DAS WIEN AKTUELL 25 Eben noch winterlich kalt und tief verschneit, plötzlich fliegen die Pollen. Mit der schlagartig einsetzenden Blüte von Hasel und Erle hatte die Pollensaison heuer zwar später, aber überraschend intensiv begonnen. Das bereitete vielen Allergikern Probleme – sie spüren ihre Beschwerden durch den abrupten Start besonders stark. „Die Belastungen durch die Frühblüher werden in den Niederungen und Tallagen vermutlich noch bis Ende März anhalten, aber bereits in der kommenden Woche deutlich an Intensität verlieren“, informiert Lukas Dirr, MSc, Aerobiologe beim Österreichischen Polleninformationsdienst (ÖPID). Am Start: Palmkätzchen, Esche und Birke Derzeit blühen auch die flauschigen Kätzchen der Sal-Weide – im Volksmund als Palmkätzchen bekannt. Auch ihr Pollen ist als mäßig allergen eingestuft. Allergikern ist es empfohlen, sich die Zweige dieses vorösterlichen Frühlingsboten nicht zu dekorativen Zwecken in das Wohnzimmer zu stellen. Zudem sind Weiden im frühen Frühling die erste wertvolle Nahrungsquelle für Wild- und Honigbienen. Sensibilisierte Personen können außerdem auf Pollen verwandter Arten reagieren, etwa auf Pappeln, und Effekte mit zeitgleich fliegenden Frühblühern (Hasel, Erle) können sich verstärken. Mit der Blüte der Esche folgt zwischen Mitte und Ende März die nächste Belastungswelle und auch die Birkenblüte beginnt voraussichtlich in der zweiten Märzhälfte. Es deutet vieles auf eine starke Saison hin. „Da auf ein schwächeres Birkenjahr meist ein stärkeres folgt und 2025 unterdurchschnittlich verlief, ist heuer mit einer deutlich höheren Pollenproduktion zu rechnen“, so Dirr. Aber Achtung: Viel Pollen heißt nicht immer starke Beschwerden. Entscheidend ist auch der Verlauf der Saison. Steigt die Belastung langsam an, kann sich der Körper besser anpassen. Ein abruptes Einsetzen und starke Temperaturschwankungen während der Saison hingegen werden häufig als besonders belastend wahrgenommen. Zusätzlich können Luftschadstoffe die Allergenität der Pollen erhöhen und Symptome verstärken. Dies zeigt sich aktuell beim Saharastaub, der als Feinstaub die Schleimhäute in Nase, Rachen und Augen reizt und die „Tür“ für intensivere allergische Reaktionen weiter öffnet. Die Gräserblüte beginnt in der Regel Anfang Mai. Im Spätsommer kann zusätzlich die Schilfblüte rund um den Neusiedler See und in Seenregionen Kärntens zu Belastungen führen. Beifuß erreicht meist Mitte August seinen Höhepunkt. Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) sorgte in den letzten Jahren im Spätherbst und das Unkraut Ragweed von August bis in den Oktober hinein für Belastungen. Ein Ausblick auf die Intensität dieser Pollensaisonen ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Dirr: „Durch klimatische Veränderungen verschieben sich die Blühzeiten vieler allergieauslösender Pflanzen: Sie beginnen früher, dauern länger und fallen teilweise intensiver aus. Die pollenfreie Zeit schrumpft dadurch zunehmend und umfasst oft nur noch wenige Wochen im Jahr.“ Frag Pollee, die KI-Assistentin für Allergiker Um Menschen mit Pollenallergie noch gezielter und rund um die Uhr zu unterstützen, wurde die digitale Assistentin „Pollee“ entwickelt. Nach einer erfolgreichen Pilotphase läuft der KI-gestützte Chatbot nun im Vollbetrieb auf dem internen ÖPID-Server. Ein Pluspunkt nicht nur in puncto Datensicherheit, sondern auch aus ökologischer Sicht. Das Besondere: Der Chatbot greift ausschließlich auf geprüfte Quellen im lokalen Netzwerk zurück. Dadurch sind die Antworten fachlich korrekt, qualitätsgesichert und auf die Situation in Österreich abgestimmt. Im Februar konnten bereits mehr als 3.000 Interaktionen verzeichnet werden. Allergischer Schnupfen ist kein „Bagatellleiden“ Pollen sind die häufigsten Auslöser von allergischen Erkrankungen. Dennoch werden diese Atemwegsallergien häufig unterschätzt. Viele Betroffene betrachten sie als lästig, aber harmlos – und verzichten auf eine ärztliche Abklärung. Trotz wirksamer Medikamente und der Möglichkeit einer allergenspezifischen Immuntherapie (AIT), mit der nicht allein die Symptome, sondern auch die Ursache einer allergischen Erkrankung behandelt werden kann, bleiben 9 von 10 Allergikern unzureichend versorgt. Viele setzen stattdessen auf Selbstmedikation. Erst wenn die Beschwerden unerträglich werden, suchen die meisten erstmals einen Arzt auf. So kommt es, dass es von den ersten Symptomen bis zum Beginn einer gezielten Therapie bis zu 15 Jahre dauert. „Eine verhängnisvolle Sorglosigkeit“, warnt Priv.-Doz. Dr. Petra Zieglmayer, Allergologin und Fachärztin für HNO-Heilkunde. Das Pollenjahr 2026 startete abrupt, bleibt voraussichtlich pollenreich Pollenallergiker wurden von der abrupt einsetzenden Pflanzenblüte kalt erwischt. Sie berichten von besonders ausgeprägten Beschwerden. Birkenkätzchen © ÖPID, Johannes M. Bouchal
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