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DAS WIEN AKTUELL 20 Es ist ein Problem, das besonders in den letzten Monaten massiv zugenommen hat: Überall auf Wiens Radwegen sind mittlerweile sogenannte kennzeichenlose E-Mopeds unterwegs – voll motorisierte Fahrzeuge, sperrig, schwer und oft viel zu schnell. „Jeder Radfahrer kennt das unangenehme Gefühl, von so einem massiven Fahrzeug in oft atemberaubender Geschwindigkeit überholt zu werden. Auf Radwegen gilt jedoch ein besonderer Vertrauensgrundsatz: Ich muss mich als Radfahrer darauf verlassen können, am Radweg sicher unterwegs zu sein. Dafür bauen wir die Radinfrastruktur im Rahmen unserer großen Radwegoffensive laufend aus. Sie soll vor allem das Radfahren in Wien sicher und komfortabel machen. Daneben soll sie durchaus auch EMotor-unterstützter Mobilität wie Pedelecs – auch E-Bikes genannt – zur Verfügung stehen. Was aber nicht sein kann und die Verkehrssicherheit massiv gefährdet, ist, dass nun immer schnellere und auch schwerere vollmotorisierte Elektrofahrzeuge auf die neue Infrastruktur drängen. Hier muss dringend etwas passieren – EMopeds sollten nicht am Radweg fahren dürfen!“, so Mobilitätsstadträtin Ulli Sima. Was sich auf Wiens Radwegen tummelt und sich ändern muss Das Problem: Kennzeichenlose E-Mopeds vor allem der Essenszusteller, aber auch E-Scooter (elektr. Tret-Roller) und andere elektrobetriebene Fahrzeuge wie etwa die unterschiedlichsten Cargo-Gefährte von diversen Unternehmen gelten in Österreich rechtlich (in StVO, KFG, Fahrradverordnung) als „Fahrrad“. Sie sind damit klassischen Fahrrädern und Pedelecs (landläufig als E-Bikes bezeichnete Elektro-Fahrräder mit Trittunterstützung) gleichgestellt, dürfen auf den Radwegen fahren und sogar in freigegebenen Fußgängerzonen unterwegs sein. Hier braucht es laut Sima dringend eine bessere rechtliche Differenzierung und entsprechende Regelungen. „Verkehrsministerin Gewessler ist gefordert, klare gesetzliche Regeln auf Bundesebene zu schaffen, um die Verkehrssicherheit auf den Radwegen zu gewährleisten. Wir brauchen eine rechtliche Differenzierung nach deutschem Vorbild, was die Fahrzeuggattungen betrifft, mit einem Radwegbenützungsverbot für Kraftfahrzeuge wie E-Mopeds“, so Sima. „Es braucht außerdem deutliche Beschränkungen für E-Fahrzeuge, was Gewicht und Bauartgeschwindigkeit betrifft. Denn Gewicht und Geschwindigkeit haben massiven Einfluss auf die potentielle Unfallschwere – ein Zusammenstoß mit einem Gefährt, das leer bereits rund 70 kg wiegt, kann schnell tödlich enden. Dazu braucht es außerdem klare Mess-Standards und verbesserte Messmethoden, damit Polizei und Behörden Motorleistung und Bauartgeschwindigkeit auch kontrollieren zu können“, fasst Sima ihre Forderungen zusammen. Zu schnell, zu schwer, zu gefährlich am Radweg Verkehrsplaner Harald Frey vom Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien, der eine erste Untersuchung zu Geschwindigkeit, Verkehrssicherheit und technischen Besonderheiten verschiedener Fahrzeuggattungen durchgeführt hat, bestätigt: „Der Nutzungsdruck am Radweg steigt. In den letzten Jahren gab es einen massiven Anstieg an voll motorisierten Fahrzeugen wie E-Mopeds. Auch der Grad der Motorisierung und das Gewicht dieser Gefährte hat massiv zugenommen.“ So haben in den letzten Monaten insbesondere kennzeichenlose E-Mopeds etwa von Essenszustellern auf die Radwege gedrängt. „Gerade E-Mopeds beeinträchtigen jedoch vor allem aufgrund ihres Gewichts bzw. ihrer Fahrdynamik das subjektive wie objektive Sicherheitsgefühl am Radweg massiv“, so Frey. Ein durchschnittliches, kennzeichenloses E-Moped bringt 70 bis 80 kg Leergewicht auf die Waage, dazu kommt das Gewicht des Fahrers und evt. zusätzliche Ladung. Zum Vergleich: Ein klassisches Mofa mit Verbrennungsmotor wiegt nur 46 kg. „Unfälle werden dadurch gefährlicher“, so Frey. Verkehrsplaner Harald Frey vom Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien und Mobilitätsstadträtin Ulli Sima fordern Verbot vom E-Mopeds und Co. auf Radwegen © Stadt Wien/Fürthner E-Mopeds müssen vom Radweg! Stadt Wien fordert klare Regelungen TU-Verkehrsplaner-Vorschläge für neue rechtliche Regulierungen nach deutschem Modell, Anpassung an technische Entwicklung erarbeitet.

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