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Gerald Pichowetz
© Adrian Batty

Kultur

Vorhang auf
Von Gerald Pichowetz

Kopfkino

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wer einem erfolgreichen Theaterstück reges Leben eingehaucht hat? Welche Gedanken der Autor oder die Autorin eingefangen, zu Papier und schließlich auf die Bühne gebracht haben? Das gilt für die Hochliteratur genauso wie für kurzlebige Aufführungen. Zunächst geht es um ein Thema, um eine Handlung – und natürlich um den Einstieg und ein nachvollziehbares Ende. Was auch nicht unwichtig ist – die Idee sollte auf den berühmte Brettern umgesetzt werden können. Mit allen Requisiten, Kostümen und Bühnenbildern. Man könnte die Meinung vertreten, dass nicht jede Erzählung vor dem Vorhang realisiert werden kann. Das Problem gibt es auch beim Film. Sie kennen das? Sie haben ein Buch gelesen und waren vom Inhalt begeistert! Dann folgte die Verfilmung des Bestsellers – aber die Kinoaufführung oder TV-Ausstrahlung hat Ihnen nicht so gefallen. Kein Wunder, Sie haben ja beim Lesen Ihre bunte Fantasie bemüht und sich Figuren und Landschaften anders vorgestellt. In Ihrem persönlichen Kopfkino. Da kann kein Kinofilm mehr mit – selbst mit den größten Stars. Dazu kommt, dass manche Bücher hunderte Seiten umfassen und man den gesamten Stoff nicht verkürzt auf eine Leinwand bringen kann.

Im Theater genießt der Besucher immer wieder neue Stücke. So kann er sich von der Spannung hinreißen lassen und fiebert mit der Handlung mit. Freilich muss die Regie passen. Handlungen, die etwa in der Antike oder in einem vergangenen Jahrhundert spielen, von mutigen Regisseuren aber auf „total modern“ getrimmt werden, können bei den Zusehern auf Ablehnung stoßen. Etwa Romeo und Julia im 21. Jahrhundert in einem Mc-Donald‘s-Laden mit Handys. Jedes Bühnenstück verdient zunächst Beachtung, schließlich ist es ein weiter Weg vom Manuskript bis zum Applaus!

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