DAS 16 WIEN AKTUELL Drei Nationen haben sich für einen nicht ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat beworben. Deutschland, Portugal und Österreich. Wir haben es geschafft. Deutschland ist raus. Damit sitzt die Republik 2027 und 2028 im UNO-Sicherheitsrat. In New York wurde das Ergebnis als diplomatischer Erfolg gefeiert, in Wien überschlugen sich Regierungspolitiker mit Jubelmeldungen. Österreich hat also kurz vor der Fußballweltmeisterschaft in Amerika ein politisches „Cordoba“ gegen Deutschland erzielt. Zur Erinnerung: Bei der WM 1978 in Argentinien hat Österreich Deutschland aus dem Turnier geschossen. Dieses „Wunder von Córdoba“ ist in die österreichische Fußballgeschichte eingegangen. Österreich gewann durch zwei Tore von Hans Krankl und ein Eigentor von Berti Vogts mit 3:2. Besonders berühmt wurde der ORF-Radiokommentar von Edi Finger: „Tor! Tor! Tor! I werd narrisch!“ – ein Satz, der bis heute in Österreich bekannt ist. Österreichs Regierung jubelt Ähnlich geknickt wie die damalige Deutsche Fußballnationalmannschaft ist heute die Regierung unseres Lieblingsnachbarn. „Das Ergebnis ist eine echte Enttäuschung und es ist eine herbe Niederlage“, sagte der geschlagene deutsche Außenminister Wadephul. In Österreich hingegen stellt sich die Frage, ob dieser Sitz tatsächlich 20 Millionen Euro wert ist? Zweifellos gelang Österreich bei der Wahl eine Überraschung. Mit 131 Stimmen setzte sich die Alpenrepublik deutlich gegen Deutschland durch, das mit lediglich 104 Stimmen scheiterte. Nur Portugal lag knapp vor Österreich. Für Außenministerin Beate MeinlReisinger ist das Ergebnis der Lohn jahrelanger Bemühungen und internationaler Vernetzung. Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach von einem „großartigen Erfolg“, Bundeskanzler Christian Stocker von einem diplomatischen Triumph. Reputation versus Kosten Doch während die politischen Spitzen jubeln, bleibt offen, welchen konkreten Nutzen die Österreicher von diesem Erfolg tatsächlich haben werden. Der nicht-ständige Sitz im Sicherheitsrat ist prestigeträchtig, die tatsächlichen Einflussmöglichkeiten sind jedoch begrenzt. Die entscheidende Macht liegt weiterhin bei den fünf ständigen Mitgliedern USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Sie verfügen über ein Vetorecht und können jede wesentliche Entscheidung blockieren. Österreich wird zwar mitreden dürfen, die weltpolitischen Weichen werden jedoch weiterhin anderswo gestellt. Besonders kritisch wird deshalb auf die Kosten der Kandidatur geblickt. Rund 20 Millionen Euro wurden für die Bewerbung budgetiert. Geld, das in Zeiten von Sparpaketen, steigenden Lebenshaltungskosten und Budgetlöchern auch anders hätte eingesetzt werden können. Während Bürger höhere Abgaben schultern müssen und bei vielen staatlichen Leistungen gespart wird, investierte die Republik Millionen in eine internationale Kampagne, deren greifbarer Nutzen schwer messbar bleibt. Umweg-Rentabilität? Die Außenministerin verteidigt die Ausgaben. Das Geld habe sich gelohnt, argumentiert sie. Internationale Konferenzen seien nach Wien geholt worden, Österreich habe weltweit an Sichtbarkeit gewonnen. Konkrete Zahlen über die tatsächliche wirtschaftliche Rendite dieser Investitionen liegen allerdings nicht vor. Die Behauptung einer „Umwegrentabilität“ bleibt daher vorerst schwer überprüfbar. Hinzu kommt, dass Österreich bereits mehrfach im Sicherheitsrat vertreten war – zuletzt 2009 und 2010. Einen nachhaltigen politischen oder wirtschaftlichen Durchbruch für das Land brachte diese Mitgliedschaft damals nicht. Auch diesmal dürfte der unmittelbare Nutzen für die Bevölkerung überschaubar bleiben. Die Regierung verweist auf die Chance, internationale Themen wie den Schutz von Zivilisten, die Regulierung von KI-Waffensystemen oder den Klimawandel stärker voranzutreiben. Kritiker entgegnen jedoch, dass Österreich auch ohne millionenschwere Sicherheitsratskampagne in diesen Bereichen aktiv sein könnte. Fragliche Einordnung Bemerkenswert ist vor allem der Kontrast zwischen Symbolik und Realität. Während in New York über internationale Diplomatie diskutiert wird, beschäftigen die Menschen in Österreich ganz andere Sorgen: hohe Mieten, steigende Preise, wirtschaftliche Unsicherheit und ein angespannter Staatshaushalt. Vor diesem Hintergrund wirkt die Freude über einen prestigeträchtigen Sitz in einem UNO-Gremium auf viele Bürger möglicherweise weit weniger greifbar als auf die politische Elite. So bleibt nach dem Jubel die entscheidende Frage offen: Handelt es sich tatsächlich um einen historischen Erfolg für Österreich – oder vor allem um einen teuren Prestigegewinn, dessen Nutzen letztlich kaum jemand im Alltag spüren wird? UN-Nettozahler Deutschland erleidet nach Abstimmung politisches Cordoba Bei der Wahl zum UNO-Sicherheitsrat, dem wichtigsten Gremium der Vereinten Nationen, schnappte Österreich Deutschland Sitz weg! www.das-wien.at
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