DAS WIEN AKTUELL 27 28 Jahre gewartet – und jetzt sind wir wieder dabei Ganz ehrlich: Mir ist in den letzten Tagen eines bewusst geworden. Viele junge Fußballfans in Österreich haben überhaupt noch nie erlebt, dass Österreich bei einer Weltmeisterschaft dabei ist. 28 Jahre sind seit der WM 1998 in Frankreich vergangen. 28 Jahre! Das ist fast eine ganze Fußballgeneration. Deshalb ist für mich die größte Geschichte dieser Weltmeisterschaft gar nicht, wer Favorit ist oder wer den Titel holt. Die größte Geschichte ist, dass Österreich endlich wieder auf dieser Bühne vertreten ist. Eine Weltmeisterschaft ist etwas Besonderes. Das ist nicht irgendein Turnier. Das ist die größte Bühne, die unser Sport zu bieten hat. Dort willst du als Spieler hin. Dort willst du dich mit den Besten messen. Und genau deshalb freue ich mich riesig für die aktuelle Generation. Sie hat sich das verdient. Trotzdem darf man auch kritisch sein. Früher war eine WM etwas Exklusives. Du musstest dich durchsetzen, du musstest zu den besten Mannschaften der Welt gehören. Heute fahren 48 Teams zur Weltmeisterschaft. Das sind 16 Mannschaften mehr als früher. Natürlich freue ich mich für Länder, die zum ersten Mal dabei sind. Für diese Nationen ist das ein historischer Moment. Aber ich frage mich schon: Braucht eine Weltmeisterschaft wirklich 48 Teilnehmer? Früher war fast jedes Spiel ein Highlight. Heute hast du Mannschaften dabei, die vor ein paar Jahren wahrscheinlich nicht einmal von einer Teilnahme geträumt hätten. Das macht die WM größer, aber nicht automatisch besser. Auf der anderen Seite gehört genau das vielleicht auch zum Fußball dazu. Geschichten von Außenseitern haben die Fans immer geliebt. Wenn ein kleineres Land plötzlich die großen Nationen ärgert, dann entstehen genau die Momente, über die man noch Jahre später spricht. Spannend wird auch sein, wie sich die WM in den USA, Kanada und Mexiko präsentiert. Die Stadien werden voll sein, die Organisation wird funktionieren und das Event wird riesig werden. Aber Fußball lebt auch von Atmosphäre, von Tradition und von Emotionen. Da bin ich gespannt, ob dieses Gefühl einer klassischen Weltmeisterschaft wirklich aufkommt. Und Österreich? Ich finde, wir müssen uns nicht verstecken. Diese Mannschaft hat Qualität. Sie hat Charakter. Sie hat einen Trainer, der klare Vorstellungen hat. Natürlich gehören wir nicht zu den Top-Favoriten, aber wir fahren auch nicht als Touristen hin. Wenn Österreich einen guten Start erwischt, dann ist einiges möglich. Das Achtelfinale sollte jedenfalls das Ziel sein. Für mich gibt es trotzdem einen klaren Favoriten. Spanien spielt seit Jahren einen Fußball, der beeindruckt. Technisch stark, taktisch hervorragend und mittlerweile auch körperlich auf höchstem Niveau. Wenn ich heute einen Weltmeister tippen müsste, dann würde ich auf Spanien setzen. Am Ende bleibt für mich aber eine andere Erkenntnis. Man kann über das Format diskutieren. Man kann über 48 Mannschaften diskutieren. Man kann über Gastgeber, Vermarktung und alles andere diskutieren. Aber wenn Österreich bei einer Weltmeisterschaft dabei ist, dann schaut das ganze Land hin. Und genau darauf haben wir 28 Jahre lang gewartet. Die Sport Austria Finals powered by Österreichische Lotterien (3. bis 7. Juni) gehen gleich mehrfach in die Geschichte ein. Die erste Wien-Edition brachte 107.000 Besucherinnen und Besucher an vier Wettkampftagen – Rekord! Neben dem Weltrekord von ParaSchwimmer Andreas Ernhofer gab es 13 nationale Rekorde, zahlreiche EM-Limits und ganz viele persönlich Bestmarken von den 7.621 Athletinnen und Athleten, die in 46 Sportarten ihre Besten kürten. „Mit diesen Zahlen hätten wir nicht gerechnet, Wien hat wirklich alle Erwartungen übertroffen“, freute sich Sport Austria-Präsident Hans Niessl, der auch am Sonntag bei vielen Wettkämpfen vor Ort war. Alleine am Rathausplatz konnte sich der Burgenländer acht Sportarten erste Reihe fußfrei anschauen, darunter Judo, Bogenschießen, Taekwondo oder Tischfußball. „Unser Ziel war es, den Sport zu den Menschen zu bringen. Das hat ein bisschen Überzeugungsarbeit bei den Verbänden gebraucht, aber schlussendlich ist unser Konzept voll aufgegangen. Und für die Athleten war es ein ganz besonderes Erlebnis!“ von Toni Polster Klartext Sport Austria Finals Fotos: GEPA pictures/Edgar Eisner (2); GEPA pictures Alexander Solc (2); GEPA pictures Matthias Trinkl; Dominik Angerer (4); Johannes Friedl © Ulrik Hölzel - photography & design
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