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Gerald Pichowetz
© Adrian Batty

Kultur

Vorhang auf
Von Gerald Pichowetz

Die Leiden eines Direktors

Der Chef eines großen Hauses, etwa des Burgtheaters, bringt seine ganze Kraft auf, um die vielen Angestellten nach ihrer Befähigung richtig einzusetzen. Bei kleineren Häusern muss hingegen auch der Herr Direktor selbst anpacken oder ist als Schauspieler auf der Bühne zu finden. Ehrlich gesagt – ich schlüpfe gerne in verschiedene Rollen und unterhalte das Publikum. Ich brauche den „direkten Draht“ zu den Zuschauern. Wie formulierte mein Kollege Volksoperndirektor Robert Meyer in einem Interview so passend? „Theaterdirektor kann man nicht lernen. Das wird man und kann es, oder man kann es nicht.“ Eines ist für einen Theaterleiter jedenfalls unabdingbar – ein schlagkräftiges und eingespieltes Team. Menschen, die an einem Strang ziehen und pure Lust verspüren, andere Menschen unterhalten zu wollen. Dabei spielt die berufliche Aufgabe gar keine so große Rolle. Jeder Mann und jede Frau müssen einfach die ihnen gestellten Aufgaben gut bewältigen. Das beginnt beim Kartenverkäufer und endet beim Künstler. Und man muss natürlich kein Wolfgang von Goethe sein, um ein Theater mit Inbrunst leiten zu können. Aber natürlich darf ein Direktor eine gewisse Verantwortung nicht einfach wegschieben oder andere Beteiligte für einen unvorhergesehenen Reinfall verantwortlich machen, auch wenn manchmal der Auftritt eines Schauspielers in die Hose geht oder die Technik nicht funktioniert.

Der Theaterleiter, Prinzipal, Intendant oder Bühnenchef besitzt zwar eine gewisse künstlerische Selbstständigkeit, trägt aber die doppelte Verantwortung – gegenüber seinen Mitarbeitern und gegenüber dem Publikum.

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