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DAS WIEN AKTUELL 8 Der öffentlich-rechtliche ORF hatte immer schon den Nimbus, eine Schlangengrube zu sein. Und tatsächlich sind Intrigen, Machtspielchen und Nepotismus an der Tagesordnung. Kein Wunder, bewegen sich doch die Gagen, die der staatliche Rundfunk seinen Mitarbeitern zahlt, jenseits von Gut und Böse. Da ist es verständlich, dass sich viele darum reißen, dort zu arbeiten ... Doch einen Job beim ORF zu bekommen, ist alles andere als einfach. Da muss man schon einen politischen Anschieber haben oder jemanden kennen, der bereits dort arbeitet. Noch besser ist es mit jemandem verwandt zu sein, der dort arbeitet. Dem aufmerksamen ORF-Konsumenten wird nicht entgangen sein, dass sich im Laufe der Zeit eigene Familienclans am Küniglberg etablieren können. Familien-Clans Dazu gibt es zahlreiche Beispiele. Eines davon ist etwa der Resetarits-Clan. Angefangen bei Lukas Resetarits, der bereits in den 80er-Jahren die Hauptrolle in der ORF-Produktion „Kottan ermittelt“ spielen durfte und danach immer wieder mit seinen Kabarettprogrammen im Fernsehen präsent war, über seinen Bruder Peter Resetarits, der den „Bürgeranwalt“ und „Schauplatz Gericht“ moderiert, inklusive seiner Ex-Frau Karin Resetarits, die ebenfalls für den ORF tätig war, bis hin zum verstorbenen Resetarits-Bruder Willi, der als Ostbahn-Kurti immer wieder vom ORF hofiert wurde. Ein weiteres Beispiel ist die Familie Manola, die sich mit Franz, Josef und Doris ebenfalls gut bezahlt im ORF breit gemacht hat. Aber es gibt auch Seilschaften, die sich gegenseitig stützen und zu einem internen Machtinstrument am Küniglberg geworden sind. Bestes Beispiel dafür ist die mächtige Gruppe um Armin Wolf, die intern als „Apfelsaft“-Bande bezeichnet wird. Ihr gehören neben dem stellvertretenden Chefredakteur der ORF-Fernsehinformation und ZiB 2-Anchor Wolf noch der Vorsitzende des Redakteursrates und damit der oberste Journalisten-Vertreter im ORF, Dieter Bornemann an. Weiters mit dabei sind der ehemalige Chefredakteur des ORF-Fernsehens Fritz Dittlbacher und der Ö1-Radiojournalist Stefan Kappacher. Wer dieser Gruppe nicht zu Gesicht steht, hat es nicht leicht im Intrigantenstadl ORF. Das musste unlängst auch der langjährige Publikumsliebling Hans Bürger erfahren, der von heute auf morgen seinen Posten als Ressortleiter der Innenpolitik an Klaus Webhofer abgeben musste und von der ZiB abgezogen wurde. Sein „Vergehen“ – Objektivität. Dafür war Hans Bürger bekannt und von allen Seiten geachtet und geschätzt. Anders als viele seiner Kollegen ist Bürger politisch nicht zuordenbar und behandelt die Vertreter aller Parteien gleich kritisch. Der Paradejournalist eines öffentlich-rechtlichen Senders! Doch offenbar hat diese Objektivität im Superwahljahr 2024 nicht allen gepasst. Die Seher rebellieren. Sie fordern jetzt nämlich eine Rückkehr der ORF-Legende in die „Zeit im Bild“ und haben daher bereits eine Petition gestartet, die über https://mein.aufstehn.at unterzeichnet werden kann. Und diese Petition dürfte bereits Wirkung zeigen, denn Hans Bürger wurde überraschend als Moderator der Pressestunde mit SPÖ-Chef Andreas Babler eingeteilt. Ein Zeichen dafür, dass man am Küniglberg nervös ist. Und das liegt nicht nur an der Petition für Hans Bürger, sondern in erster Linie an der Offenlegungspflicht für Spitzenverdiener der öffentlichrechtlichen Anstalt. So sieht das neue ORF-Gesetz vor, dass Jahreseinkommen über 170.000 Euro bis spätestens April veröffentlicht werden müssen. Erfreuliche Gehälter Im Vorfeld hat der Rechnungshof die durchschnittlichen Einkommen im ORF geprüft. So verdienten die knapp 3.000 ORF-Mitarbeiter im Schnitt 91.400 Euro im Jahr 2022. Heißt konkret: Ein durchschnittlicher ORF-Angestellter durfte sich über 6.528 Euro brutto 14 Mal jährlich auf seinem Konto freuen. In der Führungsetage sieht das Ganze noch erfreulicher für die ORF-Bosse aus. Die 14 Mitarbeiter im Top-Management erhalten im Schnitt 21.018 Euro brutto im Monat. ORF-Intendant Roland Weißmann hatte sein Salär schon selbst öffentlich gemacht: Sein Gehalt beträgt 380.000 Euro jährlich, macht rund 27.000 Euro Monats-Brutto aus – mehr als der Bundeskanzler. Absoluter Spitzenverdiener soll aber ORF-Manager Pius Strobl sein, der 450.000 Euro verdienen soll. Überraschende Gagenhierarchie Überraschender Zweiter im Gagen-Eldorado soll der legendäre Ö3-Wecker-Moderator Robert Kratky sein. Der Radio-Star bezieht eine Jahresgage von knapp 400.000 Euro. Auf Platz drei – aber de facto gleichauf mit Kratky – kommt ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Er kann sich über ein Jahreseinkommen von knapp unter 400.000 Euro im Jahr freuen. Nicht, oder besser gesagt, noch nicht erfasst sind die Gagen der sogenannten „weißen Elefanten“. So bezeichnet man ehemalige Top-Mitarbeiter, die aus welchen Gründen auch immer, aufs interne Abstellgleis gelangt sind. Sie laufen mehr oder weniger funktionslos, aber weiterhin gut bezahlt, am Küniglberg durch die Gegend. Freundlich betrachtet ist diese Methode unliebsame Mitarbeiter zu entsorgen zwar sozial, aber in Wahrheit dem Zwangsgebührenzahler nicht zuzumuten. H. K. ORF Gagenparadies für zahlreiche ORF-Bosse und weitere Angestellte Das Thema ORF-Zwangsgebührenbeglückung polarsiert Gesellschaft. Der aktuelle Einkommensbericht zeigt die tatsächlichen Gehälter.

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