Das Wien - E-Book

DAS WIEN AKTUELL 14 Das Wien: Wieso ist diese Re- gierung geplatzt? Wie haben Sie das erlebt? Köstinger: Wir haben uns das ja nicht ausgesucht, diese Neuwahlen waren eine Notwen- digkeit, kein Wunsch. Vergessen wir bitte nicht, was der Auslöser war. Da haben zwei Spitzenpo- litiker der FPÖ in sehr dubioser Atmosphäre die halbe Republik russischen Oligarchen zum Ausverkauf angeboten. Von unser- emWasser angefangen, bishin zur größten Tageszeitung Österreichs, wo man dann Journalisten raus schmeißen und ersetzen wollte. Das ist ja kein Kavaliersdelikt, es war undenkbar, dass wir hier zur Tagesordnung übergehen. Das Wien: Aber beide betroffenen Politiker haben die Konsequenzen gezogen, warum wurde die Re- gierung trotzdem aufgelöst? Köstinger: Es gab keine Alter- native. Die FPÖ hat sich nicht durchringen können, dass auch Herbert Kickl dafür Mitverant- wortung übernehmen muss. Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet jener Mann, der zum Zeitpunkt des Ibiza-Videos FPÖ-Generalsekretär war, dann als Innenminister diese skandalösen Vorgänge aufklären soll. Man hat auch wenige Wochen danach gesehen, dass es da keine Einsicht bei der FPÖ gibt. Gemeinsam mit der SPÖ hat sie die Parteis- penden so geregelt, dass genau jene Umgehungskonstruktionen legalisiert wurden, von denen im Ibiza-Video ständig die Rede war. Das Wien: Was soll denn nach der Wahl am 29. September anders sein als vorher? Köstinger: Jeder Wahlgang ist eine fundamentale Entscheidung. Die Bürgerinnen und Bürger sollen und werden klar sagen, welchen Weg sie unterstützen wollen. Wir wollen in Österreich wieder die klare Nummer 1 werden, damit wir unseren Kurs fortsetzen können. Jeder weiß, jeder spürt, dass die Veränderungen, die wir begonnen haben, dem Land gut tun. Dass der jahrelange Reform- stau aufgebrochen wurde. Diese Arbeit wollen wir fortsetzen. Das Wien: Welche Koalition soll danach das Land führen? Köstinger: Zuerst wird gewählt, dann gibt es ein Ergebnis und dann werden wir sehen, wer mit wem am besten zusammenar- beiten kann. Ich finde das nicht richtig, schon vor einer Wahl über alle möglichen Koalitionen zu spekulieren. Wir bieten den Menschen ein klares Programm an, einen Reformkurs, der Öster- reich nach vorne bringt und über Jahrzehnte eingefahrene Dinge verändern soll. Wer will, dass das mit Hausverstand umgesetzt wird, der ist bei uns gut aufgehoben. Nach der Wahl werden wir sehen, welche Partei diesen Reformkurs mittragen will. Das Wien: Sie sind Nummer 2 auf der Bundesliste hinter Sebastian Kurz … Köstinger: Ja ... und ich bin in Kärnten auch Spitzenkandidatin. Beides ist eine große Verantwor- tung. Aber es geht hier nicht um mich als Person, sondern um ein gesamtes Team, das mit Sebastian Kurz arbeitet. Ob in der Regierung oder im Parlament, das sind alles Menschen, die etwas bewegen wollen und die sich jeden Tag reinknien, um etwas weiter zu bringen. Das Wien: Was sind Ihre wichtig- sten inhaltlichen Anliegen? Köstinger: Natürlich ist der Klimaschutz das größte Thema unserer Zeit. Hier braucht es alle Anstrengungen, damit wir unsere Ziele erreichen. Es ist ganz klar, dass Österreich nicht alleine das Weltklima retten kann. Jeder Staat muss seinen Beitrag leisten und Emissionen senken. Wir sind auf keinem schlechten Weg, 2018 sind die Emissionen zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder gesunken in Österreich. Und wir wollen bis 2030 unseren Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren erzeugen, derzeit liegen wir bei rund 73 Prozent. Da ist noch viel zu tun, aber die Zukunft liegt im Solarstrom, in der Windkraft, in der Wasserkraft, aber auch in der Biomasse. Das Wien: Und nach der Wahl? Wollen Sie wieder Ministerin werden? Köstinger: Jeder, der Politik ernst nimmt, der tritt an, um aktiv etwas zu gestalten und zu verändern. Es ist auch kein Geheimnis, dass mein Herz für die Landwirtschaft ebenso schlägt wie für den Um- Nach Erscheinen des Ibiza-Videos waren wir alle schockiert und enttäuscht. Elisabeth Köstinger Neuwahlen waren der einzige Ausweg nach dem Ibiza-Skandal © privat

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