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Ina Lechner
© Dan Galic

Aktuell | Interview

Polizistin vertritt unser Land bei Bodybuilding-WM

Die Wienerin Ina Lechner: "Ich fokusiere mich auf den Tag X und vertraue dem Fortschritt und meinen Coaches."

Das Wien: Wie sind Sie zum Bodybuilding gekommen?
Ina Lechner:  Ich war seit ich denken kann – vermutlich seit ich mich bewusst bewegen kann – immer schon im Inneren ein Sportler. Hierbei war ich knappe 20 Jahre im Kampfsport unterwegs. Als ich jedoch aus familiären/persönlichen Gründen eine Sportpause einlegen musste begann mein Körper sich zu verändern, wie ich diesen nicht kannte. Meine Mutter hatte sich damals immer schon gewünscht, dass ich eine Sportart wählen würde, wo ich meine weibliche Seite präsentieren kann – und nicht wie sonst eher in Männer-dominierenden Sportarten mich bewege. Hat fast geklappt, würde ich sagen. Wie jedes Mädchen beginnt man Fitness/Sport-Influencer zu folgen und sich eine Persönlichkeit zu suchen mit der man sich am besten authentifizieren kann. Bei mir war es damals Andreia Brazier und Caroline de Campos.  Als ich jedoch dann von beiden ihre Bühnenpräsenz sah – mit einer Weiblichkeit zum Umwerfen, jedoch voller Kraft und Selbstbewusstsein – begann ich mich immer mehr für Bodybuilding zu interessieren. Hierbei war es mir jedoch wichtig einen Verband zu wählen, welcher genau auf diese Punkte wert legt – und nicht das typische Bild einer Bodybuilderin im Kopf der Allgemeinheit stärkt. Und hierbei kam ich zu meinem Verband WBFF (World Beauty Fitness & Fashion). Nun wusste ich, was mein Ziel ist und wusste, dass es ein Weg voller Steine, Missverständnissen, Disziplin und mentaler Stärke werden wird. Und diesen Weg war ich bereit zu gehen.

Das Wien: Finden Sie so definierte Muskulöse persönlich schön und sexy und was entgegnen Sie Menschen, die das abstoßend und unweiblich finden?
Lechner: Tja eine Frage, welche ich sehr oft gestellt bekomme. Wenn ich eine definierte und muskulöse Frau sehe – dann sehe ich Disziplin und zolle diesem Respekt. Ich weiß wie viel Arbeit und Disziplin dahintersteckt. Ob ich dies bei einer Frau als schön und sexy bezeichnen würde, hängt jedoch – so klischeehaft das auch klingen mag – von ihrer Ausstrahlung und ihrer Präsenz ab. Ich finde kurvige Frauen genauso wunderschön wie schlanke oder muskulöse solange ich sehe, dass sie sich selbst liebt. Ich glaube das ergibt die Ausstrahlung und das nötige Sexappeal. Frauen, die uns Athleten als abstoßend empfinden, finde ich traurig. Meist kommt dies aus einem Gefühl der eigenen Unzufriedenheit oder Frust heraus. Was man nicht vergessen darf ist, dass die Form, welche man auf der Bühne sieht eine quasi Momentaufnahme ist und kein Athlet das gesamte Jahr so durch die Gegend läuft. Ich finde eine allgemeine Akzeptanz oder eine Hilfestellung, wenn diese benötigt wird, leider oft sehr mangelhaft, jedoch findet man sie. 

Das Wien: Gefällt Ihnen das auch bei Männern oder darf es da auch gerne ein Baucherl sein?
Lechner: Ich glaube bei Athleten ist dies eine sehr amüsante Frage. Wenn ich einen Athleten sehe, schaue ich meist auf seine Muskeldefinition, -ausprägung, den Trockenheitsgrad – denk mir auch oft "Alter Schwede, mega"  – weiß jedoch selten im Nachhinein wie dieser oberhalb seines Körpers ausgesehen hat. Wir sehen einen Körper als Kunstwerk – als unsere Schaffung. Und natürlich darf ein Mann auch ein Baucherl haben – solange sich dieser wohl fühlt. Ich liebe meinen Mann in allen seinen Phasen – und finde diesen auch in jeder dieser Phasen unglaublich anziehend – egal ob trocken wie eine Rosine oder fluffig wie ein Marillenkrapfen. 

Das Wien: Wie geht Ihr Mann mit dieser Leidenschaft um und kann man das auch ohne die Unterstützung durch seinen Partner durchziehen?
Lechner: Hierbei muss ich gestehen, in der wundervollen Position zu sein, dass mein Mann die gleiche Leidenschaft bereits vor mir hatte – jedoch erst durch mich auf den Geschmack der Wettkämpfe gekommen ist. Wir gehen gemeinsam durch alle Phasen und dabei wirklich durch dick und dünn. Nicht nur, dass er meinen Sport und meine Leidenschaft versteht, versteht er ebenfalls auch meinen Beruf, da er selbst auch Polizist ist. Wir geben uns beide die Freiheit, die wir brauchen und zum richtigen Zeitpunkt ebenfalls Kraft und Stärke. Schwer wird es lediglich, wenn wir beide zickig in der Diät werden, wenn wir uns gemeinsam auf einen Wettkampf vorbereiten, aber auch dies meistern wir auf unsere eigene Art und Weise.

Das Wien: Sie vertreten Österreich bei der Bodybuilding-WM in Amerika. Erzählen Sie uns ein paar Sätze darüber und wie hoch Sie Ihre Titelchancen einschätzen?
Lechner: Leider ist aufgrund des Covid-19 dieses Jahr die WM der WBFF von den Bahamas, Ende August auf Anfang November in London, verschoben worden. Für mich als Österreicherin natürlich ein riesen Vorteil, weil mein Flug und die Strapazen, welche Hand in Hand gehen, auf ein "Krümelchen" minimiert wird. Eine sehr schwere Frage – vor allem diese ohne eine gesunde Portion Selbstbewusstsein zu beantworten. Aber ehrlich gesagt, sehe ich meine Chancen bei dieser WM sehr gut abzuschließen. Ich habe das beste Coaching-Team von Legendary Bodiese hinter mir. Dabei handelt es sich um TJ Hoban der meine Trainings-, Ernährungs- sowie Supplementpläne schreibt und Caroline de Campos, die von Anfang an meine eigene Inspiration als 2-fache WBFF-Weltmeistern war. Beide wissen genau auf was es in meinem Verband ankommt und auf was genau Wert gelegt wird. Also: I can’t stop, I won’t stop.

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