DAS WIEN AKTUELL 12 Österreich erlebt wirtschaftlich keine kurze Delle mehr, sondern eine anhaltende Schwächephase, die längst zu einer politischen Anklage geworden ist. Während andere Länder zumindest wieder zaghaft Tritt fassen, steckt die Republik noch immer in einer Mischung aus Rezession, Investitionsflaute und Kaufkraftverlust. Das WIFO spricht inzwischen vom dritten Rezessionsjahr, die von der Österreichischen Nationalbank erwartete Stabilisierung für 2026 ist ebenso ausgeblieben wie ein prognostiziertes spürbareres Wachstum. Mit anderen Worten: Für Betriebe, Arbeitnehmer und Familien ist die Krise nicht vorbei, sie wird nur verwaltet. Besonders bitter ist dabei, dass Österreichs Probleme nicht nur von außen kommen. Gewiss belasten die schwache Weltkonjunktur, hohe Energiepreise und geopolitische Spannungen die exportorientierte Wirtschaft. Doch die hausgemachten Faktoren wiegen schwer. Hohe Abgaben, ausufernde Bürokratie, schleppende Genehmigungen, Unsicherheit bei Investitionen und ein Staat, der in den vergangenen Jahren vor allem mit Ankündigungen statt mit Strukturreformen aufgefallen ist. Wenn das WIFO bestenfalls Stagnation beziehungsweise nur minimale Veränderung erwartet und erst 2026 ein zartes Wachstum sieht, dann ist das kein Zeichen solider Regierungsarbeit, sondern Ausdruck eines Landes, das unter seinen Möglichkeiten bleibt. Politik-Versagen Für die Bevölkerung fühlt sich diese Lage deshalb so bedrückend an, weil die Statistiken den Alltag bestätigen. Die Inflation ist zwar weit von den Höchstständen der Jahre 2022 und 2023 entfernt, aber sie bleibt spürbar. Der Preisauftrieb hat sogar zuletzt wieder angezogen. Für viele Haushalte bedeutet das: Die große Preisexplosion ist vorbei, die teure Normalität aber geblieben. Wohnen, Lebensmittel, Energie und Dienstleistungen haben sich auf hohem Niveau festgesetzt, während Löhne und Pensionen den Verlust der vergangenen Jahre nur teilweise ausgleichen. Der Konsum erholt sich deshalb nur zögerlich. Noch deutlicher zeigt sich das Versagen der Politik in der Industrie und am Bau. Gerade diese Sektoren müssten in einer exportstarken Volkswirtschaft wie Österreich zu den Stützen des Aufschwungs gehören. Stattdessen meldet Statistik Austria weiterhin schwache Produktionsdaten, während WIFO und OeNB seit Monaten auf eine anhaltende Industrierezession verweisen. Zwar gibt es vereinzelt positive Signale, doch von echter Dynamik kann keine Rede sein. Vor allem im Bauwesen wirken die hohen Finanzierungskosten der vergangenen Jahre, die Verunsicherung am Immobilienmarkt und fehlende Impulse nach. Die Regierung hat es nicht geschafft, rechtzeitig gegenzusteuern und Investitionen so zu entlasten, dass ein echter Neustart möglich geworden wäre. Stabiler Arbeitsmarkt Am Arbeitsmarkt ist die Lage stabiler, als man es angesichts der schwachen Konjunktur erwarten könnte, aber auch hier bröckelt die Fassade. Derzeit stiegt die Arbeitslosigkeit wieder. Das heißt im Klartext: Österreich zahlt die wirtschaftliche Stagnation schleichend mit weniger Dynamik bei Beschäftigung, mehr Druck auf Arbeitslose und steigender Unsicherheit in den Betrieben. Noch ist kein massiver Einbruch zu sehen, aber genau das macht die Lage politisch so trügerisch. Die Regierung kann sich darauf ausruhen, dass der Arbeitsmarkt noch nicht ganz kollabiert ist, obwohl die wirtschaftliche Substanz bereits erodiert. Hinzu kommt die prekäre Budgetlage. Die Europäische Kommission erwartet für Österreich weiter steigende Schuldenquoten und verweist auf anhaltende Defizite. Damit wird sichtbar, wie unerquicklich die Bilanz der vergangenen Jahre ist: Der Staat gibt viel Geld aus, aber die Wirkung auf Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Entlastung bleibt begrenzt. Es ist die teuerste Form politischen Stillstands. Die Bürger zahlen hohe Steuern und Abgaben, die Unternehmen kämpfen mit Kosten und Vorschriften, und trotzdem wächst weder das Vertrauen in den Standort noch die finanzielle Bewegungsfreiheit des Staates. Eine Regierung, die gleichzeitig keine nachhaltige Entlastung schafft und keine harte Prioritätensetzung im Budget durchsetzt, produziert genau jene Mischung aus Schwäche und Schulden, unter der Österreich nun leidet. Strukturprobleme Der Ausblick ist daher zweigeteilt. Es gibt durchaus Gründe, auf eine moderate Erholung zu hoffen. Sinkende Zinsen könnten dem Bau helfen, die Reallöhne dürften den Konsum stützen und mit einer etwas besseren europäischen Nachfrage könnte auch die Industrie langsam wieder Tritt fassen. WIFO und OeNB sehen für 2026 gerade noch ein Wachstumsszenario. Aber diese Erholung wird nur dann mehr sein als ein statistisches Aufatmen, wenn Österreich seine strukturellen Bremsen löst. Ohne echten Bürokratieabbau, ohne Entlastung von Leistungsträgern, ohne verlässliche Standortpolitik und ohne konsequente Prioritäten im Budget bleibt das Land im internationalen Vergleich zurück. Politische Führungsschwäche Die eigentliche Botschaft lautet deshalb: Österreich ist nicht arm an Potenzial, sondern arm an politischer Konsequenz. Das Land verfügt über qualifizierte Arbeitskräfte, starke mittelständische Betriebe, industrielle Kernkompetenz und eine zentrale Lage in Europa. Was fehlt, ist eine Bundesregierung, die aus diesen Voraussetzungen wieder eine Wachstumsstrategie macht. Solange die Politik Krisen nur moderiert, statt Fehlentwicklungen zu korrigieren, wird Österreich weiter unter seinem Wert geschlagen. Die wirtschaftliche Lage ist damit nicht bloß eine Konjunkturfrage. Sie ist ein Zeugnis politischer Führungsschwäche. H. K. Österreichs Wirtschaft windet sich nur schwer aus Stagnationsphase Große Unternehmen können die Lage meistern. Klein- und Mittelbetriebe leiden unter wenig Wachstum und beklagen fehlende Akzente der Politik.
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