DAS 8 WIEN AKTUELL Beim ORF herrscht derzeit ein Zustand, der bei vielen Mitarbeitern und Gebührenzahlern gleichermaßen auf Unmut stößt. Nachdem ein neuer Generaldirektor mit Clemens Pig gewählt wurde, geben viele Player ihren Senf dazu. Mit der Wahl von Clemens Pig beginnt im ORF eine neue Ära. Pig schreibt die Direktorenposten neu aus und verändert gleichzeitig deren Zuständigkeiten. Damit geht es nicht nur um neue Namen, sondern um eine grundlegende Neuordnung der Macht- und Verantwortungsstrukturen innerhalb des Unternehmens. Für zahlreiche Führungskräfte bedeutet dies eine Phase der Unsicherheit, weil nicht nur die Besetzung der Positionen offen ist, sondern auch deren künftiger Aufgabenbereich. ORF-Struktur in Unruhe Gleichzeitig fuhrwerkt die Interimschefin Ingrid Turnher wild herum und streicht einfach mal so die beliebten Quizsendungen, wie etwa die Millionenshow. Parallel dazu melden sich mehrere Regierungsmitglieder mit Reformvorstellungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Wort. Statt eines geordneten Übergangs entsteht der Eindruck eines Senders im permanenten Umbau. Die Ära des gefeuerten Ex-Generaldirektors Roland Weißmann endet damit nicht bloß durch einen Personalwechsel, sondern durch einen umfassenden Umbau der Führungsstruktur. Befürworter sprechen von einer Modernisierung des Hauses, Kritiker sehen hingegen eine weitreichende Neuverteilung von Kompetenzen, deren Auswirkungen auf die journalistische und organisatorische Unabhängigkeit erst sichtbar werden müssen. Während der ORF über verpflichtende Beiträge der Bevölkerung finanziert wird und einen gesetzlichen Bildungs-, Informations- und Kulturauftrag erfüllen soll, wächst die Kritik, dass zunehmend Formate gefördert werden, die sich kaum noch von privaten Fernsehsendern unterscheiden. Politik mischt weiter mit Als wäre dieser interne Umbau nicht bereits umfangreich genug, kündigt die Politik weitere Veränderungen an. Medienminister und SPÖ-Chef Andreas Babler hat für den Herbst Reformen des ORF angekündigt. Diskutiert werden strukturelle Änderungen, Fragen der Finanzierung und die zukünftige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Damit greift die Politik erneut in eine Debatte ein, die eigentlich zunächst innerhalb des Unternehmens geklärt werden müsste. Auch Bundeskanzler Christian Stocker hat eigene Vorstellungen über die Zukunft des ORF formuliert. Wenn sowohl der Medienminister als auch der Regierungschef öffentlich Reformideen präsentieren, entsteht zwangsläufig die Frage, wie unabhängig ein öffentlich-rechtlicher Sender tatsächlich agieren kann. Krempelt Pig ORF um? Für die Zuschauer und Beitragszahler ergibt sich daraus ein chaotischer Gesamteindruck. Während eine neue Führung erst aufgebaut wird, werden bereits Programme verändert, Kompetenzen neu verteilt und politische Reformen angekündigt. Der ORF befindet sich damit gleichzeitig in einem personellen, organisatorischen, programmlichen und politischen Umbau. Gerade ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk sollte jedoch für Stabilität, Verlässlichkeit und Unabhängigkeit stehen. Derzeit entsteht hingegen der Eindruck eines Unternehmens, das von mehreren Seiten gleichzeitig umgestaltet werden soll. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der umfassende Umbau unter Clemens Pig tatsächlich zu einer klareren Struktur und mehr Eigenständigkeit führt, oder ob der ORF wie gewohnt zum Schauplatz von Machtfragen, politischen Interessen und strategischen Richtungskämpfen wird. Unabhängigkeit realistisch? Der ORF braucht einen klaren Verantwortlichen. Wer die Verantwortung trägt, muss aber auch die Möglichkeit haben, eigene Entscheidungen zu treffen. Werden Programmänderungen, Strukturreformen und politische Erwartungen bereits vorgegeben, droht der neue Generaldirektor zum Vollstrecker fremder Vorstellungen zu werden, statt den Sender eigenständig zu gestalten. Gerade für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das problematisch. Unabhängigkeit bedeutet nicht nur Distanz zur Parteipolitik, sondern auch die Freiheit der Unternehmensführung, ihren Kurs selbst festzulegen. Andernfalls entsteht der Eindruck, dass der ORF zwar einen neuen Chef bekommt, die Richtung des Hauses jedoch bereits von anderen bestimmt wird. H. K. Wie schafft man im ORF Kehrtwende zu weniger politischem Einfluss? Der umfassende Umbau des ORF unter Generaldirektor Pig in spe gelingt nur, wenn es ihm gelingt, sich weitestgehend von der Politik abzunabeln.
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