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Gerald Pichowetz
© Adrian Batty

Kultur

Vorhang auf
Von Gerald Pichowetz

Opernball …

Der Wiener Opernball ist schon wieder Geschichte. Es ist unterhaltsam, sich einzelne Gäste näher anzusehen. Entweder direkt am Ort des schillernden Geschehens oder gemütlich vor dem Fernseher im Lehnstuhl. Nein, ich meine nicht eingeladene Regierungschefs, ranghohe Politiker, Filmstars, Top-Sportler oder mit Orden bestückte Staatsdiener in schmucker Uniform, sondern Besucher, die um jeden Preis auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten auffallen wollen. Am besten vor einer „laufenden“ TV-Kamera. Es sind, wie ich als Theaterdirektor bestätigen kann, exzellente Schauspieler. Diese Damen und Herren erscheinen im entsprechenden Outfit, also mit ungewöhnlichen Anzügen, freizügigen Kleidern und speziell für dieses Ereignis geschneiderten Abendroben. Mit ausgefallenem Schmuck, wilden Frisuren oder riesigem Dekolleté. Und diese Menschen geben sich zwischen Walzerklängen, Logen-Tratsch und Opernarien besonders vornehm und höchst elegant. Sie verwandeln sich, selbst an der Würstelbar, für kurze Zeit in kleine Stars. Ich meine damit keinesfalls einen umtriebigen Baumeister samt bestelltem Promi-Gast. Am Opernball sind eben alle Besucher so etwas wie kleine Könige oder Königinnen, auch wenn nur die Debütantinnen bei der Eröffnung funkelnde Krönchen tragen. Das macht vermutlich den Reiz dieser traditionsreichen Veranstaltung aus. Und natürlich das prachtvolle Haus, das heuer sein 150-jähriges Bestehen feiert.

Zurück zu den Abendroben. Auch bei einem Theater- oder Konzertbesuch schlüpfen Herr und Frau Österreicher meist in ein Festtags-Gewand, um den persönlichen kulturellen Genuss zu würdigen. Ein Abend in der Oper oder im Theater ist nach wie vor etwas Außergewöhnliches. Es muss ja nicht gleich der „überfüllte“ Wiener Opernball sein. Oder?

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