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Admiral-Chefin Dr. Monika Racek im Gespräch mit Harald Raffer („Das Wien“)
© Selina de Beauclair

Aktuell | Interview

„Verbote beim Glücks­spiel sind nur kontra­produktiv!“

Admiral-Chefin Dr. Monika Racek setzt auf Präventionsmaßnahmen und ist für ein härteres Vorgehen bei den „schwarzen Schafen“ der Branche.

Sie wurde kürzlich in London in der Kategorie „Chief Executive Officer of the Year“ zur Siegerin gekürt und mit dem Global Regulatory Award ausgezeichnet: Dr. Monika Racek, Vorstandsvorsitzende der Novomatic-Tochtergesellschaft Admiral Casinos & Entertainment AG (ACE). Die Global Regulatory Awards würdigen jährlich Glücksspielbetreiber und Lieferanten für herausragende Leistungen im Compliance Management und für „verantwortungsvolles Glücksspiel“. Racek wurde für ihre „großartige Unternehmensführung“, ihr Führungsverhalten beim „Spielen mit Verantwortung“ und ihr Engagement für die intensive Weiterentwicklung des Unternehmens geehrt. Sie ist seit mehr als zehn Jahren bei Novomatic tätig und für die Bereiche Recht, Behörden, Human Resources sowie Responsible Gaming verantwortlich. Harald Raffer („Das Wien“) sprach in der Admiral-Zentrale in Wiener Neudorf mit der Spitzenmanagerin über Glück, Geld und Gesetze.

Das Wien: Das Thema „Glücksspiel“ löst Emotionen aus und reicht von prickelnder Unterhaltung bis zur Spielsucht. Wie sieht es mit Präventions- und Schutzmaßnahmen aus?
Racek: Admiral als operative Dachmarke der Novomatic AG ist in Österreich mit den Produkten Sportwetten, Glücksspiel und Gastronomie vertreten. Wir bieten diese drei Segmente dort, wo es erlaubt ist, auch an. Lange bevor es die große Glücksspielgesetznovelle im Jahr 2010 gab, haben wir uns schon intensiv mit den Themen Spielsucht, Jugendschutz und Prävention beschäftigt. Wir waren von Anfang an der Meinung – und nicht zuletzt unser Eigentümer Johann Graf – dass Glücksspiel und Sportwetten besonders sensible Dienstleistungen sind. Die soll man zwar anbieten dürfen, aber eben unter strengen regulierten Rahmenbedingungen.

Das Wien: Bleiben wir bei den Rahmenbedingungen bzw. Präventionsmaßnahmen …
Racek: In Österreich besteht ja eine sehr komplexe rechtliche Situation. Wir haben das Bundesmonopol – also alles was Spielbanken, Lotterie usw. anbelangt – und dann gibt es die Ausnahme vom Glücksspielmonopol. Das sind die Automaten bzw. ist das Automatenglücksspiel. Wir bieten das in fünf Bundesländern an, also in Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten und im Burgenland. Warum nur in fünf Bundesländern? Weil das so genannte „kleine Glücksspiel“ Ländersache ist. In vier Bundesländern ist es verboten. Dort, wo dieses Glücksspiel maßvoll und vernünftig reguliert ist, funktioniert es gut. Da kann man den Spieler, weil man ihn kennt, gut begleiten. Es gibt ja die verpflichtende Registrierung. Da funktionieren unsere Präventionsmechanismen sehr gut. In jenen Ländern, in denen das Glücksspiel verboten ist, wie etwa in Wien, gibt es natürlich trotzdem die Nachfrage – Gäste und Kunden suchen dann illegale Casinos auf oder bedienen das Internet. So gibt es z. B. in Niederösterreich kaum Probleme mit illegalen Automatenbetreibern. In Wien wachsen hingegen die illegalen Automaten-Lokale regelrecht aus dem Boden.

Das Wien: Sie haben die illegalen Casinos und Automatenbetreiber angesprochen. Wie kann man sich als seriöser Glücksspielbetreiber abgrenzen? Und was halten Sie von Verboten?
Racek: Verbote sind kontraproduktiv. Wir arbeiten ja seit Jahren mit einem großen wissenschaftlichen Kompetenznetzwerk zusammen, weil der Novomatic-Gruppe implementierte Präventionsmaßnahmen immer wichtig waren. Hier sind wir Pioniere in der Branche. Wir führen enge Kooperationen mit dem AKH Wien, der Uni Wien oder dem Anton-Proksch-Institut. Verbote lösen nur ein gewisses Trotzverhalten aus, die Menschen wollen dann genau diese Dinge haben und suchen sich Angebote. Das Glücksspiel per se ist ja Unterhaltung pur. Dennoch macht es Sinn in so einem sensiblen Bereich zu regulieren. Streng, mit Auflagen und Kontrollen. Nur wenn man seine Kunden und deren Spielverhalten begleitet, kann man ihnen helfen.

Das Wien: Warum sind in Wien Automaten verboten?
Racek: Wie erwähnt handelt es sich um eine landesgesetzliche Materie. Wien hat sich 2014 dazu entschlossen, kein neues Gesetz zu verabschieden. Deshalb ist das Automatenspiel nicht erlaubt. Natürlich gibt es Glücksspielautomaten in der Bundeshauptstadt, legale stehen bei den Casinos Austria. Und dann gibt es noch eine Menge illegaler Automaten. Wien verzichtet da jährlich auf Abgaben in der Höhe von 55 bis 60 Millionen Euro.

Das Wien: Wie viele Filialen betreibt Admiral in Österreich?
Racek: Inklusive der Sportwetten betreiben wir in Österreich 220 Admiral-Filialen. In den so genannten „Erlaubnis“-Ländern, damit meine ich das Glücksspiel, sind wir mit 150 Filialen vertreten. Da bieten wir Glücksspiel, Gastronomie und Sportwetten an. Es geht uns um ein Full-Service-Entertainment-Portfolio. Unsere Kunden sollen mehr bekommen und erleben als „nur“ Automaten.

Das Wien: Wie sieht es mit den Mitarbeitern aus?
Racek: Österreichweit sind es ca. 1500 Mitarbeiter.

Das Wien: Ein Blick in die Bilanz ...
Racek: Unser Umsatz beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro.

Das Wien: Bei Novomatic findet man etliche Frauen in Führungsgremien. Ist das eine Art Vorreiterrolle?
Racek: Ja – das ist bei uns schon sehr speziell, weil gerade der Glücksspielbereich sonst männerdominiert ist. Bei entsprechenden Rahmenbedingungen lässt sich der Job für Frauen vereinbaren. Ich habe bei Novomatic nur Unterstützung erhalten. Deshalb bin ich bei Frauenquoten eher skeptisch, am Ende muss es um die passende Qualifikation gehen.

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