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DAS WIEN AKTUELL 11 DerKüniglbergals„Schlangengrube“: Skandale beschädigen ORF-Image ORF-Redakteursrat kritisiert Unvereinbarkeiten der Stiftungsräte. Wiener Staatsanwaltschaft prüft mögliche Verstöße der PR-Berater. Seit dem Rauswurf von ORF-General Roland Weißmann platzt beinah wöchentlich ein Skandal im ORF-Hauptquartier am Wiener Küniglberg – und die Politik, allen voran Medienminister Babler, schaut tatenlos zu!“, ein verbitterter ORF-Mitarbeiter kann es nicht fassen, dass sein Arbeitgeber durch den Kakao gezogen wird – vor allem, weil es Führungskräfte betrifft und die ORF-Spitze „offensichtlich nichts unternimmt“. Diesen Vorwurf machen zahlreiche ORF-Mitarbeiter der amtierenden „Generalin“ Ingrid Thurnher und dem künftigen Chef Clemens Pig, dessen Wahl umstritten bleibt. Dabei stellt sich die Frage, welche Rollen die Politik und der ORF-Stiftungsrat (Aufsichtsrat) spielen. Mittlerweile beschäftigt sich die Justiz mit ORF-Skandalen. Ein Insider: „Die Ungeheuerlichkeiten, die ans Tageslicht kommen, wären für eine Intrigen-Serie geeignet! “ Die Stiftungsratsspitze, die angeblich dem gekündigten ORF-General Weißmann zugesagt haben soll, dass man bei einem raschen Rücktritt den wahren Grund (angeblich „sexuelle Übergriffe“) nicht nennen würde, hat Aufklärungsbedarf. Vermutlich kommt das bei Gericht zur Sprache, weil Weißmann, der einer ORF-Mitarbeiterin intime Fotos geschickt haben soll, jetzt Millionen fordert. Küniglberg-Kenner vermuten eine Racheaktion, weil der „General“ dem nach Compliance-VerletzungsVorwürfen freigestellten Pius Strobl eine Millionenpensions-Auszahlung verweigert hatte. ORF-Mitarbeiter werfen die Frage auf, warum der Ex-Grüne, Ex-Gendarm und Gagenkaiser Strobl überhaupt 490.000 Euro im Jahr verdienen konnte, während ORF-Journalisten und Techniker unter den 4000 Mitarbeitern mit einem Bruchteil davon auskommen müssen. Oder warum man an einem 70-jährigen „Urgestein“ festhält, während beliebte Moderatoren oder Korrespondenten in Pension gehen müssen. Und immer wieder taucht bei internen Geschichten ein Name auf: Ex-General Alexander Wrabetz. Für ORF-Skandale der jüngsten Zeit müsste man eine Sonderausgabe anfertigen. Sie reichen vom fristlos entlassenen Werbe-Chef über Kokain-Feiern bis hin zu schweren Anschuldigungen gegenüber dem ORF-III-Chef Peter Schöber (der die Vorwürfe bestreitet, es gilt die Unschuldsvermutung). Dabei entpuppt sich der TransparenzBeirat als zahnloses Gremium. W a r u m gibt es trotz Hinweisen von Machtmissbrauch, Mobbing und Diskriminierung keine Konsequenzen, fragen sich verärgerte Mitarbeiter. Übrigens – Herr Schöber wollte per Gerichtsbeschluss verhindern, dass man „seinen“ Compliance-Bericht an den Stiftungsrat weitergibt. Warum? Räte als Sesselkleber Apropos Stiftungsräte: Das hat es in einem Milliarden-Unternehmen noch nie gegeben! Einen Aufstand gegen vier Stiftungsräte über deren mögliche Fehlverhalten! Der ORF-Redakteursrat sprach vier Stiftungsräten öffentlich das Misstrauen aus – in anderen Firmen wären Aufsichtsräte danach zurückgetreten! Aber beim ORF gehen die Uhren anders, da drückt man das ORF-Auge zu, so ein Insider. Und die Zahl jener ORF-Bediensteten, die dem Treiben nicht mehr lange zusehen wollen, steigt. Sie wundern sich nur, warum prominente Kolleginnen und Kollegen dieses „grauenhafte Sittenbild“ nicht öffentlich zurechtrücken wollen. Der Redakteursrat fordert eine Neuaufstellung des Stiftungsrates und spricht von Unvereinbarkeiten einiger Mitglieder, einem „toxischen Arbeitsklima“ und internen Machtkämpfen unter ORFManagern. Der Redakteursrat sieht die Rolle des Vorsitzenden des Stiftungsrates, Heinz Lederer, und seines Stellvertreters Mag. Gregor Schütze „problematisch“. Lederer leitet den „SPÖ-Freundeskreis“ im Stiftungsrat, Schütze jenen der ÖVP. Mit einer unabhängigen Führung sei das nicht vereinbar. Die Belegschaft kritisiert das Vorgehen der Stiftungsratschef bei der Absetzung von Weißmann. Die Neos bezeichnen den umstrittenen Stiftungsrat als „Gremium des Grauens“. Neos-Klubobmann Yannick Shetty: „Der Stiftungsrat steht für alles, was am Küniglberg falsch läuft!“ Die Pinken orten „Interessenskonflikte“ bei Lederer durch seine Beratertätigkeit und fordern seinen Rücktritt. 12 der 35 Stiftungsratsmitglieder wären laut ORF-Redakteursrat Lobbyisten, PR-Agenturbesitzer, Pressesprecher oder Interessensvertreter. Und der Redakteursrat zählt (neben den politischen) auch eine Reihe von wirtschaftlichen Unvereinbarkeiten von Lederer und Schütze auf: So sei es unvereinbar, dass Heinz Lederer die Interessen des Songcontests vertritt. Zudem weist der Redakteursrat auf Interventionsversuche der beiden Räte hin, etwa bei ORF-Geschichten über die Ärztekammer oder die REWE-Gruppe. Zudem soll sich Lederer über eine NachrichtenmagazinJournalistin beschwert und versucht haben, dass sie zu keiner ORF-Diskussion eingeladen wird, heißt es aus dem Redakteursrat. Weitere Vorwürfe kursieren in Medien. Etwa die Rolle Lederers beim Verkauf des ORF-Gebäudes in der Argentinier Straße, beim Ski-Verband (Übertragungsrechte), eine mögliche Intervention für eine Vertragsverlängerung einer TV-Produktionsfirma etc. Bei Schütze gibt es Medienberichte, er hätte eine Promi-Feier von ORF-Tochterunternehmen bezahlen lassen. Lederer und Schütze weisen alle Vorwürfe zurück. Mittlerweile musste der von der Steiermark entsandte Stiftungsrat Thomas Prantner – für ihn sei während seiner ORF-Zeit die Stelle eines „Stellvertretenden technischen Direktors“ erfunden worden – zurücktreten. Kritisiert wird vom ORF-Redakteursrat auch Ex-BZÖ/ FPÖ-Politiker und Stiftungsrat Peter Westenthaler. Der Mann soll permanent bei Konkurrenzsendern die Arbeit des ORF diffamieren. Warum schreitet die Medienaufsichtsbehörde KommAustria bei all diesen Vorwürfen nicht ein? Der Kärntner Autor und Journalist Harald Raffer hat über die Klagenfurter Anwaltskanzlei Paya & Paya eine Sachverhaltsdarstellung bei der Wiener Staatsanwaltschaft eingebracht. Es geht um laufend veröffentlichte Unvereinbarkeiten der Herren Lederer und Schütze als ORFAufsichts- und Kontrollorgane und PR-Berater (Mögliche Verstöße gegen Compliance-Regeln, es gilt die Unschuldsvermutung). Ob diese Behörde Licht ins Dunkel bringt? Man wird sehen. Neben gesetzlichen Vergehen gibt es noch moralische Richtwerte wie Anstand und Korrektheit. H. K.

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