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DAS WIEN AKTUELL 4 Die Inflation liegt mit derzeit 9,3% auf dem höchsten Wert seit Februar 1975. Sind mit Beginn des Ukrainekrieges lediglich die Energiekosten gestiegen, betrifft die Teuerung mittlerweile alle Bereiche. So sind die Preise für zahlreiche Lebensmittel gegenüber demVorjahr zweistellig gestiegen. Und da sprechen wir nicht über Luxusprodukte, sondern solche des täglichen Bedarfs. So wurde etwa Weizenmehl um36,5% teurer, Butter um 35,2% und Pflanzenöl um 28%. Für den wöchentlichen Einkauf zahlen wir laut Statistik Austria fast ein Fünftel mehr als im Juli des Vorjahrs. Hatten die Österreicher zu Beginn des Krieges noch Verständnis, dass der Sprit aufgrund der Lieferengpässe und der EU-Sanktionen gegen Russland empfindlich gestiegen ist, so hat sich die Stimmung bereits gedreht. Der Grund: Das Leben in Österreich wird von Monat zu Monat teurer. Und zwar in Bereichen, die absolut nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun haben. Unlogischer Mechanismus So haben die steigenden Mieten genauso wenig mit dem Krieg zu tun wie die um 20 Prozent gestiegen Preise für Eier, oder die um 20 Prozent gestiegenen Preise für Kaffee. Weder bezieht Österreich seine Hühnereier aus der Ukraine, noch gibt es Kaffeeplantagen dort. Auch die Gebührenerhöhungen in einigen Ländern und Gemeinden können nur schwer auf den bösen, bösen Wladimir Putin zurückgeführt werden. Zusätzlich erstaunt es einigermaßen, dass Energieunternehmen wie etwa die EVN, die Gewinne im dreistelligen Euro-Millionenbereich machen, plötzlich ihre Preise kräftig nach oben schnalzen. Noch dazu, wo diese Unternehmen mehrheitlich im Länder- oder Staatseigentum stehen. War doch das Argument der Verstaatlichung stets jenes, die Preisgestaltung nicht gewinnorientierten Konzernen zu überlassen. Diesen gemeinnützigen Gedanken dürften die regierenden Politiker aller Couleurs vergessen haben. Schwarz und Grün wollen die Österreicher sogar noch mit einer zusätzlichen CO2-Steuer belasten. Kraftakt gegen Teuerung Und das obwohl viele Österreicher die Preissteigerungen bereits unmittelbar im Geldbörsel stark spüren. Bereits drei Viertel kaufen aufgrund der Inflation verstärkt günstige Lebensmittel, wie eine Umfrage des Handelsverbands gezeigt hat. Viele Menschen stemmen sich mit aller Kraft gegen die Teuerung und versuchen, die dramatisch steigenden Lebenshaltungskosten zu decken. Das zeigt sich bereits bei der Schuldnerberatung. So ist die Zahl der Erstkontakte, also die Zahl jener Menschen, die sich zum ersten Mal an eine Schuldenberatung wenden, drastisch gestiegen. Auch die Privatkonkurse sind imVergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel (34,2 %) gestiegen. „Problematisch ist auch, dass sich manche selbst den Privatkonkurs nicht mehr leisten können, denn dafür ist es notwendig, dass alle Ausgaben mit den Einnahmen gedeckt werden können und keine neuen Schulden gemacht werden“, sagt Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatungen GmbH, Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen in Österreich. Zweifel an Sanktionen Da wundert es auch nicht weiter, dass es der Bevölkerung mit den Sanktionen gegen Russland reicht. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) spricht sich im aktuellen APA/ATV- „Österreich Trend“ von Peter Hajek dafür aus, die Sanktionen ganz zurückzunehmen, zwölf Prozent wären für eine Lockerung. 42 Prozent glauben nicht, dass die Sanktionen gegen Russland Wirkung zeigen, und zwar „weder jetzt noch in der Zukunft“. Die meisten der Befragten (46 Prozent) glauben, dass die Sanktionen mehr der EU schaden. Es könnte natürlich auch sein, dass die gesamte Teuerung absolut nichts mit den Sanktionen zu tun hat und einzig und alleine als Argument für die unverschämte Abzocke vorgeschoben wird. Aber das ist eine andere Geschichte. Ukraine-Krieg führt zur großen Abzocke Preissteigerungs-Mechanismus erfasst „grundlos“ den gesamten Handel inklusiveWirtschaftsketten. Schon jetzt wird kräftig spekuliert, dass sich eventuell beim G20-Gipfel in Bali im November der russische Präsident Putin und der ukrainische Präsident Selenskyj über den Weg laufen könnten. Auch die Anreise von Chinas Staatschef Xi dazu nimmt Dynamik auf. Diese Meldung kommt von der Nachrichtenagentur Bloomberg: Indonesiens Präsident Widodo sagte, dass Chinas Xi kommen wird. Aber auch „KremlChef Putin hat zu mir gesagt, dass er kommen wird“. Widodo selbst hatte Putin eingeladen, allerdings steht ein offizielles Statement in dieser Sache vom Kreml noch aus. ImWesten freilich ist man darüber besorgt und angespannt, dass sich die beiden höchsten Staatschefs der kriegsführenden Staaten Russland und Ukraine dabei begegnen müssen. Die Bloomberg Television ist eine internationale US-Nachrichtensendergruppe mit dem Fokus auf Wirtschaft und Finanz. Der Empfang ist über Kabel, Satellit, aber auch Internet möglich. Die Rückkehr von Chef Bloomberg (72) ins Unternehmen, Multimilliardär und zwölf Jahre Bürgermeister von New York, gilt als sicher. Teilnahme Putins an G20-Gipfel? © Kremlin.ru (https://commons.wikimedia.org/ wiki/File:Владимир_Путин_(18-06-2022).jpg), https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ legalcode

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