Aktuelles

Herausgeber Heinz Knapp spricht mit HC Strache über sein Comeback in der Politik.
© Selina de Beauclair

Aktuell | Interview

Strache: „Plan war es mich politisch auszulöschen“

In einem offenen Gespräch hat HC Strache seine Sichtweise zu Ibiza, FPÖ, Ermittlungsverfahren und sein Comeback geschildert.

Das Wien: Herr Strache, nach ihrem offiziellen Abschied aus der Politik, was hat Sie bewogen wieder in den Ring zu steigen und in Wien als Bürgermeister zu kandidieren?
HC Strache: Ich habe nach dieser inszenierten Falle Verantwortung übernommen und wollte mit meinem Rücktritt als Vizekanzler und Parteichef die Fortsetzung der Regierung versucht sicherzustellen. Das ist mir auch von Bundeskanzler Kurz zugesagt worden, der sich dann in Folge leider nicht darangehalten hat. In Folge wollte ich meiner freiheitlichen Familie helfen und mich durch meinen Rücktritt aus der Schusslinie bringen, doch man ist mir und meiner Frau leider in den Rücken gefallen. Unzählige Menschen sind danach zu mir gekommen und haben gesagt: das ist ein Wahnsinn wie deine ehemaligen Leute mit dir umgehen, die wollen dich vernichten und brechen. Bitte lass dir das nicht gefallen, bitte lass uns in Wien politisch nicht im Stich. Nach vielen, vielen Gesprächen und Zuschriften ist dann die Entscheidung in mir gereift, dass ich mich so nicht behandeln lassen kann und mich von feigen, anonymen Denunzianten fertig machen lasse. Deshalb habe ich mich entschlossen mit dieser Bürgerbewegung in Wien als Bürgermeister anzutreten, aber die genauen Details gibt es in den nächsten Wochen.

Das Wien: Wie genau kann man sich die Entscheidung für sein Comeback vorstellen? Macht man sich das mit sich selbst aus, mit der Familie oder mit Freunden?
HC Strache: Das war ja eine unglaubliche Lebenszäsur, wo es einem ja die Schuhe ausgezogen hat und mit welchen ungeheuerlichen Anschuldigungen man da auf einmal zu kämpfen hatte. Das muss man ja einmal alles verarbeiten und auch das vermeintliche Freunde sich in einer schweren Lebenssituation als überhaupt keine Freunde herausstellen. Auf der anderen Seite kommen aber auf einmal Menschen auf dich zu, die nie etwas von dir gewollt haben, und die dir aufgrund dieser Ungerechtigkeiten, die dir zugefügt wurden, dich unterstützen wollen. Ich habe viel verarbeiten müssen, habe aber auch viel Klarheit gefunden und für mich entschieden, ja ich stehe wieder auf und werde stärker sein denn je, wie Phönix aus der Asche. Natürlich habe ich das mit meiner Frau, meiner Familie und meinen Freunden und Weggefährten diskutiert und besprochen, diese Entscheidung musste reifen.

Das Wien: Was wird mit Ihrer neuen Partei, mit der neuen Bürgerbewegung anders sein als mit der FPÖ?
HC Strache: Als HC Strache und politischer Verantwortungsträger bin ich natürlich das Original und der Gleiche geblieben. Ich werde mir kein Blatt vor den Mund nehmen und natürlich Dinge aufdecken und weiter für die Bevölkerung kämpfen. Ich werde jetzt mit der Grundbasis, welche die drei Musketiere Baron, Handler und Kops geschaffen haben eine ganz neue Bürgerbewegung aufsetzten. Wir wollen in Wien den Anspruch stellen, Michael Ludwig als Bürgermeister herauszufordern und eine dringend benötigte Veränderung in Wien herbeizuführen. Wie ist mittlerweile eine komplette Großbaustelle, egal ob es das Bildungssystem ist, die mangelnde Sicherheit, die gescheiterte Integration, die höchste Jugendarbeitslosigkeit, die teure Wohnsituation. Da ist einiges im Argen und ich glaube ich kann damit unserer Bürgerbewegung einiges Erreichen und wir können hier Geschichte schreiben.

Das Wien: Haben Sie eigentlich den Eindruck, dass manche Medien hier eine regelrechte Hetzjagd auf Sie veranstalten und es hier schon lange nicht mehr um eine objektive Berichterstattung geht?
HC Strache: Ich habe in meiner politischen Karriere schon einiges erlebt und musste damit leben lernen. Aber welche Dimensionen das mittlerweile angenommen hat, mit Fallen stellen und dem einzigen Ziel mich politisch fertig zu machen, das überrascht und enttäuscht mich sehr. Es fand sprichwörtlich eine Hexenjagd statt.

Das Wien: Sie wurden von Ihrem engsten Umfeld verraten, ausspioniert und enttäuscht. Wie schwierig ist es da eigentlich noch Vertrauen zu seinen Weggefährten und Freunden zu fassen?
HC Strache: Ich bin ja ein sehr offener und herzlicher Mensch und bin teilweise auch sehr gutgläubig. Das ist einerseits eine meiner größten Stärken aber gleichzeitig aber auch meine größte Schwäche. Das konnten dann leider Menschen ausnützt und diesen Charakterzug gegen mich verwendet. Natürlich wird man vorsichtiger und natürlich auch ein wenig misstrauischer. Aber entweder man zerbricht daran oder man fasst sich und geht gestärkt daraus hervor. Das war immer mein Kredo: Aufgeben tut man nur einen Brief.

Das Wien: Wie darf man sich die Stimmung in der Bürgerbewegung vorstellen?
HC Strache: Ich bin hier sehr positiv gestimmt und habe mit Karl Baron, Klaus Handler und Didi Kops die richtigen Leute an meiner Seite. Man darf ja nicht vergessen wie man mit mir umgegangen ist, und auch mit meiner Frau. Ich wollte immer gemeinsam mit der FPÖ weiterarbeiten, aber man hat mich ausgeschlossen. Im Gegensatz zu Jörg Haider habe ich ja nicht die Partei verlassen, die Partei hat mich verlassen. Ich glaube, dass ich in den nächsten 15 Jahren noch sehr viel positives für Wien und Österreich machen und bewegen kann.

Das Wien: Was sind in Ihrem Leben die drei wichtigsten Sachen?
HC Strache: Das wichtigste ist mit Sicherheit die eigene liebevolle Familie, der Lebenspartner, die Ehefrau und die Kinder. Das ist der Sicherheitsbereich, in den man sich immer wieder zurückziehen kann, dein persönlicher Rückhalt und der Ort zum Kraft tanken.

Natürlich ist auch die Gesundheit ganz wichtig, das habe ich jetzt gerade wieder einmal nach meinem Sturz beim Schifahren gemerkt. Gesundheit kannst du mit keinem Geld der Welt kaufen. Und der Wille und deine persönliche Kraft. Man hat jeden Tag die Möglichkeit sein Leben besser zu machen und kann täglich was verändern. Nicht nur für sich, sondern auch für sein Umfeld. Wenn man hinfällt muss man eben auch wieder aufstehen, auf keinen Fall darf man liegen bleiben. Es ist nie zu spät, jeder macht Fehler, aber man hat immer eine neue Chance. Auch ich habe Fehler gemacht, aber ich werde alles dafür tun um das Vertrauen der Menschen, die ich enttäusch habe, wieder zurück zu gewinnen.

› zum vollständigen Interview

Zurück