gästekreis. Während Kultur offiziell im Mittelpunkt stand, entstand bei vielen Beobachtern der Eindruck, dass vor allem die politische Inszenierung gepflegt wurde. Express-Society zu Kurz Kaum war dieser Empfang vorbei, zog Sebastian Kurz mit seiner traditionellen SchinkenfleckerlParty im Café Bazar die Aufmerksamkeit auf sich. Mehr als 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Society erschienen. Dort trafen ehemalige Regierungsmitglieder auf Politiker unterschiedlichster Parteien, Unternehmer auf Lobbyisten und alte Weggefährten auf neue Bekanntschaften. Wer dort auftauchte, wusste genau, dass jede Ankunft und jedes Gespräch genau beobachtet werden würde. Die Gerüchte über ein mögliches politisches Comeback von Kurz erhielten dadurch neue Nahrung. Fast wirkte es, als hätte sich die Republik für ein verlängertes Wochenende in eine exklusive Parallelwelt verabschiedet. Während draußen Touristen durch die Altstadt spazierten, spielte sich hinter den Türen der Festspielhäuser und Nobelrestaurants das gesellschaftliche Ballett der politischen Elite ab. Dort, wo man sich gegenseitig zunickt, Visitenkarten tauscht und sich bei Austern, Wein und Canapés über die Zukunft des Landes unterhält, scheint der Alltag der Bevölkerung oft erstaunlich weit entfernt. Selbstinszenierung auf Steuerkosten Besonders Außenministerin Beate Meinl-Reisinger gerät dabei in die Kritik. Ausgerechnet eine Politikerin, deren Partei regelmäßig Budgetdisziplin, Sparsamkeit und effizienten Umgang mit Steuergeld einfordert, lädt zu einem repräsentativen Festspielempfang unter Patronanz ihres Ministeriums. Dass ein solcher Empfang diplomatische Kontakte ermöglichen kann, steht außer Frage. Dennoch stellt sich die berechtigte Frage, ob dafür tatsächlich eine exklusive Festspiellounge samt entsprechendem Rahmenprogramm notwendig ist oder ob hier nicht vielmehr das gesellschaftliche Parkett zur persönlichen Bühne wird. Mitnichten Reformpolitikerin Genau diese Fragen greift nun auch eine parlamentarische Anfrage auf. Im Mittelpunkt stehen die Kosten für Räumlichkeiten, Catering, Sicherheit, Reisen sowie der personelle Aufwand innerhalb des Außenministeriums. Transparenz darüber wäre durchaus angebracht. Denn gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen wächst bei vielen Bürgern die Erwartung, dass jeder Euro nachvollziehbar eingesetzt wird. Der Eindruck, dass politische Repräsentation wichtiger wird als Zurückhaltung, lässt sich andernfalls nur schwer entkräften. Für Meinl-Reisinger kommt die Debatte zudem zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Im aktuellen APA/ OGM-Vertrauensindex musste sie die größten Verluste aller Spitzenpolitiker hinnehmen. Elf Punkte büßte sie ein und liegt nun bei einem Vertrauenssaldo von minus 20. Das deutet darauf hin, dass das Bild einer bürgernahen Reformpolitikerin zuletzt deutlich gelitten hat. Gerade deshalb dürfte jeder öffentliche Auftritt in einem exklusiven Umfeld besonders kritisch wahrgenommen werden. Auf Eigenwerbung geschniegelt Natürlich gehören die Salzburger Festspiele zu den bedeutendsten Kulturveranstaltungen Europas. Internationale Gäste, Diplomatie und Kultur waren hier immer eng miteinander verbunden. Problematisch wird es aber dann, wenn der Eindruck entsteht, dass Hochkultur zunehmend als Kulisse für politische Eigenwerbung dient. Kunst soll verbinden und inspirieren – nicht als Hintergrunddekoration für Imagepflege und gesellschaftliche Selbstinszenierung dienen. Während draußen viele Menschen genau rechnen müssen, ob sich der nächste Einkauf noch ausgeht, prostet sich drinnen die feine Gesellschaft zu. Zwischen Smoking, Abendkleid und Champagner scheint man sich gegenseitig zu versichern, wie wichtig doch der Austausch sei. Für den Durchschnittsbürger wirkt dieses Schauspiel allerdings zunehmend wie eine Aufführung in einem eigenen Universum – eines, zu dem man zwar die Rechnung bezahlt, aber niemals eine Einladung erhält. H. K. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger war die politische Inszenierung sehr wichtig und kokettiert wohl nach Neos-Aus mit globalen Job © Parlamentsdirektion/Katie-Aileen Dempsey
RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMjE=