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DAS WIEN GARTEN-TIPP 18 So geht das richtige Überwintern – imGlashaus, Wintergarten, Keller oder Treppenhaus S eit Jahrhunderten ist es das Ziel der Gärtnerinnen und Gärtner dem Wetter ein Schnippchen zu schlagen und Pflanzen zu kultivie- ren, die normalerweise bei uns nicht wachsen würden. „Kübelpflanzen“ nennen das die Gärtner und wis- sen, dass irgendwann der Moment kommt, dass man sie vor zu viel Kälte schützen muss. Hier sind die wichtigsten Tipps, wo welche Pflan- zen am besten überwintert werden können. Das Glashaus Das Gewächshaus ist sicherlich seit Jahrhunderten der Traum der Gärt- ner. Mit mehr oder weniger großem Aufwand kann man dort die Bedin- gungen schaffen, die die Pflanzen benötigen. Im beheizten Gewächs- haus (10-20 Grad) lassen sich alle tropischen Pflanzen, wie Orchideen, tropische Grünpflanzen (Kaffee, Kakao oder Vanille) oder tropische Citrus überwintern. Freilich ist das extrem teuer und wohl nur für Botanische Freaks interessant. Das frostfreie Gewächshaus dagegen ist schon eher für Hobbygärtner ideal. Hier lassen sich im Prinzip alle Kübelpflanzen überwintern. Ideal für Kamelien, Oleander, Hanfpalme, Olive, Lorbeer. Hält man es etwas wärmer (um die 7 Grad), dann kön- nen hier auch perfekt alle Zitronen, Mandarinen und Orangen auf- gestellt werden. Wichtig bei allen Pflanzen: ganz wenig Gießen. Der Wintergarten Hier beginnt bereits die Problema- tik, denn das grüne Wohnzimmer ist wohl auch gedacht im Winter ein wenig Sonne zu tanken. Und dann wird es da schon zu warm für die meisten Kübelpflanzen. Oleander, Olive oder Kamelien beginnen bei Temperaturen jenseits von 15 Grad zu leiden. Werfen Blätter oder Knospen ab und sind dann oft ein Magnet für Schädlinge. Wenn Win- tergarten, dann als wirklich kühlen Ort wählen, der, wann immer die Sonne die Luft zu stark erwärmt, ge- lüftet werden sollte. Der eine oder andere Kaffee bei angenehmen Zimmertemperaturen sollte aber möglich sein. Auch hier gilt: wenig gießen, aber sicherlich mehr, wie im ungeheizten Gewächshaus oder Keller. Der Keller Das wohl häufigste Überwinte- rungsquartier für die Hobbygärtner. Das Problem dabei ist meist: es ist in neugebauten Häusern zu warm und zu dunkel. Daher lüften, damit die Temperatur unter 8 bis 10 Grad bleibt und alle wintergrünen Pflan- zen, wie Oleander, Olive oder auch die Citrus unbedingt mit einem Kunstlicht etwa 6 bis 8 Stunden am Tag beleuchten. Ist es kühler und gießt man wirklich ganz dosiert, geht es auch ohne extra Licht. Neue LED-Beleuchtungen mit speziell abgestimmter Lichtfarbe sind ener- giesparende Möglichkeiten diese Räume optimal zu nutzen. Kübel- pflanzen, die das Laub verlieren, wie der Granatapfel, die schmalblättrige Schmucklilie oder Fuchsien sind hier gut aufgehoben. Das Treppenhaus Ist es wirklich ungeheizt und hat es nicht mehr als 10-12 Grad, dann fühlen sich viele Pflanzen vor einem großen Fenster sehr wohl. Gießen muss man hier nach Bedarf undman sollte die Pflanzen auch immer auf Schädlinge kontrollieren. Balkon- blumen, wie Pelargonien (Geranien) fühlen sich hier besonders wohl. Auch die Dipladenien sind hier gut aufgehoben, wenn sie mit Blättern überwintern. Lässt man sie einzie- hen (wie Dahlien), dann können sie ganz trocken auch imdunklen Keller stehen. Gartenfragen zum Überwintern Soll ich meine Kübelpflanzen jetzt im Herbst zurückschneiden? Ich muss sie alle im Keller überwintern, und vor allem, die Oleander sind enorm gewachsen! Generell gilt, dass der Rückschnitt im Frühjahr besser ist, weil die offe- nen Schnittwunden in einem nicht optimalen Überwinterungsraum eine Eintrittsstelle für Pilzerkrankun- gen sind. Freilich: sind die Pflanzen zu groß, wird man wohl oder übel den einen oder anderen Ast ab- schneiden. Ich überwintere alle meine Cit- rus-Pflanzen in einem Wintergarten. Wir sind aber nicht ganz sicher ob wir düngen sollen? Ist der Wintergarten sehr hell und warm, dann kann es günstig sein, dass Sie alle zwei, drei Wochen ein wenig Dünger geben. Vor allem ab Ende Jänner, wenn die Tage bereits wieder länger werden und mehr Licht zur Verfügung steht. Jedes Jahr ist es bei uns dasselbe: Kaum stehen die Kübelpflanzen im Keller, schwirren hunderte kleine schwarze Mücken im Raum herum. Sind das „Weiße Fliegen“, die im Win- ter mangels Licht „schwarz“ sind? Nein! Das sind die sogenannten Trauermücken. Sie tauchen immer dann auf, wenn die Erde im Topf zu nass ist. Also viel weniger gießen und schon vor dem Einräumen ver- suchen, dass die Töpfe trockener sind. Gartengeschichte: Zeit zum Einräumen und Bilanz ziehen Irgendwie ist es immer ein trauriger Moment, wenn die Balkonblumen abgeschnitten, die Sommerblumen am Kompost landen und die Kübel- pflanzen weggeräumt werden. Ein Gartenjahr geht zu Ende. Da kann man ohne Weiteres auch zurück- blicken. Auf die wohl schönste Ro- senblüte seit Langem, auf endlose Sonnentage und herrliche gemüt- liche Abende im Freien, wie man sie früher nicht so kannte. Freilich alles begleitet vom Mangel an Regen, der stundenlanges Gießen zur Folge hatte. Die Ernte fiel dieses Jahr recht unter- schiedlich aus. Manches Gemüse explodierte regelrecht, andere Pflanzen waren zunächst der Kälte im Mai und der Hitze ab Juli nicht so gewachsen. Von vielen Hobby- gärtnern habe ich gehört, dass sie mit den Zucchini diesmal arge Probleme hatten. Statt der (frucht- bringenden) weiblichen Blüten gab es fast nur die (wasserblühenden) männlichen. Doch die Gärtnerinnen und Gärtner nehmen es gelassen: wenigstens freuten wir uns diesmal auf die Früchte, denn in anderen Jahren wollten wir sie schon fast nicht mehr ernten, so viele waren es. Wirklich enttäuschend war bei vie- len die Kirschenernte. Die Bäume waren durch viele Pilzerkrankungen so geschädigt, da der nasse Mai die- se Probleme extrem zunehmen ließ. So beginnt nun die Zeit zum Pla- nen und Überlegen, wie man das Gartenjahr 2020 angeht. Eines kann schon jetzt gesagt werden. Wir müs- sen den Pflanzen durch Pflege noch mehr helfen, denn der Klimawandel setzt ihnen arg zu. Kompost, Mulch, Schachtelhalmextrakt, Mikroorga- nismen – das alles wird uns helfen auch im kommenden Jahr Spaß am Garteln zu haben. Der Pflanzenflüsterer und "DAS WIEN" Kolumnist Karl Ploberger. © Christoph Böhler

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