Das Wien - E-Book

DAS WIEN POLITIK 28 N adelstreif-Anzug, hellblaue Krawatte, schmale Brille, Mehrtages-Bart– Bildungsminister Dr. Heinz Faßmann (VP) empfängt Harald Raffer in seinem Büro im Ministerium für Bildung, Wissen- schaft und Forschung zum „Das Wien“-Interview. Im Hintergrund eine Bücherwand mit umfang- reicher Fachliteratur. Der leiden- schaftliche Basketballer (Größe 2,03 Meter), Gartenfreund und parteilose Wissenschaftler spricht über sein Nahverhältnis zur VP, den Klimaschutz, die Bundes-Koa- lition, Lehrergewerkschaft, Noten, Kopftuchverbot und Herbstferien. Dem österreichischen Bildungs- system gibt der Familienvater und gebürtige Deutsche (Jahrgang 1955) ein „Gut“. Das Wien: Sie sind parteilos, wur- den aber von der VP zum Minister für Bildung, Wissenschaft und For- schung gekürt. Stehen Sie der türki- sen Partei nahe und haben Sie sich schon überlegt, der VP beizutreten? Faßmann: Ich würde mich als einen bürgerlichen, liberal den- kenden Menschen bezeichnen. Aus diesem Grund empfinde ich ein gewisses Naheverhältnis zur türkisen Bewegung. Aber ein Par- teibeitritt ist nicht notwendig und steht auch nicht zur Diskussion. Das Wien: Welcher Job ist eigent- lich anstrengender – der eines Uni- versitätsprofessors oder eines Poli- tikers? Faßmann: (lacht) Als Universi- tätsprofessor hat man auch einen anstrengenden Job – man muss sich unmittelbar mit Studieren- den auseinandersetzen. Aber von der Termindichte und der media- len Kontrolle hat unzweifelhaft ein Politiker ein schwereres Leben. DasWien: Sie gelten als Experte für Geographie und Raumforschung. Wie beurteilen Sie als Fachmann den viel diskutierten Klimawandel? Und setzt unsere Regierung genü- gend Maßnahmen für den Klima- schutz? Faßmann: Der Klimawandel ist ein komplexes Thema. Die Fra- ge, ob die Regierung in diesem Bereich das Richtige macht, im- pliziert ja die Möglichkeit, dass man ja nur den Schalter umlegen müsse und schon gäbe es keinen Klimawandel mehr. Das ist leider nicht so! Es hängt auch sehr viel von unserem eigenen Verhalten ab. Etwa von unserem Verhalten als Konsument oder als Verkehrs- teilnehmer. Dazu gibt es auch vie- le Kompetenzen im Bereich der Länder. Aber dass dieses Thema hoch auf der politischen Agenda steht, zumindest konzeptionell et- was zu tun, ist klar und verständ- lich. Und ich halte es für gut, hier etwas zu unternehmen! Das Wien: Sie waren Mitglied der Migrationskommission. Es ist ja kein Geheimnis, dass Sie mit der Ab- lehnung des UN-Migrationspaktes durch Österreich keine große Freu- de haben… Faßmann: Meine Güte! Es wird wieder einmal ein anderes UN- Papier geben. Grundsätzlich muss man die Frage der internationalen Migration auch durch einen glo- balenAnsatz zu planen versuchen, muss Migration besser regulieren. Dass das vorliegende Papier kein sehr gutes war, habe ich deutlich zum Ausdruck gebracht. „Österreich istdocheinLand der intensiven Forschung!“ Interview mit Bildungsminister Dr. Heinz Faßmann (VP). Der Universitätsprofes- sor hält das Aufzeigen von Problemen in Schulen für wichtig und streut der Lehrer- gewerkschaft Rosen. Der gebürtige Deutsche fühlt sich als Experte, nicht als Politiker. Bildungsminister Dr. Heinz Faßmann im Gespräch mit Harald Raffer („Das Wien“): „Nun, ein Politiker hat, zumindest was die tägliche Termindichte betrifft, ein schwereres Leben als ein Uni-Professor…“ Fotos © Ullrich Renner Der Klimawandel? Er steht ganz oben auf der politischen Agenda! Dr. Heinz Faßmann

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMjE=