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DAS WIEN AKTUELL 18 Eigentlich war der Bundespräsidentschaftswahlkampf für Van der Bellen schon eine klare Sache. Zwar treten viele Kandidaten umdas Amt an, doch ein wirklich ernstzunehmender Gegner war für den amtierenden Präsidenten nicht in Sicht. Das ändert sich nun mit der Kandidatur von Anwalt und Krone-Kolumnist Tassilo Wallentin. In nur drei Tagen konnte der Jurist über 10.000 Unterstützungserklärungen lukrieren. Wir baten Tassilo Wallentin zum Gespräch. Herr Wallentin, Sie haben in Rekordzeit, innerhalb von drei Tagen die nötigen Unterstützungserklärungen gesammelt. Was sagen Sie dazu? Es war sensationell! Es geht bei mir in der Kanzlei zu wie in einem Taubenschlag. Zahllose Unterstützer bringen ihre Unterstützungserklärungen persönlich und wünschen mir Glück. Haben Sie mit so viel Zustimmung und Begeisterung gerechnet? Ich wusste, dass der Wille zur Veränderung groß ist, weil viele sehen, dass es so nicht weitergehen kann. Trotzdem hatte ich nicht mit so einer enormen Welle gerechnet. Sie macht mich dankbar und demütig, denn der Auftrag, die Dinge im Sinne der Menschen zum Besseren zu verändern, ist ja keine Kleinigkeit. Herr Wallentin, war es eine gute Entscheidung, statt für die FPÖ als unabhängiger Kandidat anzutreten und sich damit nicht in eine Ecke drängen zu lassen? Das war keine Taktik, sondern es war bei den Gesprächen mit der FPÖ atmosphärisch und inhaltlich so, dass ich wusste, es würde nicht funktionieren. Die aktuellen Selbstzerfleischungsprozesse in der FPÖ bestätigen mich in meiner Entscheidung. Was werden die Schwerpunkte in IhremWahlkampf sein? Ich werde den Unterschied zwischen einem aktiven und einem passiven Bundespräsidenten zeigen, denn die Verfassung sieht aus meiner Sicht einen aktiven vor. Das wurde in der Zweiten Republik großteils nicht so gelebt und jetzt schon gar nicht mehr. Gerade Probleme wie Inflation, Gaskrise, Neutralität und Asylchaos bedürfen eines starken, unabhängigen Präsidenten, denn hier gibt es, ideologiefrei betrachtet, ganz praktikable Lösungen. Wie beurteilen Sie Alexander Van der Bellens Amtsverständnis? Man rechnet ihm an, dass er so viele Minister angelobt hat, ich kann darin allerdings nichts Großartiges sehen. Da wurden Personen, die für ihre Funktionen offenbar ungeeignet waren, durch andere ersetzt, die auch nicht mehr zusammengebracht haben. Eigentlich hätte ich mir von einem Präsidenten Klartext erwartet. Er hätte Minister verlangen müssen, die tatsächlich die Probleme des Landes in den Griff bekommen können. Sein falsches Amtsverständnis zeigte sich auch bei seiner Rede in Bregenz, als er meinte, die Regierung solle machen, wofür sie gewählt sei, nämlich arbeiten. Mit Verlaub: Die Regierung wurde nicht gewählt, die hat er ernannt. Wenn Van der Bellen der Meinung ist, die Regierung soll arbeiten, dannmuss er es nachdrücklich von ihr fordern. Er kann nicht so tun, als wäre er auch nur ein Bürger, der ohnmächtig den Umständen ausgeliefert ist. Sie haben bei einem Interview gesagt, Sie würden eine Regierung entlassen, wenn sie ihrem Auftrag und ihren Aufgaben als Vertreter der Bevölkerung nicht nachkommt. Stehen Sie nach wie vor dazu? Diese Möglichkeit sieht unsere Verfassung vor und die Verfassungsväter hatten gute Gründe dafür. Wir steuern gerade jetzt auf etwas zu, das eine Anwendung dieser Notbremse erforderlich machen könnte. Das ist etwas, das ich als Präsident nicht gerne tun würde, aber wenn die Regierung sich nicht mehr handlungsfähig zeigt, wenn wir kriegswirtschaftliche Zustände haben, so wie sie das Wirtschaftsforschungsinstitut prognostiziert hat, kann ein Präsident nicht einfach zusehen. Ich würde aber zunächst das Gespräch mit dem Kanzler suchen und ihn ersuchen, innerhalb einer Frist ein glaubhaftes Konzept vorzulegen, wie wir wieder zu dem gesunden starken Land werden, das wir einmal waren. Sind unsere aktuellen Probleme mit den explodierenden Preisen nicht hausgemacht? Können wir die Schuld daran wirklich nur Putin geben? Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Natürlich sind die Gründe viel komplexer, und unsere Regierung trägt hier Verantwortung. Sie lebt in einer Blase und hat etwa dafür gesorgt, dass wir uns auf europäischer Ebene immer als Musterknabe verhalten. Die Gefahr, dabei überrollt zu werden, hat sie übersehen. Gleichzeitig hat die EU den Euro in einer Art Dauerrettungsmodus für südeuropäische Länder als Umverteilungsmaschine benutzt. Würden Sie der Regierung Vorschläge machen, wie es besser geht, oder erwarten Sie solche Vorschläge von den Parteien? Das Ganze wäre ein dynamischer Prozess. Selbstverständlich würde ich mich einbringen. Wie gesagt: Diese Probleme sind kein Schicksal, sie sind lösbar und das ist nicht einmal besonders schwer. Wie wird Ihr Wahlkampf ungefähr ablaufen? Haben Sie schon einen Plan? Ich sehe es olympisch. Ich achte gar nicht darauf, wer noch am Start steht. Ich denke, die Kraft unserer Ideen ist so stark, dass wir weder Millionen noch SpinDoktoren brauchen, um es in die Stichwahl gegen Van der Bellen zu schaffen. Wallentin for Präsident – Chancen auf Stichwahl steigen Foto beigestellt

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