DAS 10 WIEN AKTUELL Peter Kaiser: „Es zieht mich nicht in mein Büro zurück!“ Der ehemalige Kärntner SPÖ-Landeshauptmann erteilt Gerüchten über den Antritt bei der Wahl zum nächsten Bundespräsidenten eine Absage. Er ist, betrachtet man sein Sternbild, Schütze und traf als erfolgreicher „roter“ Politiker oft ins Schwarze: Die Rede ist von Dr. Peter Kaiser, Jahrgang 1958, langjähriger SP-Landeshauptmann von Kärnten. Seit April genießt der ehemalige stellvertretende SP-Bundesparteivorsitzende und Ex-Regierungschef seine „neue“ Freizeit als Polit-Pensionist. Gemeinsam mit Lebensgefährtin Uli Wehr stehen jetzt Bildungsreisen auf dem Programm. Für seinen Nachfolger Daniel Fellner findet der Klagenfurter „Anti-Populist“ und Polizisten-Sohn lobende Worte. Harald Raffer sprach mit Peter Kaiser über seine neuen Eindrücke, Visionen und Ziele. Wie fühlt man sich als Polit-Pensionist und was macht man mit der gewonnenen Freizeit? Kaiser: Ich fühle mich seit der ersten Minute meines Polit-Pensionisten-Daseins prächtig. Das hängt mit einer guten Vorbereitung des Landeshauptmann-Wechsels zusammen. Alle Überlegungen sind aufgegangen, das neue Team hat sofort Fuß gefasst. Das erleichtert meinen neuen Zustand. Verspürt man noch das Bedürfnis in die Landesregierung zu eilen, um dort etwas durchzusetzen? Kaiser: Nein – es zieht mich nicht in mein Büro zurück. Ich entdecke gerade meine eigenen vier Wände. Was sagen Sie zum hartnäckigen Gerücht, der Peter Kaiser wird SPBundespräsidentschaftskandidat? Oder genügt es, wie Sie es einmal selbst formuliert haben, dass bereits ein Kaiser in der Wiener Hofburg residiert hat? Kaiser: Das ist ein sehr richtiges Zitat. Wenn man seinen politischen Horizont erreicht hat, soll man sich um andere Dinge kümmern – Freizeit, schöne Künste, Sport und Kultur. Wie macht sich Ihr Nachfolger Daniel Fellner? Kaiser: Er macht seine Sache sehr gut. Ich wäre froh gewesen, wenn ich damals so schnell in dieses verantwortungsvolle Amt gefunden hätte. Nach der nächsten Landtagswahl wäre auch ein VP-Landeshauptmann Gruber mit einem FP-Vize Angerer möglich. Oder eine FP/ SP-Koalition? Kaiser: Ich habe immer gesagt, dass zuerst das Volk entscheiden soll. Dann prüft man, welche Konstellation für eine gute Zusammenarbeit im Land am besten ist. Ich glaube aber, dass die Sozialdemokratie eine gute Chance besitzt, die Nummer eins zu verteidigen. Martin Gruber ist ein guter Koalitionspartner, aber es gibt auch einen sehr deutlichen Abstand zwischen VP und SP. Die SP hat in der Landeshauptstadt den Bürgermeistersitz verloren. Was läuft in Klagenfurt schief? Haben Sie einen geeigneten Kandidaten? Kaiser: Ich habe mich nie auf Namen konzentriert, sondern immer auf Inhalte gepocht. Klagenfurt braucht unbedingt eine umfassende Reform an Haupt und Gliedern. Es wäre an der Zeit, dass sich die Parteien in Klagenfurt überlegen, gemeinsam wichtige Probleme zu lösen, statt sogar gerichtlich aufeinander loszugehen. Schauen wir uns die Bundes-SP an. Fallende Beliebtheitswerte, schlechte Umfragedaten, massive Kritiken an Vizekanzler Babler. Was macht die SP falsch und wofür steht diese einst so stolze Partei überhaupt noch? Kaiser: Gerade die Grundsätze, die die Sozialdemokratie immer vertreten hat, sind eigentlich erfolgreicher als die politische Zustimmung zu dieser Partei. Ich denke, dass wir aus sozialdemokratischer Sicht diese Inhalte weiter vertreten sollen, wir aber auch eine gewisse Modernität in die Diskussion einzubringen haben. Was mich irritiert ist, dass eine eigentlich passable Leistung der SP und der gesamten Bundesregierung durch eine Negativ-Spirale auf alles, was öffentlich, gesellschaftlich und politisch ist, hinuntergezogen wird. Sie waren über 50 Jahre in der Politik tätig, davon 18 Jahre in der Regierung und 13 Jahre Landeshauptmann. Auf was sind Sie besonders © Christian Berger
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