Aktuelles

Gerald Pichowetz
© Adrian Batty

Kultur

Vorhang auf
Von Gerald Pichowetz

Diese Pausen

Sie kennen das? Bevor ein Theaterstück beginnt, dauert es eine kleine Ewigkeit, bis sich der Vorhang hebt. Schließlich beginnt die Aufführung und man gibt sich erwartungsvoll dem Schauspiel hin. Bei längeren Stücken sind natürlich Pausen üblich, manchmal auch zwei, drei Unterbrechungen. Auf diese Weise soll nicht nur die Theaterkantine durch den Verkauf von Sekt, Säften und Brötchen profitieren, den Besuchern wird auch Gelegenheit geboten, sich zu erfrischen, eine Zigarette zu „verschlingen“ oder einmal still ein Örtchen aufzusuchen. Für die Zuseher bietet sich zudem noch eine Gelegenheit – man kann mit Gleichgesinnten kommunizieren. Man trifft also Bekannte und plaudert über „Gott und die Welt“ oder über die Qualität des laufenden Stückes und bewertet fachmännisch Schauspieler oder Sänger. Da Pausen nun mal rasch enden, machen Theatergeher mit anderen Besuchern private oder dienstliche Termine für „danach“ aus. Und nicht selten nützt ein cleverer Manager die Tatsache, dass sein Geschäftspartner und dessen Frau gerne ein Haus voller Literatur, Musik und Geschichten aufsuchen. Dabei werden Geschäfte angebahnt und Freundschaften geschlossen.

Wer aber glaubt, dass sich Künstler und Musiker in der Pause ausruhen können, irrt. Zunächst sind meist die emsigen Bühnenarbeiter gefragt, die leere Theaterbretter blitzschnell in zauberhafte oder bizarre Landschaften verwandeln können. Die Schauspieler studieren nochmals kurz nachfolgende Texte und die Verantwortlichen klären, ob bis zur ersten Pause alles korrekt abgelaufen ist. Der Ausspruch „Ohne Pause wird alles zur Pause“ bekommt so durchaus Gewicht. Ich denke an ein Zitat von Stefan Zweig: „Auch die Pause gehört zur Musik“. Nicht nur zur Musik, sondern auch zu einem tollen Stück!

› zur Kolumne

Zurück