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Dr. Ebadollah Molaei, iranischer Botschafter
© Franz Schobesberger jun. - www.reporter.co.at

Interview

„Trump hat Probleme mit der ganzen Welt!“

„Das Wien“-Exklusiv-Interview mit Dr. Ebadollah Molaei, iranischer Botschafter in Wien.

Er bezeichnet die US-Regierung als „die unverschämteste der Welt“.

Die iranische Botschaft – das prächtige ehemalige Palais Sigray St. Marsan – liegt im „Botschafts-Viertel“ im 3. Wiener Bezirk. Die rot-weiß-grüne Flagge der Islamischen Republik Iran – in der jetzigen Form seit 1980 gültig – weist auf diesen bevölkerungsreichen Staat in Vorderasien hin. Auf der Straße vor dem Haus patrouilliert ein österreichischer Soldat. Botschafter S. E. Dr. Ebadollah Molaei empfängt Chefredakteur Harald Raffer („Das Wien“) in seinen Amtsräumen im ersten Stock. Die Wände zieren kunstvolle handgemachte persische Schmuckstücke aus verschiedenen Epochen. In einem Exklusiv-Gespräch nimmt der Botschafter zu aktuellen Fragen seines Landes und zu den Beziehungen zu Österreich ausführlich Stellung.

Das Wien: Herr Botschafter, seit wann sind Sie in Österreich ansässig und wie sehen Sie die Stadt Wien?
Dr. Ebadollah Molaei: Meine Mission als Botschafter der Islamischen Republik Iran hat im Jahre 2015 begonnen. Diese Ära, für die ich die Ehre habe, den Iran in Österreich zu vertreten, ist eine der wichtigsten Perioden in der langen Geschichte der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Iran und Österreich. Wien ist eine der schönsten und kulturreichsten europäischen Hauptstädte, die auch gleichzeitig als wichtigstes Zentrum der modernen Diplomatie und als einflussreicher Mittelpunkt vieler wichtiger diplomatischer Ereignisse angesehen wird. Internationale Konventionen, verschiedene Abkommen und Verträge sowie wichtige historische Verträge wie der Kongress von 1815, Wiener Übereinkommen über diplomatische und konsularische Beziehungen von 1961 – 1953 oder auch JCPOA von 2015 haben maßgeblich zur Geschichte dieser internationalen Diplomatie beigetragen. Diese Ereignisse haben den Wienerinnen und Wienern bzw. Österreich eine respektable Position in der Welt und der internationalen Community verliehen.

Das Wien: Wie und in welchem Umfang bestehen die Handelsbeziehungen zwischen Österreich und der Islamischen Republik Iran?
Dr. Molaei: Österreich ist seit langem einer unserer wichtigsten Wirtschafts- und Handelspartner in Europa. In der Zeit nach JCPOA (Nuklearabkommen mit dem Iran. Anm., d. Red.) wurden wichtige Schritte im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern unternommen. Die Revitalisierung der gemeinsamen Wirtschaftskommission, die Ausarbeitung des Fahrplans für die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Einrichtung mehrerer technischer Arbeitsgruppen für die Förderung dieser Partnerschaften sind einige dieser Schritte, die den Weg für die Entwicklung und Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gefördert haben.

Während dieser Zeit wurden mehrere Abkommen zwischen den Organisatoren und Ministerien der beiden Länder finalisiert. Hier sehen wir die Interaktionen und die gut etablierte Kommunikation, die den Rahmen und die Infrastruktur für eine gute Zusammenarbeit geschaffen haben. Verträge sind auch in verschiedenen Bereichen, einschließlich der Energie, Landwirtschaft, Industrie, Technologie, Transport, Tourismus, Gesundheit und Krankenhausaufenthalte zustande gekommen und zusätzliche Verträge wurden unterzeichnet oder befinden sich in verschiedenen Phasen der Umsetzung.

In dieser Hinsicht ist auch der Handel zwischen Iran und Österreich im Jahre 2017 erfreulicherweise stark gewachsen. Laut „Statistik Austria“ betrug das Handelsvolumen zwischen Iran und Österreich im Vorjahr mehr als 421 Millionen Euro. Dabei stiegen Österreichs Importe aus dem Iran um 18,5 Prozent auf 119.342.000 Euro, während Österreichs Exporte in den Iran um 2,9 Prozent auf 301.734.000 Euro gewachsen sind. Dennoch verfügen die beiden Länder über wesentlich mehr Kapazitäten für die wirtschaftliche Zusammenarbeit, was in den kommenden Jahren zu einem Anstieg des Austauschvolumens führen kann.

Das Wien: Gibt es ein breites Spektrum im Austausch kultureller und wissenschaftlicher Aktivitäten?
Dr. Molaei: Gegenseitiges Verständnis, Kommunikation und kulturelle, wissenschaftliche und akademische Zusammenarbeit sind einige der wichtigsten Facetten der Beziehungen zwischen Iran und Österreich. Die Menschen beider Länder kennen das historische, kulturelle, literarische und künstlerische Erbe wie Poesie, Kino, Theater und Musik. Ihre gegenseitigen Interaktionen in Wissenschaft, Forschung, Kooperationen zwischen Bibliotheken und Museen, Sport und vielen anderen Dingen gehören zu den herausragendsten Bereichen der kulturellen Beziehungen.

Die Präsenz von Hunderten von Ärzten, Universitätsprofessoren, Studenten, Wirtschaftsaktivisten und iranischen Kultur- und Kunstschaffenden in Österreich hat zur Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses und zum gegenseitigen Respekt der beiden großen Nationen Iran und Österreich beigetragen. In den letzten Jahren gab es große Fortschritte in der akademischen Zusammenarbeit. Eine der Arbeitsgruppen des Fahrplans für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern ist die Gruppe der akademischen und wissenschaftlichen Kollaborationen. Im Rahmen dieser Arbeitsgruppe haben bereits zwei große Treffen in Teheran im Jänner 2017 und danach im Jänner 2018 in Wien stattgefunden. Bei der zweiten Sitzung wurde ein Komitee namens Impulse Iran-Österreich unter Vorsitz des ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer und des stellvertretenden Ministers für Wissenschaft ins Leben gerufen, wobei 17 gemeinsame wissenschaftliche Projekte von Forschungseinrichtungen ausgewählt worden sind.

Die Unterzeichnung verschiedener „Memoranden of Understandings“ für die Zusammenarbeit zwischen Unis und Forschungszentren steht für die Entschlossenheit und Bereitschaft der Parteien, den wissenschaftlichen, akademischen und forschungsbezogenen Erfahrungsaustausch zu fördern und auszubauen. Der Beginn des neuen von der Universität Wien angebotenen Erweiterungscurricula für den Studiengang Orientalistik, welche vielfältige Inhalte aus Geschichte, persische Sprache und Literatur umfasst sowie die Konferenz zum philosophischen Dialog und die Ausstellung der historischen Dokumente des 160. Jahrestages der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern waren heuer wichtige kulturelle Ereignisse.

Das Wien: Österreich ist Vorsitzender der EU-Präsidentschaft. Ihre Meinung dazu…
Dr. Molaei: Österreich ist seit langem eine der wichtigsten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mächte Europas und spielt heute als effektives Mitglied der Europäischen Union eine herausragende Rolle in dieser transnationalen europäischen Institution. Auf der anderen Seite hat Österreich in den letzten Jahren als aktiver außenpolitischer Akteur in der internationalen Politik agiert.

Diese europäische und internationale Position Österreichs hat während der EU-Ratspräsidentschaft in einem der schwierigsten Perioden der EU große Chancen eröffnet. Ich bin der Auffassung, dass Österreich eine positive und konstruktive Rolle spielen kann, in der Weltfrieden und Sicherheit vor vielen Herausforderungen und Krisen stehen.

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