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Mit Pillen und Spritzen zu Medaillen?
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Interview | Sport

Vizekanzler Strache: „Doping ist sicher kein Kavaliersdelikt“!

Der FP-Sportminister weist im „Das Wien“-Gespräch auf die bereits bestehenden hohen Strafen für Dopingsünder hin.

Nach dem jüngsten Doping-Skandal bei der nordischen Schi-WM in Seefeld sprechen Fahnder von „mafiösen Strukturen“ und einem engen Netz der Profiteure im Schisport. Mit enormen Gewinnen! ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bezeichnet die überführten österreichischen Sportler schlicht als „Langlauf-Trottel“ und ortet „viel Dummheit“ bei den Athleten. Mittlerweile vergeht allerdings kein Tag, ohne dass ermittelnde Beamte nicht auf neue Spuren, Namen oder belastende Zeugen stoßen. Ein Skandal, ausgehend von Deutschland, weitet sich aus. Was sagt Österreichs Sportminister und Vizekanzler Heinz-Christan Strache zu der Affäre? Im Gespräch mit „Das Wien“ nimmt der Sportminister die sauberen Sportler in Schutz!

Das Wien: Herr Sportminister – neben der doch erfreulichen Medaillenbilanz bleibt die Nordische Weltmeisterschaft in Seefeld durch einen Doping-Thriller in negativer Erinnerung. Es gab „blutige Geschäfte“, Razzien, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen, Anzeigen und wieder einmal einen internationalen Skandal. Die Polizei überraschte sogar einen Sportler mit der Spritze im Arm. Ist das Anti-Doping-Gesetz nicht streng genug und denken Sie an Verschärfungen, an weitere Konsequenzen, an härtere Strafen? Es geht ja auch um den Schutz der sauberen Sportlerinnen und Sportler …
Strache: Österreich ist kein Dopingland, sondern in Wahrheit ein Vorbild für dessen Bekämpfung. Wir haben eines der strengsten Anti-Doping-Gesetze weltweit. Die Nationale Anti-Doping Agentur NADA Austria, die Welt-Anti-Doping Agentur WADA sowie die nationalen und internationalen staatlichen Ermittlungsbehörden arbeiten sehr gut zusammen.
In Österreich ist Doping kein Kavaliersdelikt. Das Strafgesetzbuch qualifiziert Doping als Sportbetrug, es drohen bis zu drei Jahre Haft; bei schwerem Betrug sogar bis zu zehn Jahre Haft.
Das Anti-Doping-Bundesgesetz bestraft sogar schon den Besitz, den Handel oder die Weitergabe von Dopingmitteln mit bis zu fünf Jahren Haft. 2007 ist das Anti-Doping-Gesetz in Kraft getreten, 2010 wurde es verschärft.
In den Dienstverträgen der Spitzensportler wurden dienstrechtliche Konsequenzen verankert. Im Falle von Dopingvorwürfen werden diese geprüft und entsprechende Konsequenzen eingeleitet. Konsequenzen können die Freistellung, die Aberkennung des Status Bundes-Leistungssportler bis hin zu einem Entlassungsverfahren sein.

Das Wien: Im konkreten Fall sind die Dopingsünder nicht durch Kontrollen bzw. Proben, sondern durch eine Aussage eines anderen Sportlers überführt worden. Sind die Kontrollen mangelhaft?
Strache: Die Arbeit der Anti-Doping Agentur NADA-Austria ist ausgezeichnet, sonst wäre diese Zerschlagung eines internationalen Doping-Rings nicht möglich gewesen. Es braucht die Kontrollen, um Auffälligkeiten zu erkennen. Wir haben in Österreich gesetzliche Grundlagen, daher kann die NADA-Austria Auffälligkeiten dem Bundeskriminalamt melden, das prüft ob Ermittlungen eingeleitet werden. Die Doping-Kontrollen sind mit Planquadraten der Polizei im Straßenverkehr zu vergleichen: Es werden nicht alle alkoholisierten Autofahrer erwischt. Das Wissen, dass man kontrolliert werden könnte, ist abschreckend und es werden immer wieder alkoholisierte Verkehrsteilnehmer erwischt. Niemand käme auf die Idee Alkoholkontrollen durch die Polizei in Frage zu stellen.
Gerade weil Doping nicht immer einfach nachzuweisen ist, ist die Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt der Schlüssel zur Aufklärung. Das BK hat die rechtlichen Möglichkeiten gegen diese mafiösen Strukturen vorzugehen. Doping hat Konsequenzen. Für die körperliche und psychische Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler, aber auch für die existenziellen Grundlagen des überführten Athleten.

Das Wien: Leider sind – wieder einmal – auch österreichische Sportler betroffen. Sollten Sportler, die als Dopingsünder erwischt werden, automatisch lebenslang gesperrt werden?
Strache: Es gibt bereits jetzt die Möglichkeit, dass Sportlerinnen und Sportler lebenslang gesperrt werden. Die aktuellen rechtlichen Möglichkeiten – ob im Strafrecht oder Sportrecht oder Arbeitsrecht – sind ausreichend, weil sie nun auch exekutiert werden.

Das Wien: Kritiker behaupten, dass diese Vorfälle erst die „Spitze eines Eisberges“ gewesen sein sollen. Kann man Sportlern überhaupt noch trauen?
Strache: Ich verwehre mich auch gegen den Generalverdacht, der derzeit gegen unsere Sportler und Verbände ausgesprochen wird. Es gilt, einzelne Missbrauchsfälle konkret aufzuklären. Es ist nicht jeder Unternehmer ein Steuerbetrüger, nicht jeder Fußballer ein Wettbetrüger und nicht jeder Leistungsportler ein Sportbetrüger. Es ist der Mensch, der sich gegen einen fairen und ehrlichen Erfolg entscheidet und für den Betrug.

Das Wien: Zu Top-Funktionär Schröcksnadel: Da verdient jemand mit seinen Firmen durch den Wintersport Millionen und ist ÖSV-Präsident und nebenbei auch Geschäftsführer von Tochtergesellschaften des ÖSV. Ist das nicht völlig unvereinbar?
Strache: Es liegen mir keine Informationen vor, dass gegen Peter Schröcksnadel wegen dieses von Ihnen erhobenen Vorwurfes ermittelt wird. Gerüchte und Vermutungen kommentiere ich nicht.

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