Das Wien - E-Book

DAS WIEN LEUTE 17 P rof. Dr. Dagmar Schratter fungiert seit Jänner 2007 als Alleingeschäftsführerin der Schönbrunner Tiergarten GesmbH. DiegebürtigeKlagen- furterin ist damit dieerste „Frau Direktor“ in der Geschichte des weltberühmten Wiener Zoos. Neben ihrer Tätigkeit im Tier- garten unterrichtet die in Steyr lebende Biologin an der Veteri- närmedizinischen Universität. Im Interview mit Harald Raffer („Das Wien“) spricht Dagmar Schratter über Artenschutz, Tierhaltung, Budget-Zahlen und über das Auftauchen des Wolfes in der Alpenrepublik. DasWien: Frau Professor Schratter. Nach Ihrem 65. Geburtstag gehen Sie mit Jahresende in Pension. Steht ein Nachfolger oder eine Nachfol- gerin bereits fest? Und was hinter- lassen Sie als Chefin des ältesten Zoos der Welt für ein Erbe? Schratter: Nein – es steht noch kein Nachfolger fest. Die Aus- schreibung wird erst stattfinden. Ich hoffe, dass ich ein so gutes Erbe hinterlassen werde, wie ich es von meinemVorgänger Helmut Pechlaner übernommen habe. Wir stehen wirtschaftlich auf gesunden Beinen und wir waren jetzt zum fünften Mal „bester Zoo Europas“. Ich denke, darauf kann man aufbauen. Das Wien: Was sagen Sie Kritikern, die sich gegen die Zoo-Tierhal- tung aussprechen? Also gegen die Haltung von Tieren in künstlichen Gehegen, wo angeblich der Platz zum Auslaufen fehlt? Tierschützer meinen, dass manche Großtiere in den Zoos verkümmern würden… Schratter: Wir unterscheiden zwischen Kritikern und Zoogeg- nern. Ich bin immer offen für eine berechtigte Kritik, etwa bei der Haltung von Tieren, weil man sich ja immer verbessern kann. Wenn man aber generell gegen Tierhaltung auftritt, egal ob Zoo- oder Heimtierhaltung, muss man feststellen, dass im Zoo die Tiere bestens betreut werden. Wir haben ausgebildete Pfleger, aus- gebildete Tierärzte, Zoologen und viele Menschen, die sich engagiert um unsere Tiere kümmern. Das kann weder in der Nutztier-, noch in der Heimtierhaltung der Fall sein. Die Frage ist – darf ich Wild- tiere halten? Ich muss das mit Ja beantworten! Wir sehen unsere Wildtiere als Botschafter für ihre Artgenossen, die draußen leben. Wenn ich mir die Situation im Frei- land ansehe, muss ich sagen, dass Zoos immer notwendiger werden. Wir sind keine Arche Noah, wir sind aber zumindest ein Beiboot mit Zuchtprogrammen gefähr- deter Tierarten und mit Wieder- ansiedlungsprogrammen. Es gibt genügend Beispiele, bei denen Tiere nur in Zoos überlebt haben oder von Zoos wieder ins Freiland entlassen werden konnten. Wir haben eine Mission – wir wollen unsere Besucher für die Welt der Tiere begeistern und das kann man eben nur mit dem lebenden Tier. Wer bei uns einmal gesehen hat, wie Kinder mit der Nase auf der Scheibe bei den Eisbären oder den Robben picken, der weiß auch, wie das Interesse für Tiere entstehen kann. Das halte ich für die wesentliche Aufgabe eines Tiergartens. Deshalb sind Zoos legitim. Zur viel gepriesenen Frei- heit – ein Tier ist auch draußen nicht so frei, wie es scheint. Etwa durch bestimmte Reviere mit Nahrungsressourcen, eingeengte Lebensräume… Das Wien: Der Zoo dient zur Info und zur Unterhaltung undmuss, bei über zwei Millionen Besuchern im Jahr, ökonomisch geführt werden. Es handelt sich also um ein Wirt- schafts-Unternehmen… Schratter: Wir verfügen zur Zeit über ein Budget von 30 Millionen Euro. Dabei hatten wir in den letzten Jahren über 100 Prozent Selbstkostenabdeckung. Wir er- halten noch eine Million Zuschuss im Jahr. Wenn ich das allerdings mit anderen Kultureinrichtungen vergleiche, ist das ja nur ein Trop- fen auf den heißen Stein. Wir ha- ben diese Förderung trotz unserer 100prozendigen Abdeckung be- kommen und stecken das Geld wieder in Neubauten, Verbesse- rungen für die Tiere und Renovie- rungsarbeiten. Wir verfügen über 260 Mitarbeiter, wovon sich 197 in Vollzeitbeschäftigung befinden. Wir haben viele Teilzeit-Mitarbei- ter, gerade im zoopädagogischen Bereich. Dazu kommen noch 100 bis 150 Mitarbeiter der Gastro- nomie. Die Personalkosten liegen dabei immer unter 50 Prozent. Die Tierernährungskosten werden meist überschätzt, sie machen nur einen geringen Teil der Gesamt- kosten aus. Wir verfügen noch über die tierärztliche Ordination Schönbrunn als Tochtergesell- schaft mit fünf Fach-Tierärzten und einer halben Stelle. Da kann jeder Tierbesitzer mit seinem Liebling hinkommen. Das Wien: Als Eigentümer des Tiergartens Schönbrunn fungiert ja die Republik Österreich, genauer gesagt das Wirtschaftsministerium. Wäre es nicht naheliegender, wenn das Landwirtschaftsministerium Unsere Wildtiere sind Bot- schafter ihrer Artgenossen. Dr. Dagmar Schratter Prof. Dr. Dagmar Schratter im Gespräch mit Harald Raffer („Das Wien“). Die gebürtige Kärntnerin: „Wir wurden fünf Mal zum bes- ten Zoo Europas gewählt…“ „Wir wollen Besucher für die Welt der Tiere begeistern!“ Dr. Dagmar Schratter, Direktorin des Schönbrunner Tiergartens, setzt sich für die Artenvielfalt ein. Ältester Zoo der Welt ist wirtschaftlich„gesund“.

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