Das Wien - E-Book

DAS WIEN AKTUELL 11 stolz, woran sind Sie gescheitert? Und wollten Sie schon einmal alles hinwerfen? Kaiser: Nein. Ich wollte nie einfach alles hinwerfen. Meinen Rückzug habe ich, wie bereits ausgeführt, gut überlegt. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir es in Kärnten immer geschafft haben, einander zu respektieren – egal ob Regierung oder Opposition. Die unter meiner Ägide eingeleitete Reform zur Abschaffung des Proporzsystems hat die Politik attraktiver, aber auch das Gestalten leichter gemacht. Gescheitert bin ich in einigen Bereichen, aber erfreulicherweise – um das zu relativieren - nie in einem Bereich, der eine vernünftig gestaltete Politik ernsthaft behindert hätte. Der damalige SP-Kanzler Gusenbauer wollte Sie unbedingt in die Bundesregierung aufnehmen. Warum haben Sie Ministerämter abgelehnt? Hätte Sie das Kanzleramt gereizt? Kaiser: Ich habe gemerkt, wie sehr ich mit Kärnten und seinen Menschen, aber auch den manchmal unbekannten Stärken dieses Landes verbunden bin. Ich habe deshalb nach reiflicher Überlegung abgesagt. Ein Blick in die Zukunft. ... Kaiser: Sie bringt immense geopolitische Herausforderungen. Wir sind mit vielen Krisensituationen konfrontiert. Man sollte diese Krisen als Chancen nutzen. Vielleicht werden wir in der einen oder anderen Frage andere Positionen erarbeiten müssen, um diese Gefahrenquellen nachhaltig begrenzen zu können. Im Bereich des Klimas hoffe ich auf Enkelverantwortung, im Bereich geopolitischer Verwerfungen wünsche ich mir ein gemeinsames, stärkeres Europa, insbesondere in wirtschaftlichen, verteidigungs- und außenpolitischen Fragen. Wir brauchen neben China, Russland und den USA eine vierte, sehr zentrale Macht. Haben Sie eine Botschaft an unsere Leser? Kaiser: Mir wird Tag für Tag der Wert der Demokratie bewusst – mit dem Wissen, in einem Land wie Österreich oder einem Bundesland wie Kärnten leben zu können. Das ist eine glückliche Fügung. Vielleicht sollte man manchmal auch etwas für Österreich und seine Menschen tun, als oft nur zu nörgeln und zu kritisieren. Man sollte diese Krisen als Chancen nutzen. Vielleicht werden wir in der einen oder anderen Frage andere Positionen erarbeiten müssen, um diese Gefahrenquellen nachhaltig begrenzen zu können. Peter Kaiser „ „ Greenpeace zu Pool-Debatte: Allein drei Konzerne verbrauchen drei Mal mehr Wasser als private Pools Greenpeace zeigt anlässlich der hitzigen Debatte um private Pools in Dürrezeiten auf: Die österreichische Industrie verbraucht um ein vielfaches mehr Grundwasser als Privatpersonen beim Befüllen ihrer Pools zusammen. Jährlich fließen 16 Millionen Kubikmeter Wasser in Privatbecken - was unbe-stritten eine große Menge ist. Doch allein die voestalpine Stahl Linz, die OMV Raffinerie Schwechat und die Lenzing AG verbrauchen mit 51 Millionen Kubik-metern pro Jahr die dreifache Menge Grundwasser. Während die Poolbefüllung öffentlich am Pranger steht, bleibt der gewaltige Wasserverbrauch der Industrie meist intransparent. Greenpeace fordert von Wasserminister Norbert Totschnig, dass er das angekündigte Wasserentnahme-Register für Industrie und Landwirt-schaft rasch umsetzt. Die Umweltschutzorganisation fordert zudem eine Was-ser-Abgabe für industrielle Großverbraucher, die es in Frankreich und den meis-ten deutschen Bundesländern bereits gibt. Sebastian Theissing-Matei Wasserexperte bei Greenpeace: “Die Poolbefüllung ist seit Jahren ein Aufreger-Thema – und das sicherlich zurecht. Aber während wir über private Becken diskutieren, schöpfen Industrie-Konzerne in einem ganz anderen Ausmaß unser Grundwasser in Österreich ab. Dieser gewaltige Ver-brauch findet oft im Verborgenen statt, ohne dass die Öffentlichkeit viel davon mitbekommt. Doch in Zeiten, in denen unsere Wasserreserven immer öfter schwinden, kann dieses industrielle Abzapfen zu handfesten Konflikten um un-ser Wasser führen.” Allein drei bekannte österreichische Konzerne verbrauchen laut Geschäftsbe-richten und Unternehmensauskünften zusammen 51 Millionen Kubikmeter Grundwasser jährlich und damit mehr als drei Mal so viel wie alle privaten Pools des Landes zusammen. Alleine die voestalpine Stahl in Linz verbraucht mit 27 Millionen Kubikmetern beinahe doppelt so viel Grundwasser wie alle Privatpools zusammen (laut Umwelterklärung). Weitere 13 Millionen Kubikmeter Grundwas-ser verbraucht die OMV Raffinerie bei Schwechat (laut Unternehmensauskunft). Die Lenzing AG im oberösterreichischen Lenzing an der Ager entnimmt mit 11 Millionen Kubikmetern ebenfalls enorme Mengen Wasser aus dem Boden (laut Unternehmensauskunft). Durch die Industriekonzerne zusätzlich genutztes Oberflächenwasser aus Flüssen ist in diesen Zahlen nicht berücksichtigt. © Greenpeace /Mitja Kobal

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