Das Wien - E-Book

DAS WIEN POLITIK 5 L andwirtschafts- und Um- weltministerin Elisabeth Köstinger (VP)will ihrenpersön- lichen Kampf gegen geplante Atomkraftwerke an Österreichs Grenzenweiter intensiv fortset- zen. Die gebürtige Kärntnerin bezeichnet Österreich im „Das Wien“-Gesprächmit Harald Raf- fer als „Feinkostladen Europas“ und „Bio-Weltmeister“. Die Vizepräsidentin des Österrei- chischen Bauernbundes fordert nach dem „Kuhattacken-Urteil“ mehr Eigenverantwortung al- ler, die sich in der Natur aufhal- ten. DasWien: FrauMinister, was sagen Sie als Bauerntochter zu dem Urteil nach einer tödlichen Kuhattacke auf einer Tiroler Alm? Der Landwirt soll bekanntlich 490.000 Euro zah- len. Er hat gegen das Urteil berufen. Es wird weiterhin über eingezäun- te Almen, gesperrte Wanderwege, Eigenverantwortung oder diverse Pflichtversicherungen für Bauern diskutiert… Köstinger: Das Problem ist größer als dieser einzelne Fall. Die Regie- rung hat in sehr hoher Geschwin- digkeit Maßnahmen auf den Tisch gelegt. Wir müssen die Eigenver- antwortung der Menschen stär- ken. Es muss sich jeder darüber im Klaren sein, dass er sich in ei- ner Naturlandschaft bewegt und entsprechende Verhaltensregeln beachten muss. Diese Regeln erar- beiten wir gerade. Darüber hinaus werden wir gesetzlich vorsehen, dass sich Gerichte künftig auch auf diese Regeln beziehen kön- nen. Die Landwirte werden wir mit einem Ratgeber unterstützen, wie sie sich bestmöglich schützen können, welche Maßnahmen sie treffen können. Natürlich werden wir auch über bessere Versiche- rungslösungen diskutieren. An erster Stelle steht aber die Eigen- verantwortung aller, die sich in der Natur aufhalten und bewe- gen, diese Verantwortung müssen wir stärken. Das Wien: Die E-Mobilität ist ins Stocken geraten – warum? Gibt es immer noch zu wenig Anreize? Ich finde nicht, dass hier etwas stockt. Wir haben die zweithöchs- ten Zuwachsraten in der E-Mobilität in Europa. Köstinger: Wir müssen aber un- ser gesamtes Verkehrssystem schrittweise umbauen, damit wir unsere Klimaziele erreichen können. Dafür gibt es nicht eine pauschale Lösung. Die E-Mobilität ist ein wichtiger, aber sicher nicht der einzige Teil. E-Mobilität ist für kurze Strecken eine gute Varian- te. Wichtig dafür ist, dass wir ein dichtes Netz an Ladestationen schaffen. Wir haben gerade ein neues Förderpaket aufgelegt, das sowohl den Ankauf von Fahrzeu- gen unterstützt, als auch die La- de-Infrastruktur. Dafür stellen wir rund 90 Mio. Euro zur Verfügung. Darüber hinaus ist aber Wasser- stoff für Fahrzeuge auch eine Op- tion, auch daran arbeiten wir in- tensiv. Noch wichtiger ist aber der Ausbau öffentlicher Verkehrssys- teme. Wir investieren Milliarden in den Ausbau von Bahnstrecken und in den Nahverkehr. Wir müs- sen den Menschen gute Alterna- tiven zum Auto bieten, dann wird dieser Umbau unserer Verkehrs- systeme auch funktionieren. Das Wien: Bei der Verordnung für Biomasseanlagen gab es für die Regierung einen Konflikt und eine Niederlage im Bundesrat. Jetzt wei- chen Sie mit einem weiteren Gesetz der SP aus. Köstinger: Wir hatten keine an- dere Wahl, die SPÖ hat eine Re- gelung blockiert, der sie zuvor jahrelang zugestimmt hat. Dafür habe ich nicht das geringste Ver- ständnis. Strom aus Biomasse ist Ökostrom. Er entsteht aus nach- wachsendem Holz aus Österreich. Wer das abdrehen will, der riskiert, dass Atomstrom aus dem Ausland importiert werden muss. Das ver- steht in der Bevölkerung niemand, daher steht die SPÖ hier auch zu Recht in der Kritik. Wir mussten aufgrund dieser Blockade einen anderen Weg wählen, um diesen Ökostromweiterhin zu haben. Der ist für die Versorgungssicherheit wichtig, denn, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, dann brauchen wir Ökostrom, der auch dann erzeugt werden kann. Dazu kommt: Wir haben Unmen- gen an Schadholz zu verarbeiten, das Borkenkäfer und Stürme rui- niert haben. Daraus erzeugen wir Strom, der CO2-neutral ist. Etwas Besseres gibt es doch gar nicht. Das Wien: Sie wurden im Internet mit sexistischen und frauenfeindli- „Kämpfe weiter gegen neue Atomkraftwerk-Projekte!“ Umweltministerin Köstinger (VP) zeigt im„DasWien“-Gespräch für SP-Blockade beim Biomasse-Gesetz kein Verständnis. Vorreiter beim Plastiksackerl-Verbot. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (VP), selbst auf einem Bauernhof in Kärnten aufge- wachsen, zur tödlichen Kuh-Attacke auf einer Alm: „An erster Stelle steht die Eigenverantwortung aller, die sich in der Natur aufhalten!“ Fotos Franz Schobesberger

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