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DAS WIEN AKTUELL 17 Der Sommer ist da – zumindest laut Kalender. Wer allerdings die Schlagzeilen der vergangenen Wochen verfolgt hat, musste glauben, Österreich stehe unmittelbar vor einer nie dagewesenen Hitzekatastrophe. Von „Gluthitze“, „Backofen-Effekt“, „Höllensommer“ und „unerträglichen Temperaturen“ war beinahe täglich die Rede. Politiker diskutierten über vorverlegte Schulferien, Experten warnten vor dem Kollaps der Städte, und Klimaanlagen wurden bereits als unverzichtbare Zukunftstechnologie präsentiert. Nur eines wollte sich partout nicht einstellen: die angekündigte Hitzewelle. Während Meteorologen fast täglich neue Warnungen ausgaben, zeigte sich der Sommer von einer erstaunlich wechselhaften Seite. Regenfronten, kühle Nächte und Temperaturen, die vielerorts deutlich unter den dramatischen Prognosen blieben, bestimmten das Bild. Natürlich gab es einzelne heiße Tage – die hat es in Mitteleuropa schon immer gegeben. Doch aus der permanent beschworenen Extremhitze wurde bislang vielerorts nichts. Trotzdem hält die öffentliche Erregung unvermindert an. Früher sprach man von einem heißen Sommertag. Heute wird daraus innerhalb weniger Stunden eine „historische Hitzewelle“. Wetter und Klima verschwimmen in der öffentlichen Debatte zunehmend zu einem einzigen Bedrohungsszenario. Dabei gehört Hitze zum Sommer genauso wie Schnee zum Winter. Wer jahrzehntelang in Österreich gelebt hat, erinnert sich problemlos an Sommer mit über 35 Grad, an Freibäder, die überfüllt waren, und an Nächte, in denen man kaum schlafen konnte. Neu ist vor allem die Art, wie darüber berichtet wird. Dabei lohnt sich durchaus ein nüchterner Blick auf die tatsächlichen Herausforderungen. Selbst Experten aus der Architektur weisen darauf hin, dass nicht allein die Außentemperatur das Problem ist, sondern vor allem die Bauweise moderner Gebäude. Der Kärntner Architekt Gerhard Kopeinig erklärt etwa, dass sich Architektur und Gebäudetechnik an veränderte Bedingungen anpassen müssten, anstatt ausschließlich auf energieintensive Klimaanlagen zu setzen. Traditionelle Bauweisen mit dicken Wänden, Lehm, natürlicher Belüftung oder begrünten Innenhöfen könnten selbst bei hohen Temperaturen für angenehme Innenräume sorgen. Vielleicht liegt das eigentliche Problem gar nicht in der Hitze selbst, sondern darin, wie heute gebaut wird. Jahrzehntelang entstanden Wohnanlagen mit großen Glasflächen, niedrigen Raumhöhen, dünnen Außenwänden und versiegelten Innenhöfen. Design, maximale Flächenausnutzung und Baukosten hatten Vorrang. Dass sich solche Gebäude im Sommer innerhalb weniger Stunden aufheizen, überrascht niemanden. Anschließend wird genau diese Entwicklung als Beweis präsentiert, dass künftig Millionen Klimaanlagen notwendig seien. Dabei zeigt der Blick in andere Weltregionen, dass Menschen seit Jahrhunderten erfolgreich mit deutlich höheren Temperaturen leben. Windtürme, massive Lehmwände, schattige Innenhöfe oder natürliche Verdunstungskühlung funktionieren völlig ohne stromfressende Technik. Selbst in Österreich gibt es laut Kopeinig Baustoffe, die Innenräume auch bei großer Hitze unter 26 Grad halten können – ganz ohne Klimaanlage. Natürlich wäre es falsch, die Herausforderungen steigender Sommertemperaturen einfach zu ignorieren. Gerade ältere Menschen, Kranke oder Kleinkinder brauchen an heißen Tagen besonderen Schutz. Auch Städte müssen mehr Schatten, mehr Grün und weniger versiegelte Flächen schaffen. Vernünftige Anpassungen sind sinnvoll und notwendig. Doch zwischen pragmatischer Vorsorge und permanenter Alarmstimmung liegt ein erheblicher Unterschied. Wer täglich den Ausnahmezustand ausruft, riskiert, dass die Bevölkerung irgendwann abstumpft. Wenn aus jedem warmen Sommertag eine Katastrophe gemacht wird und die Realität anschließend deutlich harmloser ausfällt, leidet die Glaubwürdigkeit. Die Hitzewelle legt einen Kaltstart hin Criticus Karl L. 80 Jahre | Zeitzeuge Spenden Sie auf care.at „ Das hat mir sehr geholfen. Heute kann ich anderen helfen.“ 104.1025003_80_Jahre_Anzeige_Karl_200x128abf_v01_RZ_DasWien.indd 1 05.11.25 16:23

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