DAS 24 WIEN AKTUELL Ich muss nicht in den Urlaub, ich muss da hin, wo ich herkomme”, sagt Esther Graf. Ein überraschender Satz von der jungen Frau, die gerade eine der erfolgreichsten Stimmen des deutschsprachigen Pop ist. Einige hätten sie eher auf Bali als in Kärnten vermutet, aber die 27-Jährige ist nicht nur an dieser Stelle kein klassischer Popstar. Mit beeindruckender Konzentriertheit, Energie und Bodenhaftung hat sie ihr zweites Album „wofür es sich zu leben lohnt” auf die Beine gestellt, zwischen ihrer österreichischen Heimat, ihrer Wahlheimat Berlin und, immerhin, Sizilien. Vom vielbesagten Fluch des zweiten Albums ist keine Spur, vielleicht ist es endlich Zeit, die alten Geister der Vergangenheit zu überlassen und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Die ist im Fall von Esther Graf mehr als beeindruckend, denn der Track Record ihrer Karriere liest sich wie ein Märchen vom anderen Stern. Sie taucht zuverlässig in den wichtigsten Playlisten und Medien wie „Vogue“, „Die Zeit“ oder auf dem legendären Billboard am New Yorker Times Square auf, wo Esther eines der Gesichter der Spotify- „Equal“-Kampagne war. Mit über 112 Millionen globaler Streams ist Esther Graf die meistgestreamte Österreicherin und hat 2025 Nominierungen für den MTV Europe Music Award in der Kategorie „Best Austrian Act“, die 1Live Krone als „Bester Newcomer Act“, und den YouTube Award für das „Most Watched Music Video“ erhalten. „wofür es sich zu leben lohnt” ist ein wichtiger Meilenstein in Esther Grafs Karriere, eine Art Schlüsselwerk zu ihr als Künstlerin und ihren kreativen Kernthemen. Es wäre nur die logische Konsequenz gewesen, nach dem energischen Debüt „happy worstday” noch lauter zu werden oder mit dem Nachfolger auf die altbekannte „Nun bin ich erwachsen geworden”-Route abzubiegen. Aber Esther Graf hat einen anderen Weg gewählt: Mit „wofür es sich zu leben lohnt” ist sie jünger geworden, befreiter, leichter. Nicht weniger meinungsstark oder leiser, aber es ist ihren Texten und den Arrangements deutlich anzuhören, dass sie sich an vielen Stellen befreit hat von alten Belastungen, Konventionen und Ideen davon, wie sie als Musikerin zu sein oder zu klingen hat. Stattdessen dominieren Spaß, emotionale Offenheit und kreative Selbstbestimmtheit. Auf die Frage, welches Gefühl Esther Graf mit diesem Album verbindet, hat sie eine einfache Antwort „Dankbarkeit”. Für ihr Umfeld, ihre Produzenten, ihre Mitmusikerinnen und Musiker, ihre Features, ihr Team und natürlich vor allem ihre Fans, die sie seit den ersten Live-Auftritten 2021 begleiten und mittlerweile eine riesige Fanbase im ganzen DACHRaum geworden sind. Auch der Sommer 2026 ist bereits voll mit Festivalterminen, unter anderem wurden bereits Southside und Hurricane bestätigt. Bereits der Opener „wie schön” vereint alles, was Esther Grafs künstlerische Identität ausmacht: die markante Stimme, die an genau den richtigen Stellen leuchtet oder bricht, die präzisen Texte und die geschliffene, eingängige Melodie. Perfekt unperfekter Pop. „dafür war es echt” destilliert als eine Art core track die Albumbotschaft in einen Satz, denn so perfekt der Pop ist, das Leben selbst ist es selten. Nach einem gemeinsamen Höhenflug folgt die Bruchlandung und das Einzige, was bleibt, sind die Narben der aufgeschürften Knie – aber dafür war es echt. Die Kunst liegt eben darin, auch für die Niederlagen dankbar zu sein, nicht sofort, aber irgendwann. Nicht irgendwann, sondern ganz bald schon ist das Hochgefühl in Aussicht, die Songs des Albums live hören zu können und diese ganz eigene Energie mit vielen anderen zu spüren. Die Verbindung zu ihrer Community ist für Esther Graf online und offline ein wichtiger Aspekt in ihrer Arbeit. Anders als viele Artists ihrer Generation empfindet sie Social Media nicht als weiteren Job oder energiefressende Mental Health-Falle, sondern eine weitere Möglichkeit, sich mit ihrer Fanbase zu connecten und weitere Facetten von sich und ihrem Universum zugänglich zu machen. Den souveränen Umgang damit hat sie über die Jahre gelernt und zeigt damit auf positive Weise, dass eine gesunde Balance zwischen Privat und Öffentlich durchaus möglich sein kann. Überhaupt ist Connection ein zentrales Element von Esther Grafs Arbeitsprozess und unweigerlich auch in ihren Texten. Die Verbundenheit zu ihrer Heimat bedeutet auch, mit Artists wie NESS zu kollaborieren, die sie schon lange aus der österreichischen Musikszene kennt und schätzt. Viele der Songs auf „wofür es sich zu leben lohnt” sind in Österreich entstanden und durch die Erfahrungen des ersten Albums hat sich auch ihr Songwriting noch einmal weiterentwickelt. „Ich habe mehr Wege gefunden, Gefühle zu kanalisieren”, sagt Esther Graf und erklärt damit die stilistische Diversifizierung, die in allen Tracks deutlich hörbar ist. „Pirouetten” erinnert mit seiner upEsther Graf: „wofür es sich zu leben lohnt“ ist perfekt unperfekter Pop Das zweite Studio-Album zeigt die berührbare Facette einer 27-jährigen Künstlerin, die versucht auf ihrem Weg, alle ihre Gefühle zu kanalisieren. © Annika Yanura
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