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Botschafterin Maria-Pia Kothbauer, Prinzessin von und zu Liechtenstein, im Gespräch mit Harald Raffer in der Botschaft in der Löwelstraße in Wien.
© Ulrich Renner

Aktuell | Interview

„Wir bekämpfen Geldwäsche und Steuer­hinter­ziehung!“

Prinzessin Maria-Pia Kothbauer, Botschafterin von Liechtenstein, über die engen Beziehungen zu Österreich. Fürstentum feiert 300-jähriges Bestehen.

In einem prächtigen Stadtpalais mitten im ersten Wiener Bezirk befindet sich die Botschaft des Fürstentums Liechtenstein, umgeben von Regierungsgebäuden. Maria-Pia Kothbauer, Prinzessin von und zu Liechtenstein, fungiert hier als engagierte Botschafterin des Fürstentums. Im Gespräch mit Harald Raffer („Das Wien“) streicht die Spitzendiplomatin die engen Kontakte zwischen Österreich und ihrem Heimatland hervor. Schließlich reichen die historischen Wurzeln der Fürstenfamilie Jahrhunderte zurück - bis nach Niederösterreich. Der Zwergstaat feiert heuer sein 300-jähriges Bestehen. Und das kleine, reiche Land gilt längst nicht mehr als typische „Steueroase“.

Das Wien: Frau Botschafterin, wie lange vertreten Sie bereits Ihr Heimatland in Österreich?
Kothbauer: 1996 bin ich aus Brüssel nach Wien gekommen. Seither vertrete ich Liechtenstein in Österreich, Tschechien, der OSZE und den Vereinten Nationen in Wien. An Wien schätze ich die Aufgeschlossenheit, die Vielseitigkeit, und das reiche kulturelle Angebot und natürlich die Schönheit der Stadt. Das zieht auch viele Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner zu Besuchen nach Wien.

Das Wien: Wie würden Sie die Beziehungen zwischen Österreich und Liechtenstein beschreiben? Es gab und gibt ja im historischen Bereich enge Beziehungen zwischen den Ländern.
Kothbauer: Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind in jeder Hinsicht ausgezeichnet. Die historischen Verbindungen liegen in den 800 Jahre alten Wurzeln der Familie Liechtenstein. Die Stammburg der Liechtensteins ist in Niederösterreich. Weitere Zeugen dieser langen gemeinsamen Geschichte sind die beiden Palais Liechtenstein in Wien, die Liechtensteinstraße oder der Naturpark Sparbach. So ist es nicht verwunderlich, dass aus Anlass des diesjährigen Dreihundertjahrjubiläums Liechtensteins, die Sammlungen der Fürsten von Liechtenstein in zwei beachteten Ausstellungen bis 10. Juni in der Albertina in Wien gezeigt werden. Die Entstehungsgeschichte Liechtensteins, die 300 Jahre zurückliegt, ist eng mit Österreich verknüpft. Am 23. Januar 1719 erhob Karl VI., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Fürst Anton Florian von Liechtenstein in den Reichsfürstenstand und vereinigte die Herrschaft Schellenberg und die Grafschaft Vaduz zum Reichsfürstentum Liechtenstein. Mit diesem Schritt war Liechtenstein als Staat geboren. Die beiden Gebiete, die im Westen Österreichs liegen, wurden zuvor von der Familie Liechtenstein erworben. In gewissem Sinne ist Liechtenstein damit eine österreichische Gründung. Nicht nur die lange gemeinsame Geschichte, sondern auch die Gegenwart ist von dieser engen Freundschaft geprägt. Heute sind Liechtenstein und Österreich über eine Reihe wichtiger Verträge verbunden. Der wichtigste ist sicherlich der Vertrag über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), welchem alle EU-Länder und die EFTA-Länder Island, Liechtenstein und Norwegen angehören und in welchem die vier Freiheiten der Europäischen Union (EU) eine wesentliche Rolle spielen. Die offenen Grenzen sind über den Schengener-Vertrag geregelt. Diese Entwicklung bedeutet für die Wirtschaft, vor allem in der Region Liechtenstein und Vorarlberg, einen wesentlichen Impuls. Täglich pendeln 8.600 Österreicher, vorwiegend für die Bereiche Industrie und Finanzen, zur Arbeit nach Liechtenstein.

Das Wien: Ein Blick in die Handelsbilanz der Länder ...
Kothbauer: Österreich und das Fürstentum Liechtenstein arbeiten wirtschaftlich auf das Engste zusammen. Mit einem Industrieanteil von 40 Prozent ist Liechtenstein vor allem im Industriezulieferbereich ein wichtiger Handelspartner für Österreich. Dies drückt sich in den hohen Exporten aus. Im Jahr 2018 exportierte Österreich Waren - von Edelmetallen abgesehen - im Wert von 433.7 Mio. EUR in das Fürstentum Liechtenstein. Das alleine ist beachtlich. Aber auch der Dienstleistungssektor macht mit einem Drittel der Exporte einen wichtigen Bestandteil der liechtensteinisch-österreichischen Handelsbeziehung aus. Österreichs Dienstleistungsexporte in das Fürstentum Liechtenstein betrugen 2018 252 Mio. EUR und bleiben damit über die Jahre unverändert auf einem hohen Niveau. Österreich importierte im Jahr 2018 Waren im Wert von 399 Mio EUR aus dem Fürstentum. Zu den beliebtesten Importwaren zählten neben Maschinen und elektrischen Handwerkzeugen der Firma Hilti, Heizungskessel der Firma Hoval oder Nahrungsmittel und Tierfutter der Firma Ospelt. Die Dienstleistungsimporte liegen bei 221 Mio. EUR. Und noch eine interessante Zahl: Statistisch betrachtet kauft ein Liechtensteiner österreichische Waren und Dienstleistungen im Wert von 18.258 EUR pro Jahr. Das ist, sagt man mir, ein Spitzenwert, den es sonst nirgends auf der Welt in dieser Form gibt. Zum Vergleich: die zweithöchsten Pro-Kopf-Exporte gehen in die Schweiz mit 1.396 EUR, gefolgt von Deutschland - Österreichs wichtigster Auslandsmarkt – mit 856 EUR.

Das Wien: Welche Firmen sind in Liechtenstein tätig?
Kothbauer: Die größten österreichischen Unternehmen in Liechtenstein sind Swarovski, die Telekom Austria Tochter Mobilkom Liechtenstein AG sowie die Volksbank Liechtenstein und die Raiffeisenbank Liechtenstein AG.
Triesen ist für Swarovski ein global gesehen wichtiger Standort. In Triesen liegt die weltweite Verantwortung für die gesamte Lieferkette. Die Produktionsstätten für Thailand, Vietnam und China sind ebenfalls in Triesen gebündelt. Am Standort arbeiten rund 500 Mitarbeiter. Ihnen verantwortlich sind nahezu 100.000 Mitarbeiter weltweit. In Österreich sind mit der LGT und der liechtensteinischen Landesbank (LLB) die beiden wichtigsten Banken des Landes vertreten. Für beide Banken hat sich Wien zu einem wichtigen Standort entwickelt. Die beiden liechtensteinischen Banken haben sich über die letzten Jahre zu führenden Vermögensverwaltungsbanken in Österreich etabliert. Im Jahr 2018 hat die LLB mit der Semper Constantia Privatbank fusioniert und deren Geschäft vollständig übernommen. Zu den acht in Österreich tätigen Unternehmen zählen darüber hinaus die Firma Hilti mit einer Produktionsstätte in Vorarlberg und einem wichtigen Verteilerzentrum in Wien sowie die Firma Hoval. Alles top liechtensteinische Unternehmen. Liechtensteinische Unternehmen haben in Summe rund 1.700 Arbeitsplätze in Österreich geschaffen. Zusätzlich pendeln – wie erwähnt – 8.600 Arbeitnehmer täglich zur Arbeit nach Liechtenstein.

Das Wien: Liechtenstein gilt, wie immer wieder spektakuläre Finanzfälle mit bekannten Persönlichkeiten in Österreich zeigen, als Steueroase. Stichwörter „Sitzgesellschaften“, „Stiftungen“, „LGT“, „Heinrich Kieber“, „Ex-Minister“ ect. Sollte man Steuerhinterziehungen der Millionäre nicht unterbinden? Es gab deshalb in den letzten Jahren Kritik durch einzelne europäische Staaten und der Antikorruptionsorganisation Transparency International.
Kothbauer: Liechtenstein spielt bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung eine aktive Rolle. Seit den Ereignissen von 2008, auf die Sie Bezug nehmen, hat sich in Europa und in Liechtenstein einiges getan. So hat Liechtenstein mit einer Reihe von Staaten Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen und setzt die Standards der OECD zum Informationsaustausch in Steuersachen um. Liechtenstein zählt auch zu den sogenannten „early adopters“ des automatischen Informationsaustausches der OECD, welcher den Informationsaustausch in Steuersachen regelt. Seit 2017 tauschen wir jährlich mit einer immer größeren Anzahl von Partnerstaaten automatisch alle relevanten Informationen aus. Es gibt in Bezug auf Liechtenstein auch keine Kritik mehr, sei es einzelner europäischer Staaten oder von Transparency International. Im Gegenteil, die EU-Kommission und der ECOFIN haben wiederholt bestätigt, dass Liechtenstein die Anforderungen der EU in Bezug auf Steuertransparenz, faire Besteuerung von Unternehmen und die Umsetzung der BEPS-Mindeststandards erfüllt. Im März 2019 hat das Global Forum, nach Abschluss eines Peer Review-Verfahrens, bestätigt, dass Rechtsrahmen und Praxis in Liechtenstein mit den internationalen Vorgaben zur Steueramtshilfe in hohem Masse übereinstimmen. Mit Österreich hat Liechtenstein zudem ein Doppelbesteuerungsabkommen und ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Bereich der Steuern abgeschlossen. Die Frage, wie Steuerhinterziehung international und national unterbunden werden kann, ist damit für Liechtenstein klar geregelt. Als EWR-Mitglied unterliegt Liechtenstein darüber hinaus den strikten Anti-Geldwäsche-Direktiven der Europäischen Union. Die EU stellt Liechtenstein diesbezüglich ein gutes Zeugnis aus.

Das Wien: Die Zahl der Privatstiftungen nimmt ab. Von rund 50.000 im Jahre 2008 auf knapp 16.000 Ende 2016. Worauf ist das zurückzuführen?
Kothbauer: Liechtenstein hat sich im Jahr 2013 dafür ausgesprochen, den automatischen Informationsaustausch umzusetzen und die internationalen Standards früh zu übernehmen. Ein aktiver Umgang mit internationalen und regulatorischen Veränderungen ist bereits seit Jahren Teil der gemeinsamen Strategie von Staat und Wirtschaft in Liechtenstein. Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Ressourcen auf die aktive Gestaltung der Zukunft auszurichten. Dieser Ansatz hat zu einer Konsolidierung gerade im Bereich der Stiftungen geführt. In einer Gesamtschau belegen die Zahlen eindeutig, dass diese Strategie für den Finanzplatz vorteilhaft war. Rückgänge und Konsolidierungen hielten sich in Grenzen und die Erträge und verwalteten Vermögen sind in allen Sparten des Finanzplatzes in den letzten drei Jahren wieder gewachsen.

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