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Grünen-Chef Werner Kogler
© Das Wien

Interview

„Wir Grünen kommen sicher wieder ins Parlament!“

Grünen-Chef Werner Kogler zeigt sich im Gespräch mit „Das Wien“ äußerst optimistisch.

Der gebürtige Steirer übt auch Kritik an der eigenen Partei. Und der 56-Jährige startet mit den neuen Grünen ordentlich durch. Kogler sieht in Kanzler Kurz einen „VP-Haider mit hohem Niveau“.

Eine Sonnenbrille im Haar, das Handy mit einer roten Schutzhülle auf dem Tisch. Ein bis zu den Ellenbogen aufgekrempeltes dunkles Hemd, dunkle Hose. Eine Tasche mit der Aufschrift „Bio macht schön“. Grünen-Chef Mag. Werner Kogler (56) sitzt im „Nautilus“ auf dem Wiener Naschmarkt und spricht mit Harald Raffer („Das Wien“) über die Zukunft seiner Partei. Der gebürtige Steirer und Grünen-Bundessprecher blickt dabei optimistisch in die Zukunft: „Wir schaffen bei der nächsten Nationalratswahl wieder den Einzug ins Parlament“. Polit-Profi Kogler kritisiert Eigenfehler seiner Partei. Und der Volkswirtschaftler fordert von seinen grünen Freunden: „Es muss ein inneres Feuer spürbar sein, man muss für eine Sache brennen!“ Kanzler Kurz sieht er als „VP-Haider mit hohem Niveau“.

Das Wien: Sie sind als grünes „Urgestein“ derzeit Bundessprecher. Sie wollen nach dem Zerfall Ihrer Partei im Bund den Scherbenhaufen wieder kitten. Sind Sie Optimist oder gar Masochist?
Kogler: Ich war immer schon ein Optimist! Es sieht schlimmer aus, als es ist. Wir haben ja, von Kärnten abgesehen, in allen Bundesländern starke Vertretungen und mischen mit unserer Umweltpolitik kräftig mit. Der Wiederaufbau bzw. der Neustart der Partei ist voll im Gange. Zum Jahreswechsel wird es die neuen Grünen österreichweit geben.

Das Wien: Wenn man die letzten Monate Revue passieren lässt - haben die Grünen nicht beharrlich am eigenen Absturz gearbeitet. Stichwörter „Junge Grüne“, „Glawischnigs moralischer Doppelsalto“, „Vassilakous Probleme mit der Basis“, „Chorherr-Spendenaffäre“, „Rauswurf Pilz“, „Streit um Posten“ usw.
Kogler: Einen Streit um Posten kann ich bei uns nicht erkennen. Natürlich sind Eigenfehler passiert. Die Patsche mit den jungen Grünen war purer Dilettantismus der damaligen Parteiführung. Das war einfach ungeschickt gemacht. Solche Fehler passieren, wenn das Gespür verloren geht, der innere Instinkt fehlt und man nur mehr an der Oberfläche navigiert – getragen vom früheren Erfolg.

Bei dieser aufgeblähten Jugend-Geschichte sieht man, wie man etwas richtig vernudeln kann. Im übrigen gab es kürzlich den Kongress der neuen grünen Jugend mit 150 Leuten. Es geht also an allen Ecken aufwärts. Die erwähnte Geschichte war aber zweifellos ein Eigentor.

Das Wien: Kann man heute noch als reine Öko-Partei überleben?
Kogler: Die Leute wünschen sich verschiedenste Themen von den Grünen. Es wird aber gerade von uns erwartet, dass wir uns der ökologischen Themen annehmen. Vom Tierschutz bis hin zu allen Umweltschutzanliegen. Vom Wasser über die Ernährung bis zum Müll und zur Bekämpfung der Klimakrise. Ich habe tausende Mails von Leuten bekommen, die bei uns mitarbeiten und ihre Ideen einbringen wollen – auch Spenden.

Man kann also erkennen, dass die Nachfrage nach einer grünen Partei gegeben ist. Wir haben uns in der Vergangenheit um alles Mögliche gekümmert – auf dem Weg zur Volkspartei mit 10 bis 15 Prozent. In der Liga waren wir 10, 15 Jahre. Es wird aber darum gehen, Umweltschutz und Wirtschaft unter einen Hut zu bringen. Mit einem sozialen Zusammenhalt. Diese Mischung gibt es nur bei Grün. Wer liefert also das Angebot? Wenn es uns mit den erfolgreichen Bundesländerorganisationen nicht gäbe, würde jemand anders die grüne Bewegung in Österreich repräsentieren und mit Sicherheit ins Parlament kommen.

Das Wien: Sollten die Grünen, wie Sie überzeugt sind, wieder den Sprung ins Parlament schaffen – wollen Sie Bundessprecher bleiben?
Kogler: Wir schaffen mit Sicherheit wieder den Einzug! Wenn nicht mit dieser Konstruktion, dann eben eine andere Bewegung. Ich würde als Bundessprecher wieder kandidieren – und wir haben Leute, die in etlichen Landtagen vertreten sind. Die Kultur und Struktur würde sich etwas ändern. Es geht um eine breiter aufgestellte Mitgliederschaft. Gleichzeitig sollen Gremien geschaffen werden, wo viel kleinere Kreise für etwas verantwortlich sind und nicht jeder überall. Mit anderen Worten – eine Professionalisierung. Ein Hauptanliegen ist es mir, wieder besonders kreative Vorschläge zu machen, wie man das von früher von der grünen Politik gewohnt war. Allerdings so, dass uns mehr Leute verstehen.

Das Wien: Sie sind ja Volkswirt. Die Grünen haben oftmals den Ruf der Verhinderer und Blockierer. Sollten sich die Grünen nicht auch für sinnvolle wirtschaftliche Projekte einsetzen?
Kogler: Natürlich! Es ist eben stets abzuwägen, wie ich Umwelt und Wirtschaft unter einen Hut bringen kann. Ich habe da kein Verständnis für rein veraltete betriebswirtschaftliche Sichtweisen. Gerade wir Grünen bieten Lösungen, bei denen wir schon auf Jahrzehnte voraus blicken. Es darf nicht um Einzelinteressen gehen. Wir kümmern uns um die Werte für die zukünftige Generation. Das reicht von emissionsfreien Antriebstechnologien bis hin zum gedrosselten Verbrauch von Kohlenstoff. Es geht um intelligente Lösungen. Moderne Wirtschaftspolitik umfasst einen integrierten Umweltschutz.

Das Wien: Nach der Bundespräsidentenwahl gab es herbe Dämpfer, etwa in Kärnten, wo die Grünen mit Rolf Holub aus dem Landtag geflogen sind. Sie sehen bald Licht am Ende des Tunnels?
Kogler: Mit Sicherheit! Viele von uns kurven schon längst wieder außerhalb dieses Tunnels herum - in der grünen Natur. Kärnten war leider nicht erfolgreich, aber bei den anderen Landtagswahlen fielen die Ergebnisse über den Erwartungen aus. Und Salzburg war im Mittelfeld. Diese Grünen sind geschätzte Regierungspartner. In Oberösterreich kommt man drauf, dass die schwarz-blaue Regierung grün-schwarze Errungenschaften zurückdreht. Niemand hat auch vorausgesehen, dass der Georg Willi Bürgermeister in Innsbruck wird. Als ich frühzeitig angekündigt habe, dass er diese Hürde schaffen kann, haben mich manche ungläubig angesehen. Es gibt halt Licht und Schatten.

Das Wien: Was würden wohl Freda Meissner-Blau oder Günther Nenning zu den heutigen Grünen sagen?
Kogler: Ich habe beide gekannt. Der Nenning würde sich über die Grünen zwar lustig machen, aber zum Schluss behaupten, dass es doch nichts Gescheiteres und Besseres gebe. Freda Meissner-Blau hat vieles immer kritisch gesehen. Dass man etwa nicht zu glatt, zu PR-mäßig oder oberflächlich wird. Das können andere Parteien ja noch besser. Das sieht man ja beim Herrn Kurz. Bei uns Grünen muss ein inneres Feuer spürbar sein! Dieses Feuer war vielleicht ganz zum Schluss nicht mehr da. Das ist wie bei einem großen Konzern. Im Nachhinein stellt man fest, dass man in Zeiten des größten Umsatzes investieren hätte müssen. So ähnlich ist es uns ergangen.

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