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DAS 10 WIEN AKTUELL Drei Jahre lang wurde den Österreichern versprochen, Katar und andere Golfstaaten würden die Antwort auf die Energiekrise sein. Bilder von Staatsbesuchen, Handschläge mit Emiren und vollmundige Ankündigungen sollten vermitteln, dass die Regierung die Versorgung des Landes auf neue Beine stellt. Heute bleibt von dieser Inszenierung wenig übrig. Eine parlamentarische Anfrage sorgt für neuen politischen Sprengstoff. Denn laut der Beantwortung durch das Wirtschaftsministerium sind dem Ressort keine Verträge österreichischer Unternehmen mit Katar über Flüssiggaslieferungen bekannt. Aus dem groß angekündigten Gas-Plan scheint vor allem eine PR-Kampagne geworden zu sein. Besonders pikant ist dabei der zeitliche Zusammenhang. 2022 reisten der damalige Bundeskanzler Karl Nehammer und Klimaministerin Leonore Gewessler nach Katar. Damals wurde die Reise als wichtiger Schritt zur Sicherung der Energieversorgung verkauft. Österreich müsse unabhängig von russischem Gas werden, lautete die Botschaft. Heute stellt sich die Frage, welchen konkreten Nutzen diese Reise tatsächlich gebracht hat. Denn wenn es weder langfristige Lieferverträge noch zusätzliche Gasmengen gibt, bleibt vor allem der Eindruck einer teuren Symbolpolitik. Exklusives Dementi Noch deutlicher wird der Widerspruch durch Aussagen des Wirtschaftsministeriums selbst. Dort heißt es sinngemäß, dass die Golfstaaten ohnehin keine relevanten Mengen an LNG nach Österreich beziehungsweise Europa liefern und ein Ausfall dieser Lieferungen keine große Herausforderung darstelle. Damit relativiert ausgerechnet die Regierung jenes Projekt, das sie jahrelang als wichtigen Baustein ihrer Energiepolitik präsentiert hatte. Das System„Flüssiggas“ Die Debatte bekommt zusätzliche Brisanz durch die Entwicklung im Nahen Osten. Der Konflikt rund um den Iran sorgt erneut für Unruhe auf den Energiemärkten. Der Brent-Ölpreis ist zuletzt auf den höchsten Stand seit Wochen gestiegen, gleichzeitig verteuern sich Diesel und Benzin auch in Österreich wieder deutlich. Besonders kritisch beobachten Experten die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und LNG-Handels. Bereits mehrere Tage lang wurden dort keine LNG-Tanker mehr registriert. Jeder militärische Zwischenfall kann Lieferketten unterbrechen und die Preise weiter nach oben treiben. Genau hier zeigt sich das Grundproblem der europäischen Energiepolitik. Flüssiggas muss tausende Kilometer per Schiff transportiert, in Spezialterminals entladen und anschließend wieder in Gas umgewandelt werden. Jeder einzelne Schritt verursacht zusätzliche Kosten. Gleichzeitig hängt die Versorgung von sicheren Seewegen ab, die durch internationale Konflikte jederzeit gefährdet sein können. Österreich selbst besitzt keinen direkten Zugang zum Meer und ist auf die Infrastruktur anderer Staaten angewiesen. Versorgungssicherheit vs. Sanktion Dem gegenüber steht eine unbequeme Realität. Russland verfügt weiterhin über riesige Gasreserven, die über bestehende Leitungsnetze nach Mitteleuropa transportiert werden könnten. Die Infrastruktur existiert seit Jahrzehnten, die Transportwege sind deutlich kürzer und die Kosten für Pipelinegas liegen grundsätzlich unter jenen für aufwendig produziertes und verschifftes LNG. Für viele Kritiker stellt sich daher die Frage, weshalb Europa Milliarden für teures Flüssiggas aus Übersee bezahlt, während eine funktionierende Pipeline-Infrastruktur praktisch vor der eigenen Haustür vorhanden ist. Befürworter der bisherigen Strategie argumentieren mit Versorgungssicherheit und der Verringerung geopolitischer Abhängigkeiten. Kritiker halten dagegen, dass die wirtschaftlichen Folgen für Haushalte und Unternehmen enorm seien. Höhere Energiepreise verteuern Produktion, Heizen und Mobilität. Am Ende zahlen nicht Regierungen oder internationale Konzerne die Rechnung, sondern Familien und Betriebe. Bürger als Opfer Zwischen politischer Symbolik und wirtschaftlicher Realität klafft eine immer größere Lücke. Wenn selbst die Regierung einräumt, dass die groß angekündigten LNG-Partnerschaften kaum praktische Bedeutung haben, drängt sich die Frage auf, welchen Zweck die damaligen Reisen und Ankündigungen tatsächlich erfüllten. Während internationale Krisen die Preise auf den Energiemärkten weiter nach oben treiben, wächst der Druck, die österreichische Energiepolitik nüchtern nach Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit zu bewerten. Für viele Bürger zählt am Ende weniger die Herkunft des Gases als die Höhe der Heizrechnung. Und solange teures LNG aus Krisenregionen bezogen wird, während günstigere Pipelineverbindungen ungenutzt bleiben, wird die Debatte über Sinn und Kosten dieses Kurses wohl weiter an Schärfe gewinnen. Gastbeitrag „Gas-Märchen“ aus Katar entlarvt – hat uns letzte Regierung getäuscht? Die bizarre Golfstaaten-Lösung zur Energiekrise entpuppt sich Stand jetzt als Inszenierung von Nehammer & Gewessler. Energie bleibt teuer. 2022 reisten der damalige Bundeskanzler Karl Nehammer und Klimaministerin Leonore Gewessler nach Katar © (2) Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

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